1. Mai

Tag des Abschiedes: Früh morgens fährt Gerhard mit dem Zug Richtung Istanbul. Für ca. 300 km braucht er elf Stunden, dafür kostet es nur 10 DM. Ein Abenteuer war es sicher auch. Ich bin Gerhard sehr dankbar. Er hat mir den Einstieg in diese Mammuttour sehr erleichtert! Nach einem weiteren sehr ausgiebigen und schmackhaften Mahl folgt dann auch nach und nach der Abschied von unserer so liebevollen Gastfamilie. Zuletzt werde ich noch durch die ganze Stadt durchgelotst. Für alles noch mal herzlichen Dank! Allein? Nein! Es ist so viel Verkehr, dass ich mir gar keine weiterreichenden Gedanken machen kann. Zudem treffe ich gleich bei meiner ersten Rast zwei lange in Deutschland lebende Türken, einen Deutschlehrer und einen Apotheker. Sie erzählen mir von ihren jeweils eigenen Problemen. Es wird aber auch deutlich, dass die Türkei scheinbar große wirtschaftliche Probleme hat (z. B. extrem hohe Inflation, Kinderarbeit). Auswege sieht aber niemand. Das Wetter ist optimal: 23° C und Sonne satt. Und die Straße ist zu meiner überraschung weitestgehend auch besser als an der Westküste. Eine Stunde vor Sonnenuntergang habe ich gerade die zentralanatolische Hochebene erreicht, da rufen mir von der Seite ein Dutzend Männer zu, ich solle doch mit ihnen picknicken. Es handelt sich um eine Gruppe von Busfahrern aus Izmir, die sich auf dem Weg nach Ankara zu einem Gespräch mit dem türkischen Ministerpräsidenten Yilmaz befinden. Es gibt viele türkische Spezialitäten, viele davon sehr scharf. Ich soll alle mal probieren. Sie sind stolz, dass es mir gut schmeckt und geben mir noch einige Vorräte mit. Als diese lustige Truppe weiterfährt, beschließe ich, gleich hier mein Nachtlager aufzuschlagen. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich alleine ein Zelt aufbaue. Zu meiner eigenen überraschung gelingt mir dies sogar gut und zügig. Zufrieden schlafe ich ein.