16. Oktober

Beim Frühstück mit frisch gemahlenem Kaffee unterhalte ich mich mit Pia, der Frau von Peter. Mit Vergnügen schaue ich der gerade neun Monate alten, lebendigen, meist freudig dreinschauenden (selbst, wenn sie mich sieht, und das ist bei kleinen Kindern selten.) und alles andere als scheuen Tochter Lara zu. Mit dem Taxi geht es in das Stadtzentrum. Für nicht einmal 10 km brauchen wir fast eine Stunde. Stop and go. Gleich zu Beginn der Jl. Sudirman, der Hauptverkehrsader der Stadt, verlasse ich den Taxi. Welche Gerüche! Fast wie in Indien. Nicht gerade erfreuend, aber ich gewöhne mich wieder schnell daran. Starker Verkehr, recht große Autos und moderne Wolkenkratzer zeugen aber davon, dass Jakarta vor der Krise dabei war, zu anderen südostasiatischen Metropolen aufzuschließen. Doch abseits der glanzvollen Hauptstraßen sieht das Bild schon anders aus. Die indonesische Begrüßungsformel für »Westler«, »Hello Mister«, schallt mir oft um die Ohren. Sie versuchen, sich mit mir zu unterhalten, doch leider sind die englischen Sprachkenntnisse hier gegenüber Malaysia und Singapore doch deutlich geringer, so dass ich sie meist nicht verstehen kann. Dennoch absolut freundliche Atmosphäre. Touristen sehe ich fast keine. Jakarta hat eben – zumindest auf den ersten Blick – nicht so viel zu bieten und manche sehen Indonesien wohl auch noch als unsicheres Reiseland an. Ich suche einen Bankomaten. Erhaltener Höchstbetrag sind umgerechnet ca. 100 DM. Nicht viel, aber die indonesische Rupiah hat ja in den letzten Monaten stark an Wert verloren (auch wenn sie zuletzt wieder etwas stärker wurde) und so ist dieses Geld noch einiges wert. Indonesien als sehr preiswertes Reiseland. Ich schaue mir das Nationaldenkmal (»Monas«) an, bevor ich die »Istilal Mosque«, die größte Moschee in Südostasien (fasst über 100 000 Menschen), besichtige. Dafür muss ich einen Sarong anziehen. »Christoph im Rock«. Weiter durch die Chinatown und vorbei an denen wenigen noch erhaltenen Kolonialgebäuden der Holländer gelange ich zum Hafen. Hier spielen sich für mich die interessantesten Stimmungsbilder Jakartas ab. Viele Transportschiffe. Und noch viel mehr Männer aller Altersgruppen, die auf schmalen Stegen Bauholz und andere Fracht vom Schiff hinunter tragen, um es gleich weiter auf die bereitstehenden Trucks zu verladen. Kernige Typen. Klar, andere wären für diese Arbeit ungeeignet. Dennoch verdienen sie nicht viel. Der Chef im hiesigen Touristeninformationsbüro spricht gut Deutsch und erzählt mir mit glänzenden Augen von den Seefahrervölkern Indonesiens, ihrer nur aus Holz gebauten Schiffe und ihre in diesem Hafen seit einem knappen Jahrtausend zu erledigenden Arbeiten. Die Rückfahrt mit dem Taxi zu meiner mich beherbergenden Familie wird noch extremer als die Herfahrt am Morgen. Für weniger als 15 km über eineinhalb Stunden. Wenn ich fit gewesen wäre, wäre ich gerade gejoggt und dabei noch einiges schneller gewesen. Dann suche ich das Haus der Familie Ohler. Ich muss ganz in der Nähesein, das weiß ich. Aber den genauen Weg finde ich einfach nicht. Und ausgerechnet Straße und Hausnummer weiß ich nicht. Bin entnervt, gehe in den »Pizza-Hut« und rufe von dort aus Peter an, der mich dann auch direkt abholt. Bei Ohlers sind gerade noch andere Deutsche (die alle schon seit Jahren im Ausland arbeiten; interessante Konstellation) zu Besuch. Sie wollen ein paar meiner erlebten Geschichten hören. Nachdem ich den Eindruck habe, dass sie das tatsächlich interessiert, erzähle ich wie ein Wasserfall. Danach unterhalte ich mich noch länger mit Peter. Jetzt erfahre ich auch, warum er so an Sport interessiert ist. In der Jugend war er ein guter Kugelstoßer, später quasi Manager des so erfolgreichen Dürkheimer- Hockey-Clubs (daher kennt er auch alle Spieler der TG Frankenthal) und zudem nebenbei noch freier Mitarbeiter bei der Rheinpfalz – für Sport und Wein (halt echt pfälzisch!) zuständig. Wie in letzter Zeit gewohnt, spät in die Heia.