03. Januar

Der 40. Reisebericht beschäftigt mich bis am späten Nachmittag. Anschließend gehe ich durch die Stadt. Auckland wirkt auf mich trotz einiger moderner Straßenzüge recht provinziell. Auch fehlt der Stadt ein eigenes Flair. Wie manche australische Städte scheint auch Auckland den englischen Vorbildern zu gleichen. Geprägt wird die Stadt von ihrer Lage, denn sie wird beidseitig vom Meer begrenzt. Interessante Häfen. Ich komme an einem Cricketplatz vorbei. Es scheint völlig selbstverständlich, dass schwarze Ureinwohner (Maoris) mit den weißen europäischen Einwanderern (Kiwis) spielen. Rechtlich sind sie angeblich sowieso gleich gestellt und zudem erobern die Maoris zunehmend auch immer mehr politisch wichtige Funktionen. Auch ihre Geschichte erzählen sie mit Stolz. Den kulturellen Schock nach der europäischen Invasion scheinen sie einigermaßen überstanden zu haben. In den letzten 50 Jahren herrschte bei ihnen gar ein »Babyboom«, es gibt wieder ca. 300 000 Maoris, womit sie ca. ein Zehntel der neuseeländischen Bevölkerung stellen. Und dennoch gibt es auch bei den Maoris Alkohol-, Identitäts- und (daraus folgend) Kriminalitätsprobleme, gerade bei Jugendlichen ärmerer Familien. Aber auf alle Fälle scheint ein Zusammenleben hier besser als in Australien zu klappen. Wohl ist es in Neuseeland auch leichter, denn die Maoris kamen »erst« vor ca. 1000 Jahren (aus Polynesien) ins Land, also nur ein Bruchteil dessen, was die Aborigines an Zeit in Australien verbrachten, bevor sie von den Weißen überfremdet wurden. In Neuseeland scheint sich sogar langsam eine Mischkultur aus maorischen und europäischen Traditionen zu entwickeln. Möglicherweise können die Neuseeländer daraus dann sogar ihre eigene nationale Identität gewinnen. In der Jugendherberge sind zwei nette Asiaten. Ein Südkoreaner und ein Japaner. Sie haben jeweils nur eine Woche Ferien, was für sie aber völlig normal ist. Ihre asiatische Herzlichkeit – welch Kontrast zu den zwei unfreundlichen und nur rummeckernden Europäern in meinem Zimmer.