08. Dezember

Und langer Schlaf. So starte ich erst um halb neun. Das Hinterrad wackelt stark, wenn ich aus dem Sattel gehe. Was ist los? Nun hat sich am hinteren Gepäckträger eine Schraube verabschiedet und die linke Satteltasche wackelt kräftig. In der Tasche mit all meinen Ersatzteilen finde ich aber keine passende Schraube. Was tun? Ich drehe die gerade gestern eingesetzte Schraube des linken Lowriders raus und befestige sie am hinteren Gepäckträger. Da passt nun auch alles wieder. Und vorne klemme ich die Verstrebungen des Lowriders mit dem Schnellspanner (relativ) fest. Hoffentlich geht das gut bis zum noch sehr weit entfernten nächsten Radgeschäft. Damit aber nicht genug, nur wenige km später beginnt mein Tretlager, ungute Geräusche von sich zu geben. Noch leise, aber dennoch ernst zu nehmen. Es würde mich schon ganz schön traurig stimmen, wenn ein technischer Defekt am Rad mich von der Durchführung der Wüstentour abbringen würde. Das Wetter ist angenehm: Oft bewölkt, Temperaturen wieder »nur« zwischen 30-35° C und der Wind kommt meistens von der Seite, manchmal sogar von hinten. Bei der ersten Pause treffe ich eine deutschsprachige Reisegruppe auf ihrem Weg zum Uluru, bei der zweiten einige Engländer, die mit einem gemieteten Bus quer durch Australien fahren. Nach 107 km Stopp in einem Roadhouse. Es wird der letzte »Short-Break« in einem Roadhouse auf dem Stuart-Highway sein. Die weiteren Roadhouses werden nun immer zugleich mein Etappenziel darstellen. So nutze ich die Gelegenheit und lege im klimatisierten Restaurant eine Zweistundenrast ein. Regenerieren, essen und trinken sowie Tagebuch der letzten Tageschreiben. Weiter. Aber, was ist jetzt? Der WIND hat gedreht und kommt nun von vorne links. Das wird hart, denn es sind noch 75 km. Wieder ist der Spaß am Rad fahren dahin und der Kampf beginnt. Noch 40 km, die Oberschenkel beginnen, hart zu werden. Ich bekomme Hunger, riesigen Hunger sogar. 13 Scheiben Vollkorntoastbrot mit Nutella. Während ich diese verzehre, erinnere ich mich an die »Geschehnisse« vor genau einer Woche. Unsere Reisegruppe wartete auf den Sonnenuntergang am Uluru. Es folgte ein lustiger Abend, an dem ich in richtig guter Stimmung war. Und nun? Wieder alleine, teilweise schon einsam in diesen unendlichen Weiten des Outback. Reisen die Anderen vielleicht sogar sinnvoller? Sie sind schon bei der nächsten Tour oder am Strand bzw. in einer großen Stadt. Nur der Christoph muss mal wieder aus der Reihe tanzen und sich in menschenfeindlichen Gefilden rumtreiben. Und weil das ja nicht genug ist, auch noch mit dem Rad. Anstrengend, müde. Aber der Wind lässt nach und hört am Schluss der Etappe sogar ganz auf. So laufen die letzten km wieder ganz gut. Dennoch komme ich für kurze Zeit noch mal in die Dunkelheit, bevor ich gegen 20 Uhr – innerlich glücklich – das Kulgera-Roadhouse, noch 1260 km nördlich von Adelaide erreiche. »Alt« werde ich heute nicht mehr.