03. Juli

Am Morgen vereinbaren Wout, Daniel und ich, dass wir nun definitiv morgen früh aufbrechen wollen. Anschließend gehe ich mit zwei Holländern frühstücken. Innerlich freue ich mich über die vielen positiven Erfahrungen, die ich mit Holländern hier machen durfte. Denn gerade gegen sie hatte ich immer – wer weiß warum? – Vorurteile. Anschließend treffen sich alle potentiellen Radler zur ersten »offiziellen« Vorbesprechung für unseren Trip. Was gilt es, noch alles vorzubereiten? Die Berichte über die Verhaltensweise der Polizei gegenüber Touristen sind sehr unterschiedlich. Sollen wir vielleicht bei der Polizei doch mal nach einer »permit« anfragen, die offiziell neben dem Visa noch notwendig ist? Daneben gilt es, noch einige kleine Reparaturen an den Rädern durchzuführen, einen Kochtopf zu kaufen (hier wird eine Versorgung durch Restaurants nicht mehr gewährleistet sein) und vor allem viel zu essen (Müsli, Brot, Nudeln, Armeekekse, Milchpulver, Teebeutel etc.). Vielleicht sollten wir auch noch ein paar Travellerschecks tauschen, um im Notfall für die »permits« eine Reserve zu haben? Denn wenn wir kein Bargeld haben, werden die Räder oder sonstiges konfisziert. – wird uns zumindest erzählt. Wir teilen uns auf. Ich gehe mit Fernando zur Polizei. Dort bekommen wir sogar sehr freundlich Auskunft. Natürlich fragen wir nur vorsichtig an, sagen, dass wir uns mit dem Gedanken tragen würden, möglicherweise Räder zu leihen, um dann ein bisschen kreuz und quer durch Tibet zu fahren. Die erhaltene Auskunft: Tibet ist in »offene« und für Touris »geschlossene« Gebiete eingeteilt. Offen sind nur die großen Städte, für den Rest bräuchten wir eine »permit«, die aber nur durch Buchung von den teuren Gruppenreisen möglich ist. Er lässt sich auch nicht mit Geld bestechen. Wo und wann Kontrollen sind, könne er uns nicht sagen, da dies auch ständig wechseln würde. Er rät uns ab, mit dem Rad durch Tibet zu fahren. Die Strafen würden von umgerechnet 100 DM bis zu 15 Tagen im Gefängnis reichen. Was ist, wenn in dieser Zeit das Visum ausläuft? »Dann haben Sie ein weiteres Problem, und zwar ein Großes!“ Nächste gemeinsame »Lagerbesprechung«: Waren das wirklich Neuigkeiten? Das war die offizielle Version. Wenn wir immer freundlich sind, uns »dumm stellen« (wir haben ja alle ein chinesisches Visum, WARUM sollen wir dann nicht einreisen dürfen?) und immer häufig entschuldigen, dürfte uns außer einer Geldstrafe keine weitere Sanktion mehr drohen. Höchstens wohl die Ausweisung aus dem Land. Wir werden auch so viele Sicherheitsvorkehrungen treffen als nur möglich, wozu z. B. auch gehört, nachts NIE in einem Hotel zu schlafen, da dies die Hauptdurchsuchungsplätze der Polizei sind. Nach zweieinhalb Wochen wird man uns wohl schon von weitem Kathmandu näher kommen riechen. Wir gehen die letzten Vorbereitungen an, bevor wir uns mit einem gemütlichen Abend und unserem letzten Fußball-WM-Match von der Zivilisation für ca. zweieinhalb Wochen verabschieden. Liebe Freunde, macht Euch keine Gedanken, der »Fuchs« Christoph findet immer eine Lösung und außerdem habe ich ja sicher zwei, wahrscheinlich drei (Fernando ist noch am überlegen, ob er nicht vielleicht allein fährt, tendiert aber doch auch stark dazu, mit uns zu fahren) Begleiter, die alle nicht auf den Kopf gefallen sind. Wir hören uns wieder in zweieinhalb Wochen, wenn ich Kathmandu erreicht habe. Es wird NICHTS auf der Welt so heiß gegessen, wie es gekocht wird.