14. Oktober

Am Morgen bekomme ich die Nachricht, dass ich von der aus Bad Dürkheim stammenden Pfälzer Familie Ohler, die nun seit über drei Jahren in Jakarta lebt und über Internet vor zwei Monaten von meiner Tour gelesen hat, eingeladen bin, während meines Aufenthalts in Indonesiens Hauptstadt bei ihnen zu wohnen. Na, das ist doch mal wieder eine erfreuliche Nachricht! Dann geht die Reise in die Vergangenheit, verkörpert durch einige Besuche in Stadtteilen, die v. a. Bevölkerung der Länder beherbergen, die ich auf meiner Reise durch Asien schon kennen lernen durfte, los: Zunächst geht es in die Gegend der »Arab Street«, wo überwiegend Malaien, Araber und islamische Inder leben. So befinden sich hier keine Pagoden, aber Moscheen, die Frauen tragen Schleier oder zumindest Kopftücher und die Männer zum Zeichen der Pilgerfahrt nach Mekka die traditionelle Kopfbedeckung. Es wird gehandelt. Das Zentrum hier bildet die »Sultan Mosque« mit ihrer goldglänzenden Kuppel. Viele Schulklassen – alle in ihren für ganz Asien typischen Schuluniformen – sind hier und bekommen einiges über den Islam und speziell zu dieser Moschee erzählt. Leider wird mir der Eintritt in den eigentlichen Gebetsraum verweigert. In eine andere, kleinere und weniger besuchte Moschee komme ich dann aber rein. Nette Atmosphäre: Manche lesen im Koran, andere beten, wieder andere essen oder diskutieren. Ein paar sprechen mich an und unterhalten sich mit mir. Weiter nach »Little India«. Seit den Zwanzigern wurden Inder als billige Arbeitskräfte vom Subkontinent hierher geholt und siedelten sich in dieser Gegend an. überall duftet es nach indischen Gewürzen und Räucherstäbchen. Orchideen und andere Blüten werden kunstvoll zu Tempelgaben geflochten. Natürlich findet man hier auch meine so geliebten indischen Restaurants und viele Tempel. Männer mit Sarongstatt Hose, Frauen tragen bunt verzierten Saris, goldenen Schmuck und oft das Kastenzeichen in Form eines Punktes auf der Stirn. Nach der Mittagspause geht es durch den besonders stark kolonial geprägten Teil Singapores. Kirchen, Parlaments- und Gerichtsgebäude, Theater, Postamt und Brücken. Alles im viktorianischen Stil. Und dann fällt mir noch eine Meile mit tollen Restaurants und Pubs auf. Da sollte ich am Abend mal vorbeischauen. In der Dämmerung geht es dann noch durch die Chinatown. Tempel, Handel, Restaurants aller Preisklassen. Diese kulturelle und religiöse Vielfalt – eigentlich in ganz Südostasien – fasziniert mich stark. Wie schwer tun sich die Menschen in Europa oft schon, wenn es um Zusammenarbeit zwischen Protestanten und Katholiken geht. Da werden eher künstlich Unterschiede hervorgehoben als auf die unendliche Masse der Gemeinsamkeiten hingewiesen. Es wird dunkel, aber die Stadt bleibt lebendig. Die Skyline ist erleuchtet und wirkt so noch beeindruckender als am Tage. Am Abend zieht es mich dann tatsächlich noch in die Vergnügungsmeile. Für die letzten 24 Stunden Singapore stehen mir noch ca. 18 DM zur Verfügung. Damit muss ich morgen aber noch essen und trinken und den Eintritt fürs Kunstmuseum bezahlen. Also bestelle ich nur ein Wasser. Eigentlich bin ich überrascht, dass es das überhaupt hier gibt. Noch mehr überrascht bin ich, als mir die Bedienung richtig freundlich mitteilt, dass Wasser hier »frei« wäre, also nichts kosten würde. Ich könne soviel trinken wie ich wolle. Sogar Eiswürfel und Zitronenscheiben bekomme ich noch dazu. Wunderbar! Es werden die Hardrockklassiker der 80er gespielt und ich schreibe mein Tagebuch. Plötzlich kommt jemand zu mir her und fragt mich, was ich denn »wirklich« trinken wolle. Ich erkläre ihm meine (Geld-)Situation. Ja, das sei doch kein Problem! Und schon steht ein Bier auf dem Tisch. Als ich es noch nicht einmal ausgetrunken habe, kommt er mit Kuchen und einem weiteren Bier. Er sei Darren und arbeite hier in einem Hospital. Wenn ich Hilfe bräuchte, müsse ich ihn nur anrufen. Als ich ihm sage, dass es mir schon ein bisschen peinlich ist, dass er mir so großzügig spendiert, meint er nur: »Don’t worry, drink your beer, be happy and enjoy Singapore!“ Als er weg ist, kommen vier Leute aus England und Neuseeland zu mir an den Tisch. Zwei Mädels sind gerade seit zwei Wochen auf ihrem Jahrestrip zwischen Schule und Studium. Dazu kommt ein junger Lehrer und ein »neuseeländischer Abenteurer«. Interessante Unterhaltungen und spät ins Bett.