12. Dezember

Wieder nicht toll geschlafen – wieder zu warm. Darum erst um 7 Uhr los. Wieder heiß. Ständig der Griff zur Trinkflasche. Pro Stunde ca. eineinhalb Liter. Schon seit Tagen wurde die Vegetation immer etwas rarer, die Abschnitte mit kleinen Bäumchen und Sträuchern wurden immer kürzer, die steppenartigen (niedrige Gräser) bzw. gar wüstenhaften Landschaften immer länger. Und mittendrin nur ein mit zunehmender Stunde immer stärker flimmerndes Asphaltband. Richtung Coober Pedy wird das alles noch extremer. Immerhin gibt es zwei »rest areas« auf dem Weg. Wasser auftanken. Auf dem zweiten »Parkplatz« unterhalte ich mich länger mit einem israelischen Motorradfahrer und einer Schweizer Familie mit Campingbus. Dann kommt einer der typischen alten »Schrubber« der Aborigines. Eng gedrängt liegen sie hinten auf der Ladefläche des Pick-Up. Weiter, nicht unnötig lange in der Hitze aufhalten. Denn schon nach einer kurzen Pause ist das Rad selbst sowie alles, was daran hängt, stark erhitzt. Vieles wird darunter leiden, von den Reifen über die Medikamente bis hin zu den Filmrollen. Auch meine Hände leiden – trotz Radhandschuhe – unter dem stark erhitzten Lenker. Der Wind ist heiß und bringt keine Erfrischung. Das Trikot klebt. Teilweise steht die Luft gar und ist zum Schneiden. Auffallend wenig Verkehr ist heute, es scheint, dass selbst viele Autofahrer nun häufig ihre Etappen auf die Nacht verlegen. 35 km vor Coober Pedy beginnen die »Kieslöcher«. Statt Kühen nur noch Minen. Seit 1915 wird hier nach Opalen (Halbedelsteine) gesucht. Darum entstand überhaupt Coober Pedy. Der Name der 2500-Einwohner-Stadt bedeutet in der Sprache der Aborigines »Löcher, die weiße Männer in die Erde bohren«. Wie sollen die Aborigines auch verstehen, warum der weiße Mann einen solchen Aufwand betreibt, nur um nach ein paar Steinchen zu suchen? Die umliegende Mondlandschaft der Opalminen darf wegen der gefährlichen Löcher im Boden nicht betreten werden, viele Arbeiter haben gar ihr Leben hier gelassen. Und das für Steine, die vom weißen Mann halt für wertvoll erklärt wurden. Und wenn der weiße Mann sich etwas in den Kopf gesetzt hat, jagt er dem nach. Möglicherweise auch kopflos ins Verderben. 90 Prozent aller Opale weltweit kommen aus Coober Pedy, das nicht zuletzt darum nun auch zunehmend Touristen anzieht. Es gibt aber auch für mich Faszinierendes hier: wegen der extremen Hitze haben sich viele Bewohner auch ihre Wohnungen in die Felsflanken gebohrt. Auch Hostels aller Preiskategorien gibt es »underground«. Das muss ich natürlich sehen. Ich werde in ein 20-Betten-Dormatorium in exakt 6,50 m Tiefe eingewiesen. Warum auf diese metrische Angabe so viel Wert gelegt wird, wird mir kurz später klar. Von Treppenstufe zu Treppenstufe, die hinabführt, wird es kühler. Sehr angenehm, gerade noch 24° C. Da Tag und Nacht dunkel, herrschen hier rund um die Uhr optimale Schlafbedingungen. Viele nutzen dies nun auch am Nachmittag. Die Internetmöglichkeit in der Bücherei sei noch für eine Stunde geöffnet. Aber mal wieder funktioniert nichts, diesmal liegt es an der »toten« Telefonleitung. So rufe ich mal wieder zu Hause an. Zwar bin ich mir bewusst, dass es noch früh ist, habe aber nicht daran gedacht, dass Wochenende und damit ausschlafen angesagt ist. Sorry! Ich besuche eine Untergrund-Kirche. Auch hier schön kühl. Sowie nette, gemütliche und meditative Atmosphäre. Nur die für mich kitschigen Marienbildchen gefallen mir nicht. Ein Gewitter zieht auf, es besteht Hoffnung, dass es kühler wird. Heute waren es immerhin 43° C im Schatten. Abendessen bei einem Italiener. Lasagne mit Salat und echtem Parmesankäse. Endlich mal wieder was anderes als das hier so klassische Fastfood. Komme mit zwei norddeutschen Landwirten ins Gespräch. »O.k., für ein Bier in die Hotelbar«. Sie erzählen mir von ihrer alltäglichen Arbeit sowie ihren bisherigen Australienerfahrungen, ich von meiner Reise. Es ist so nett, dass aus dem »einen Bier« noch einige mehr werden. Und entsprechend spät wird es, so dass ich meine Weiterfahrt um einen Tag verschiebe. Ausruhen in der kühlen Höhle tut mir bestimmt auch gut.