14. Dezember

Um 7 Uhr sind wir zur Abfahrt der Reisegruppe wieder zurück vom Hügel. Nachdem alle weg sind, bin ich mit einem Schlag wieder allein in dem riesigen Zimmer. Alle neu kennen gelernten Bekannten, die in diesem Städtchen scheinbar immer gleich zu guten Kumpels zu werden scheinen, sind weg. Ich fühle mich leer, einsam. Grosse Melancholie umfängt mich. Warum nicht auch einfach mal mit Leuten reisen, die mir sympathisch sind, auch wenn es dann in die andere Richtung ginge? Weil ich einen »genauen« Plan habe und der mich nach Adelaide per Rad bringen soll. Verfluchter Plan! Werde ich zum Sklaven meiner eigenen Pläne? Mir scheint fast so. Und weiterradeln werde ich heute sowieso nicht. Ich bin müde und traurig, seelisch und körperlich angeschlagen. Wahrlich nicht optimal, um die anstehende Etappe zum 253 km entfernten nächsten Roadhouse zu fahren. Obwohl das Wetter sehr günstig gewesen wäre: Verhältnismäßig kühl (über den Regen hatte es stark abgekühlt) und meist für mich angenehme Windrichtungen. Ich versuche zu schlafen, aber mehr als ein bisschen dösen kommt dabei nicht raus. Dann kommt auch schon ein altes Schweizer Ehepaar an mein Bett und fragt, ob es stimme, dass ich Theologe sei. Die Frau erzählt mir zunächst ihre ganze Einstellung zu Kirche(n) und Glaube und will meine Meinung dazu hören. Danach erfahre ich fast ihre ganze Lebensgeschichte. Wenig später kommt sie noch einmal und fragt, ob ich genügend Geld für den Rest meiner Reise hätte. Wenn nicht, wolle sie mir gerne zusammen mit ihrem Mann unter die Arme greifen. Jetzt kann ich wirklich nicht mehr schlafen. Ich sehe noch ein paar bekannte Schweizer Gesichter von gestern Abend. Ein Geschenk des Himmels, dass sie noch einen Tag länger bleiben. Wir unterhalten uns lange und spielen dann eine abgewandelte Form von Robert Lembkes Berufe raten (»welches Schweinderl hätten’s denn gern?«). Ein letzter Versuch, ins Internet zu gelangen, aber immer noch dieselben Probleme. Nachmittagsschläfchen und wieder ein lustiger und »süffiger« Abend mit den Schweizern. Super Stimmung, gelacht wie selten. Wieder spät, aber gegen halb zwei reiße ich mich zusammen und verlasse mit dem ersten großen Schwung die »Versammlung«. Alles muss einmal ein Ende haben, hat man mir mal beigebracht. Wenn dem so ist, ist es eigentlich schade. Aber wenn ich es noch richtig in Erinnerung habe, bin ich mit dem Rad unterwegs und wollte da Richtung Süden fahren, in eine Stadt, deren Namen ich schon vergessen zu haben scheine.