02. Mai

Ich bin gerade vor fünf Minuten losgefahren, da überholt mich Mehmet aus Saudi-Arabien. Er will, dass ich in seinem Auto ein Stück mitfahre. Zunächst zögere ich, doch er macht einen so sympathischen Eindruck, dass ich nachgebe. Schließlich bin ich ja nicht in erster Linie in sportlicher Sicht unterwegs, sondern ich will Land und v. a. Leute kennen lernen. Und da gehört so eine Autofahrt sicher dazu. Zumal wir zusammen mit Mehmets beiden ca. zehnjährigen Söhnen zu viert in der ersten Reihe sitzen! Aber das ist hier eh normal. Während einer Pause stellt mich Mehmet immer wieder stolz als SEINEN Begleiter vor. Nach 90 km im Auto begebe ich mich wieder mit dem Rad auf die Landstraße. Natürlich wittern manche Leute beim Anblick des »reichen Europäers« ein gutes Geschäft. So stoppt mich z. B. ein Motorradfahrer, der mir Hasch verkaufen will. So »muss« ich teilweise auch genau aussuchen, bei wem ich anhalte und bei wem nicht. In einer größeren Stadt will mich fast jedes Café haben. Ich wäre ihre Sensation und würde gleich einige Leute anziehen. Manche reden mich dann so lange türkisch an, bis ich ebenso lange pfälzisch rede, damit die Menschen verstehen, dass eine ausführliche Kommunikation über Worte nicht möglich ist. Ab und zu wird aber gleich der einzige Deutsch- bzw. Englischsprechende des Ortes »organisiert«, der dann alles übersetzen muss. Ich bewältige heute die ersten Pässe in der Türkei (Dumlu Gecidi = 1277 m sowie den Köroglubeli = 1400 m). Dies ist aber nur halb so wild, da sich die zentralanatolische Hochebene durchschnittlich eh schon auf ca. 800 m befindet. Um 19:03 Uhr Ortszeit (18:03 MEZ) erfahre ich DIE Sensation: DER FCK IST DEUTSCHER FUßBALLMEISTER 1998 und hat die großkopferten Bayern in die Schranken verwiesen!! Schade, dass ich nicht mitfeiern kann! Ich übernachte in einem einfachen, aber sauberen Hotel. Obwohl es nur 3,80 DM kostet, will der Besitzer unbedingt auch noch mein ganzes Gepäck in den dritten Stock tragen. Ich werde sehr misstrauisch, da ich mir kaum vorstellen kann, dass er das ohne Hintergedanken tut. Immerhin ist allein mein Rad wohl schon ein paar Monatslöhne für ihn wert. Aber er tut es tatsächlich nur, weil er von meiner Ausrüstung sehr fasziniert ist. Am Abend soll ich im Café wieder über alles Mögliche Auskunft geben, unter anderem, was ich von der türkischen Geschichte halte etc..