02. Januar

Endlich ist wieder eine Internetmöglichkeit geöffnet. Ich nutze es aus, irgendwie zu lange. In der Müdigkeit habe ich mich wohl um eine Stunde mit meiner Abflugszeit nach Neuseeland vertan. Plötzlich Hektik. Schnell auschecken. Von den noch schlafenden Schweizern verabschieden. Habt alle noch eine tolle Reise, nutzt die Zeit und vergesst nie: NO WORRIES! Bis im nächsten Frühjahr – spätestens. Raus zum Flughafen. Knapp 30 km. Strengster Gegenwind. Was sonst? Wie hätte mich Australien auch passender verabschieden können? Da ich spät bin, muss ich »volles Rohr« fahren. Wieder mal am Anschlag. Dann ausgepumpt am Flughafen, finde gleich meine Airline. Halbe Stunde anstehen, die Zeit läuft weg. Einchecken ohne Probleme. direkt ab in den Flieger. Ciao Australia. Ich wünsche dir, dass du so werden mögest, wie du dich ja gerne nach außen hin gibst: Ein bisschen lebensfroher, freier, lockerer und auch tiefgehender halt. But if not: »Anyway, it doesn’t matter.». Leider sitze ich genau über den Tragflächen und kann dementsprechend nicht viel sehen. Zu meiner Linken sitzt eine Frau, die nur Baileys kippt, zu meiner Rechten ein Mann, der die (seine) Welt durch einen Scotch nach dem anderen zu verschönern versucht. Nach drei Stunden Flug pünktliche Landung, nach neuseeländischer Zeit (12 Stunden vor MEZ) um 18:30 Uhr. Doch die Kiwis kennen scheinbar noch weniger Gnade als die Aussies. Wer glaubt, die Maschine nach der Landung schnurstracks verlassen zu dürfen, irrt. Zuerst kommen die Sprüher von der neuseeländischen Gesundheitsbehörde an Bord und nebeln Mensch und Gepäck mit ihrem antibakteriellen Spray ein. Seuchen und Krankheiten bleiben im Flugzeug, der desinfizierte Mensch darf anschließend die Maschine verlassen. Zu verzollen habe ich Gott sei Dank nichts, auch nichts Essbares. Aber an der dann folgenden Quarantäne-Kontrolle komme ich nicht vorbei. Alle meine Taschen müssen geöffnet werden. Eine Frau wühlt darin rum, welch beschissener Job. Ein Hund schnüffelt alles ab. Mit Fragen werde ich auch noch überschüttet. Mein Zelt wird beschlagnahmt, müsse desinfiziert werden, da es bereits benutzt worden sei. Ich scheine vom Regen in die Traufe gekommen zu sein, was die akkuraten Gesetzesausführungen betrifft. Wie gut haben wir es da nur in Europa! Endlich, nach über eineinhalb Stunden Kontrollen, kann ich wieder radeln. Es dämmert schon wieder. Wieder ist Eile angesagt, damit ich schnell im 20 km entfernten Auckland ankomme. Die bereits reservierte Jugendherberge (Danke nach Stuttgart!) finde ich recht schnell. Am Abend gehe ich noch ins Stadtzentrum, zu einem Schotten, der einen türkischen Döner-Laden betreibt. Sein Compagnero kommt aus dem Iran, wir haben genügend Gesprächsstoff. Nebenbei lese ich mich auf Neuseeland ein.