04. Mai

Nun bin ich bereits einen Monat unterwegs. Hier nach Ankara bin ich hauptsächlich nur gekommen, um mein in Deutschland in der Kürze der Zeit nicht aufzutreibendes Visum (obwohl ich zweimal mit dem aus Persien stammenden Herrn Huschmand auf dem Konsulat in Frankfurt war; dafür noch mal ganz herzlichen Dank!) nun zu besorgen. Stundenlang pendele ich zwischen der iranischen und der deutschen Botschaft. Doch am späten Nachmittag sagt mir der iranische Konsul, das ich – trotz meiner vielen Empfehlungsschreiben – frühestens in zehn Tagen das iranische Visum erhalten kann. Ich bin niedergeschlagen, war ich doch auf diese mir so fremde Kultur besonders gespannt und hatte mich intensiv darauf eingelesen. Von vielen freundlichen Menschen dort hatte ich gehört und nun? Eine Botschaft, die verriegelt ist wie ein Gefängnis und davor einige Männer, die stramm mit Maschinenpistolen dastehen. Habe ich Alternativen? Z. B. über den Iran fliegen? Die Auskünfte dazu sind auch schlecht. Flüge nur von Istanbul nach Karachi. Das ist absolut nicht meine Route! Aber bloß nicht den Kopf hängen lassen, Christoph! Also bitte ich bei der deutschen Botschaft noch mal um Hilfe. Am Abend gehe ich mit einer jungen Türkin, die gerade ihr Studium abgeschlossen hat, auf Tour. Wir gehen türkisch essen (Manti = Türkische Ravioli in Joghurt), ziehen anschließend durch die noch sehr belebte Innenstadt. Wir unterhalten uns über den islamischen Glauben und über die in diesem Zusammenhang aufkommenden Probleme (z. B. Stellung der Frau in der Gesellschaft). Später gehen wir noch in einen westlich geprägten »Hardrock-Schuppen«. überhaupt hat Ankara ein stark westliches Gepräge. Man spürt, dass diese Stadt erst in den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts richtig entstand. Allerdings ist sie auch viel stärker gewachsen als geplant und platzt nun aus fast allen Nähten. Kulturell hat sie auch nicht allzu viel zu bieten.