01. September

Bereits um 6:30 Uhr treffe ich mich mit Ram, um die angeblich schönste der drei Königsstädte (neben Kathmandu und Patan), Bhaktapur, anzuschauen. Denn Ram kommt von hier und ist stolz, mir seine Heimatzeigen zu können. Meine Freude wird ein bisschen geschmälert, als ich am Stadtrand knapp 10 DM bezahlen muss, um den Stadtkern überhaupt betreten zu dürfen. Wir besichtigen den hoch aufragenden »Nyatapola Mandir«, eines von weltweit nur drei (hinduistischen) Heiligtümern mit fünf Pagodendächern (»der Fünfgeschossige«), die noch verbliebenen Höfe des Palastbezirks (»Durbar Square«) sowie den durch aufwendige Restaurierungsarbeiten noch sehr in seiner ursprünglichen Art erhaltenen Platz »Tacapala Tole«. Ich frage Ram, was er davon halten würde, für ein paar Jahre nach Europa zu kommen, dort ordentlich Geld zu verdienen, um später ohne Geldsorgen wieder zurückzukommen. Denn er hat zu seinen schweren Lebensumständen auch noch – wie alle Kellner in seinem Lokal – ärger mit seinem Chef, der ihm aber nicht sagt, warum. Aber um einen eigenen Laden aufmachen zu können, fehlt ihm das Geld. So wäre Europa vielleicht eine gute Lösung. Ram ist alles andere als auf den Kopf gefallen, ein richtig »guter« Typ, aber auch – über die vielen Touristen – mit den »westlichen Sitten« vertraut. Einen großen »Kulturschock« dürfte er dadurch in Europa nicht bekommen. Ram ist begeistert. So rufen wir gleich bei der deutschen Botschaft an. Ja, er könne nach Deutschland kommen. über einen Studienplatz sei dies auch für längere Zeit möglich. Aber irgend jemand müsse auch eine Verpflichtungserklärung für ihn abgeben und damit nachweisen können, dass er für seinen Unterhalt sorgen könne. Daran scheitert es bei mir also. Verdammter Mist! Ram will ja sowieso arbeiten und sich sein Geld selbst verdienen. Aber er hat ja noch keine Arbeitsstelle, um einen eigenen Nachweis erbringen zu können. Aber ohne den Nachweis kommt er halt nicht ins Land. Und ohne bereits im Land zu sein, kann er keine Arbeit haben. Eine verflixte Quadratur des Kreises. Ich verspreche Ram, mal bei all meinen Email- Lesern nachzufragen, ob ihm vielleicht von diesen irgend jemand helfen könne. Versprechen könne ich ihm aber nichts, oder doch? Am Abend zeigt mir Fernando noch eine andere Bar, ja das Leben scheint mich wieder zu haben. Die Wirtin (Verena) ist eine Tirolerin. Herrlich die Sprache meiner »zweiten Heimat« mal wieder zu hören! Verena kam vor acht Jahren zum ersten Mal her und vor vier Jahren hat sie dann hier einen Nepalesen geheiratet. Wir unterhalten uns auch noch mit dem Fotograf und einem Journalisten einer südostasiatischen, ziemlich intellektuellen Zeitschrift (»Himal«). Aber »kippen« können sie auch kräftig. Flemming, ein Musikproduzent aus Kopenhagen, kommt noch dazu. Er ist bereits leicht angetrunken und gibt eine Runde nach der anderen aus. Dann laufen auch noch zwei Frauen aus England und Neuseeland ein, die glauben wegen ihrem letzten Urlaubsabend noch ein paar Runden »Kurze« schmeißen zu müssen. Dabei halte ich mich dann aber doch zurück, immerhin hatte ich ca. eineinhalb Monate keinen Alkohol angerührt. Da war das heute genug und dementsprechend falle ich todmüde gegen 3:00 Uhr ins Bett.