14. Juni

Gleich am Morgen fahre ich mit einem Angestellten des Hotels (wohl ein Angehöriger einer niederen Kaste; er wurde mir einfach »mitgegeben«) in die Stadt, um mir beim Bahnhof ein Ticket in eine gut 300 km östlich gelegene Stadt reservieren zu lassen. Meine Einstellung zur Bürokratie bekommt einen neuen Horizont. Niemand soll mehr behaupten, die Deutschen seien hierin Weltmeister. Ich stehe – in brütender Hitze, bei der mir der Schweiß in Strömen runter läuft – über eineinhalb Stunden in den verschiedensten Schlangen an, um letztlich gesagt zu bekommen, dass ich für den heutigen Zug auf der Warteliste die Nr. 14 bin. Toll! Auf deutsch: Das mit dem Zug fahren wird wohl nichts. Wir suchen ein Internetcafé. Es soll einige davon geben, sie seien auch am Sonntag auf. Erzählen uns zumindest die Rikschafahrer. Wir suchen lange, finden aber keine, zumindest keine geöffneten. Ich will zum Busbahnhof, vielleicht komme ich ja noch mit dem Bus hier weg. Den Rikschafahrern traue ich nicht mehr. Ich schaue in meiner Infobroschüre nach und steige in einen Bus, der mich vermeintlich zum richtigen Ort führen soll. Aber dieser fährt durch die ganze Stadt und immer weiter. Plötzlich erfahre ich, dass er in die 80 km entfernte Nachbarstadt führt. Sofort aussteigen und per Autostopp wieder zurück. Nur noch ins Hotel, die Sachen zusammenpacken und vielleicht per Mitnahme auf einem Lkw weg von hier. Da kommt eine Frau und später noch ihr Bruder. Sie sprechen Englisch und sind richtig hilfsbereit. So erklären sie mir genau, wo der Busbahnhof sei. Ein Bus ginge da heute bestimmt noch. Nichts wie los! Und tatsächlich: Eine Stunde später fährt ein Bus! Mein Rad soll ich auf das Dach aufladen. WIE? – das ist mein Problem! Ich klettere auf das Dach und ein Passagier reicht mir das Rad von unten. Auf dem Dach ist nur ein verrosteter Dachgepäckträger. Daran befestige ich mein Rad mit meinem Expander. Hoffentlich hält das. Diese Busfahrt ist ein Abenteuer für sich: Alles klappert. Schade, dass ich keinen Kassettenrecorder dabei habe. Beim Abspielen dieser Geräusche würde mir in Europa niemand glauben, dass es sich um einen Bus handelt. Der Bus ist alt, durch die nicht zu schließenden Fenster kommt eine Unmenge Sand. Bei jedem Schlag blutet mir mein Herz in Gedenken an mein Rad, das mich noch weit um die Erde führen soll.