07. Dezember

Vor 9 Uhr kann ich nichts tun. Alle Geschäfte, von denen ich noch Dienstleistungen in Anspruch nehmen möchte, sind bis dahin geschlossen. Im Internetshop kann ich trotz erneuter PC-Probleme (diesmal Hotmail UND auch mal wieder der Server down) meinen 36. Reisebericht beenden. Besorge Tabletten zum Purifizieren des Leitungswassers, da dies auch in Australien – v. a. im Sommer – nicht immer einwandfrei sein soll. Dann die wichtigste Sache, zum Radgeschäft. Kann die am Lowrider gebrochene Schraube entfernt werden, und v. a. so, dass das Gewinde unverletzt bleibt? Der Radmechaniker versucht es mit den Händen, dann mit einem spitzen, langen Eisenstäbchen. Nutzt nichts. Nun muss der Bohrer her. Hilft aber auch nicht. Was nun? Er versucht es halt noch mal. Und siehe da, es funktioniert. Die alte (chinesische) Schraube ist draußen, die neue kann rein. Gott sei Dank! Zurück zum Backpacker, zusammenpacken und adios Alice! Um 17:31 hat mich die Realität wieder. Aus dem organisierten Bustouristen Christoph wird wieder der einsame Wüstenradler. Es ist warm, aber nicht über 35° C. Der Wind kommt von der Seite, auch damit kann ich leben, zumal er bald abflaut. Das erste Schild nach Adelaide zeigt noch 1532 km an. Kurz darauf habe ich aber bereits die Hälfte des Gesamtweges von Darwin aus absolviert. Es rollt gut dahin, dann wird es dunkel. Kein Problem, es sind nur noch ca. zwei Stunden Radeln für heute. Aber dann wird mein Vorderlicht immer schwächer, bis es fast ganz den Geist aufgibt. Weniger vor dem sehr geringen Verkehrsaufkommen fürchte ich mich, als vor den (allerdings seltenen) Schlaglöchern und v. a. vor über die Straße rennenden Tieren, die mich nun vielleicht nicht sehen können und darum in mein Rad laufen könnten. So nutze ich jetzt mein Rücklicht (natürlich rot leuchtend) – in der Hand haltend – sowohl als Vorder- als auch als Rücklichtbeleuchtung. Es geht gut (wie immer?!) und noch lange vor 22 Uhr erreiche ich mein Etappenziel »Stuarts Well«, noch 1438 km nördlich von Adelaide. Weitläufiges, groß ausgebautes Roadhouse. Abendessen, Dusche und mit starkem Sodbrennen (hatte über 1 l Orangensaft-KONZENTRAT getrunken und mich nur gewundert, wie süß der Orangen-SAFT ist) ins Bett. Tiefer Schlaf.