15. September

Langsam, aber sicher ändert sich die Landschaft: Die Reisfelder weichen ausgedehnten Kautschuk-, Kokospalmen- und Ananaspflanzungen. Auch beiden Menschen ist ein leichter Wandel festzustellen: Ihre Hautfarbe wird dunkler, einige scheinen bereits malaiischer Abstammung. Die Bevölkerung im Süden Thailands lebt fast ausschließlich vom Fischfang und ist entsprechend arm. Welch Kontrast zu Bangkok! Die Thais hier sind aber auch alle freundlich. Weiterhin grüßen viele aus ihrem Auto und die Fußgänger recken oft den ausgestreckten Daumen in die Luft. Aber auch bei direkten Anfragen meinerseits – z. B. nach der Richtung – helfen sie mir, so gut sie können. Den Gästen wird anscheinend ein gewisser Respekt entgegengebracht – wohl auch ihres relativen Wohlstandes wegen, denn dieser weist ja auf ein positives Karma (Bilanz von »Altlasten« und »Guthaben« aus früheren Leben) hin. Und der Buddhismus ist trotz wachsendem Materialismus noch lebendig. So herrscht in Thailand – des Glaubens an das Karma wegen – eine hierarchische Gesellschaft. Der übergeordnete hat aber auch für seinen Untergebenen zu sorgen. Am Mittag mache ich Rast in einer größeren Ortschaft, Thap Sakä. Mal wieder ist »Thai-Food« angesagt. Aber WAS soll ich essen? Hinter Glasvitrinen werden mir überall eine Menge verschiedener Gerichte präsentiert: Ich zeige einfach mit den Fingern – nach gut Glück – auf ein Gericht. Denn scharf ist hier sowieso alles, da in jeder Speise eine Unmenge von Chilischoten lauern. Der Gaumen »brennt«, die Augentränen. Aber, und das ist das Wichtigste: Es schmeckt immer interessant und meist auch richtig gut. Und sehr abwechslungsreich ist die thailändische Küche: Neben Chili werden noch viele andere Gewürze verwendet. Es gibt Reis- und Nudelgerichte, viel Gebratenes und natürlich eine Unmenge an – meist süßen und saftigen – Früchten. Interessant finde ich noch, dass die Thais es lieben, gemeinsam mit anderen zu essen. Nicht nur, weil sie so Gesellschaft zum Plaudern haben, sondern auch, da mehr Personen eine größere Vielzahl an Gerichten bedeutet. Denn grundsätzlich werden, wenn man zu mehreren isst (wie in vielen Ländern Asiens), die bestellten Gerichte in die Mitte gestellt und geteilt. Weiterhin liegt auf der »rechten« Seite Myanmar nur ca. 10 km entfernt. Das südchinesische Meer ist »links« meist noch näher. Hier ist Thailand am schmalsten. Auf knapp halben Weg von meinem Startort am Morgen und dem Fährhafen bei Chumphon, den ich morgen rechtzeitig zur Nachtfähre erreichen will, liegt das Kleinstädtchen Bang Saphan. Diese soll eine Art neu entdeckte touristische Oase sein. Also biege ich von der Hauptstraße ab und fahre die 14 km zum Meer. Ein paar Hotels, leider alle recht nobel und entsprechend teuer. Aber was soll‹s, dafür kann ich direkt ein Bad in den Fluten des Meeres einlegen. Erfrischend! Abendessen: Ca. ein halbes Dutzend Restaurants, aber in keinem einzigen auch nur ein Gast! Traurig, diese touristenfreie (Monsun)Zeit, die noch ungefähr sechs Wochen dauern soll. An Weihnachten wird hier alles (wieder) überfüllt sein.