11. Oktober

Zwei Stunden nach dem Schlafengehen wache ich auf. Durst. 1 Liter Schokomilch auf ex, danach das gleiche mit annähernd soviel Wasser. Das Rad fahren in den Tropen verlangt seinen Tribut. Ich schlafe lange, frühstücke gemütlich, habe aber so heute schon von Anbeginn des Radelns die große Hitze. Jede Anstrengung, und sei es auch nur das Schleppen der Packtaschen vom ersten Stock zum Eingang des Hotels, kostet viel Schweiß. Zudem fühle ich mich nicht völlig fit, habe mir wohl eine Erkältung eingefangen. So bin ich froh, dass es nicht einmal mehr ganz 100 km bis Singapore sind. Allerdings ist mir das heute genug: Denn neben der Hitze, die durch totale Windstille noch unangenehmer wird, und der prallen Sonne machen mir auch die Hügel und der stärker werdende Verkehr zu schaffen, wobei es ausgerechnet hier keine Seitenstreifen gibt. Kurz nach der Mittagszeit erreiche ich das Zentrum der südlichsten malaysischen Provinz, Johore Bahru, Dreh- und Angelpunkt für Reisen von und nach Singapore. Ich irre ein bisschen umher, bis ich endlich die zwei wohl interessantesten Bauwerke der Stadt gefunden habe. Beide wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut und zeugen sowohl von maurischen als auch viktorianischen Einflüssen: Der alte Sultanspalast »Istana Besar«und die »Abdu-Bakar-Moschee«. Ausreise aus Malaysia. 15 angenehme Tage in diesem islamisch geprägten und zugleich weltoffenen Land sind auch wieder vorbei. über den 1056 m langen Causeway, eine breit ausgebaute Brücke, geht es in den gerade mal 40 x 20 km großen (besser kleinen?) Inselstaat Singapore, der 1965 aus der Föderation mit Malaysia ausgeschieden ist und bald darauf seine Unabhängigkeit erklärt hat. Wieder Einreisekarte und -stempel. Geldwechsel. Scheinbar aber schlechter Kurs. Selbst schuld, Christoph, wenn du dich vorher nicht informierst! Die eigentliche City des 3 Millionen Einwohner beherbergenden Stadtstaat. Es liegt im Süden der Insel, noch gut 25 km von der malaysischen Grenze entfernt. über den Highway geht es ins Zentrum. In der mir empfohlenen und tatsächlich auch schon fast luxuriös eingerichteten Jugendherberge sind mir nicht nur die Preise zu hoch, sondern dürfte ich mein Rad auch nicht mit aufs Zimmer nehmen. Es müsste im Parkhaus bleiben. Das tue ich meinem treuen Gefährten aber NIEMALS an! Aber Typen wie ich, verschwitzt und verdreckt und mit den für diese Art von Globetrottern typischen »Jesus-Sandalen« ausgestattet, werden öfters von »Schleppern« für eines der immer weniger werdenden Billighotels angeworben. So auch ich. 22 S$ (fast identisch mit DM) für ein eigenes Zimmer mit Klimaanlage. Sauber ist es. Aber klein, besser winzig. Neben meinem Bett kann ich gerade noch mit viel Aufwand Rad und meine Taschen abstellen. Die Bewegungsfreiheit ist fast gleich null, strecke ich beim Schlafen meine Beine aus, komme ich an die Kette des Rades. Ein Fenster gibt es in dieser Zelle auch nicht. Am Abend spaziere ich noch durch die Stadt. In einigen Straßen ist es schon vor 21:00 sehr ruhig. Dann biege ich noch in DIE Einkaufsmeile Singapores, der Orchard Road. Alles noch sehr geschäftig: Riesige Einkaufscenter als die Tempel des endenden 20. Jahrhunderts. Ich schlendere staunend – komme ich doch aus der »Provinz« und habe mich zudem nie für Shopping-Center interessiert – durch diese hypermodernen Komplexe. Da gibt es allein eigene ganze Stockwerke nur mit Restaurants. Hier Restaurants aus allen asiatischen Ländern, dort (im nächsten Gebäude) bietet ein europäisches Lokal neben dem anderen seine Spezialitäten an.