17. Januar

Um 4:20 Uhr ruft mich der Wecker aus dem Schlaf, in der Dämmerung sitze ich wieder auf dem Rad. Kaum Verkehr, Ruhe. Nur Hirten mit ihren Schafen. Neblig ist es, dadurch fast gespenstisch. Aber diese Atmsphäre gefällt mir ja. Mittagspause im ersten Café nach über 110 km. Halbe Stunde dort. Fünf Leute kommen in dieser Zeit vorbei. Alles Radler, drei aus Deutschland. Es wird gefachsimpelt, bis mir das zuviel wird und ich weiterfahre. Die Westküste der Südinsel ist erreicht. Die Wolkendecke reißt auf, dafür kommt der Wind von vorne. Aber dieser Küstenstreifen gefällt mir: Zeitweise bewaldet, dann wieder schroff, felsig, abweisend. Immer wieder schöne Blicke runter auf die Küste. DIE Touristenattraktion der Westküste, die »Pancake Rocks«. Die Felsen hier sind halt so stark geraffelt, dass sie an jene Eier-Mehlspeise erinnern. Viele Touris, immer wieder auch Radelfahrer. War es neun Monate was ganz Besonderes, mal einen anderen Radler zu treffen, so ist das hier fast was Alltägliches. Die meisten scheinen aber nur bestimmte Abschnitte zu radeln, der Rest wird mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. Meist radeln sie auch nur kurze Tagesetappen, ausgerüstet sind sie allerdings alle »tourenprofiradmäßig«. Viele kommen aus Deutschland, öfters werde ich gar direkt auf deutsch angesprochen. Neuseeland – die deutsche Radlerkolonie? Jedenfalls Deutsche und Radelfahrer im überfluss. Die »verlorenen« Stunden der Nacht werde ich angesichts des Gegenwindes sicher nicht aufholen können und somit Christian auch heute noch nicht erreichen. Nach 230 Tageskilometern geht es ab in einen Backpacker. Ich rufe Christian an. Er will sich morgen eh noch den Franz-Josef-Gletscher anschauen, bevor er zum nächsten Gletscher vorradeln und dort auf mich warten wird.