02. Oktober

Länger schlafen. Hunger. Aber dennoch schaue ich mir vor einem Frühstück erst noch meinen platten Schlauch an. Gleiches Problem wie gestern: Dünner, ca. 10 cm langer »Schnitt« an der selben Stelle – nicht weit vom Ventil entfernt. Das müsste am Hinterrad liegen! Und tatsächlich: Das Klebeband auf dem Laufrad ist nicht 100 Prozent geradlinig angebracht, so dass an einer Stelle eine etwas scharfe Metallkante am Schlauch bei jeder Umdrehung reiben kann. Ich gehe zum örtlichen Radhändler. Leider haben die aber kein Klebeband dieser Art. Ein etwas besserer Tesa-Streifen muss genügen. Ab in die Berge! Einen Großteil unseres Gepäcks lassen wir im Hotel zurück, morgen Abend wollen wir wieder hier sein. Cameron Highlands. Inmitten der Titiwangsa-Gebirgskette liegt diese seit bereits 100 Jahren zum Gemüse-, Obst- und Teeanbau genutzte Region. Von Meereshöhe geht es auf 60 km in den Hauptort der Highlands, Tanah Rata, 1500 m hoch gelegen. Zunächst noch flach. Straße gut, geringes Verkehrsaufkommen, kleine Dörfer (meist Pfahlbauten, malaysisch »kampongs«), viele Flüsschen und die gewohnten Palmen. Langsam wird es steiler. Es tauchen ein paar Wasserfälle auf und auch die Vegetation ändert sich: Echte Urwaldriesen, meterhohe Baumfarne, Orchideen, Moose. Die Straße windet sich immer kurviger durch die Berge. Mir macht es riesigen Spaß. Die Leute grüßen freundlich, Radfahrer kommen hier wohl nicht allzu oft hoch. V. a. die Kinder sind begeistert. Und die Hitze lässt immer mehr nach, je höher wir kommen. Sehr angenehm. Wir erreichen den ersten Ort der Highlands, Ringlet. Bald darauf taucht schon die erste – für hier so typische – Teeplantage mit ihrem grünen Teppich auf. Fotos. Nach gut dreieinviertel Stunden habe ich bereits Tanah Rata erreicht und checke in dem mit Barry verabredeten Hotel ein. Gerade als ich mich auf den Weg in den Ort zum Abendessen aufmache, spricht mich jemand in oberösterreichischem (grüß dich, Linse!; weißt du noch, was ich immer über »Euch« gesagt habe?) Dialekt an. Es ist Franz vom Wolfgangsee (er hätte fast einmal unseren – inzwischen – «Altkanzler – Kohl überfahren. ), der in Linz arbeitet. Den ganzen Tag bekommt er dabei die Kundenbeschwerden eines großen Versandhauses um die Ohren gehauen. Wir gehen zusammen essen. Und zwar »sate«: Fleischspießchen über Holzkohlenfeuer gegrillt, mit gut gewürzter Erdnusssoße. Ein interessantes Gespräch entwickelt sich. Franz weist einige Parallelen zu mir auf: Nach dem Abitur (in »Felix Austria« Matura) hatte er sich lange überlegt, dem Franziskanerorden beizutreten, sich dann aber doch anders entschieden. Nun hat er sechs Wochen Urlaub, die er hauptsächlich zum Ausspannen hier in den Bergen verbringt. Er nutzt die Zeit aber auch, um an seinem Roman weiter zu schreiben. Es ist ein etwas »abgedrehtes« Buch, dass sich in philosophischer Art und Weise um die Grundfragen des Menschen dreht. Er gibt mir ein Kapitel zum Lesen. Hierbei geht es darum, ob es ein »Nichts« gibt, was es denn sei und ob man es erklären und darstellen könne (habe ich das richtig verstanden, Franz?). Wenn es fertig ist, will ich das Buch mal ganz lesen. Vielleicht besser als der Philosophieunterricht in Schule und Studium. Jedenfalls ist ein hochinteressanter Abend garantiert. Bald unterhalten wir uns, als würden wir uns schon »ewig« kennen. Dann gehen wir noch in einen Pub mit guter Musik und angenehmen Ambiente. Philosophische und tief gehende Gespräche über Religion, Reisen und Kunst lassen die Zeit bis zur Sperrstunde schnell verstreichen.