17. September

Spät lege ich mich endlich schlafen und nachdem ich endlich trotz schaukelnder Seefahrt »weg« bin, ertönt schon bald das Hupen der in Landnähe geratenen Fähre. KOH TAO: Nur 7 km lang und 3 km breit, dennoch bis fast 400 m hoch. Zudem kann sie mit 7 km Sandstrand aufwarten. Diese Daten sowie mehrere Empfehlungen, dass es hier noch »urtümlicher« als auf den stark touristisch ausgerichteten Nachbarinseln zuginge, ließ mich diesen Abstecher hierher machen. Noch müde, packe ich all mein Gepäck aus dem Bootchen zusammen und verpacke es auf meinem Rad. In der Zwischenzeit verabschieden sich all die »Begleiter« auf der überfahrt. Ich bin wieder allein. Und dies auch bereits wenig später im Hauptort, obwohl da viele Menschen sind. Denn hier herrscht eine mich umwerfende touristische Infrastruktur. Ein Restaurant reiht sich an das andere, dasselbe mit Reisebüros, Tauchschulen und v. a. Bungalowanlagen. Und wie viele Deutsche! In Bangkok sah ich schon so viel wie auf meiner ganzen Tour nicht, dann über 500 km keinen einzigen(!) und hier wimmelt es wieder von ihnen. Im Hauptort ist kein Zimmer mehr zu bekommen, alles AUSGEBUCHT. Ich versuche es an einem entfernt gelegenen Strand. Doch in jeder (Bungalow-)Anlage dieselbe Frage: »Tauchen Sie (für viel Geld, fast genauso teuer wie in Deutschland)«? Wenn ich dann verneine, werde ich weitergeschickt, denn das sei hier für Taucher. Ich überlege nach zwei Stunden vergeblichen Suchens ernsthaft, ob ich bereits in drei Stunden die Fähre zur nächsten Insel (Koh Pha Ngan) nehmen soll. Da treffe ich einen dieser typischen – braungebrannten, gut gebauten und muskelbepackten – Tauchlehrer. Er schickt mich zu ein paar Bungalows in der Nähe. Dort werden also auch jene beherbergt, die nicht vorhaben, sich in die Reihe der Tauchgötter einzureihen. Dafür hat das natürlich seinen Preis, aber das ist mir jetzt auch egal, immerhin kann ich gleich ins Meer. Leider nur »Plantschen«, denn es herrscht gerade Ebbe und der Strand verläuft hier extrem flach. Beim Frühstück treffe ich Claudia aus Worms(- Herrnsheim), die sogar meine einzigen Wormser Kumpels kennt! Herrlich, mal »widder zu babble, wie äm de Schnawwel gewachse is.“! Sie ist bereits auf dem Weg zur Fähre nach Koh Pha Ngan. Hätte ich sie eine halbe Stunde früher getroffen und hier noch nicht meine »Rumpelkammer« bezahlt, wäre ich wahrscheinlich gerade mitgefahren. Sie hebt sich in ihrem natürlichen Wesen so richtig angenehm ab von all diesen körperkultigen Twentys, deren Horizont – zumindest derzeit – nicht weit über die Schwimmflossen hinauszugehen scheint. Zurück im Hauptort begegnen mir zwei »mittelalte« Frauen, die gerade ihre vier Wochen Urlaub in Thailand verbringen. Jetzt waren sie zwei Wochen in Koh Tao, gestern haben sie ihren ersten Spaziergang hier unternommen. »Es ist zu heiß dafür.« Nichtsdestotrotz mache ich mich auf, die Insel zu Fuß zu erkunden. Kreuz und quer, hoch und runter. Dabei habe ich nur meine mir bereits ans Herz gewachsene neue Kamera. Dazwischen gehe ich auch mal zum Hauptstrand, um im kühlen Nassspazieren zu können. Auch hier Sonnenanbeter, denen die in Europa so wichtige Urlaubsbräune über alles Andere zu gehen scheint. Sie liegen da wie versteinert, ausgestreckt und ohne irgendwelche Zuckungen. Kritische Frage: WARUM machen sie da nicht Urlaub in ihrem heimischen Strandbad? Deutsches Pärchen – in über drei Stunden. Dabei sind die hiesigen Trampelpfade das absolute Highlight für mich hier. Von oben sehe ich Fischerboote in der Bucht schaukeln, interessante Felsen, schöne Häuser und auch ein paar der gerade mal 600 Insulaner. Dafür gibt es bereits 1200 Bungalows, weitere werden überall gebaut. Sanfter Tourismus??? Die Insel verliert jedenfalls nach und nach ihr vorheriges Gesicht. Die Natur wird durch viele (und immer mehr) Bauten verschandelt und die Einheimischen passen sich den Gepflogenheiten der Touristen an und verlieren so ihre Freundlichkeit, die die »normalen« Thais so auszeichnet. Aber sie wirken hier sogar unzufriedener als die materiell schlechter gestellten »durchschnittlichen« Landsleute. Aber das scheint ja überall auf der Welt dasselbe: durch die Jagd nach MEHR Geld, MEHR Ansehen etc. verlieren die Menschen ihre Herzlichkeit usw. Auf dem Rückweg komme ich noch mal ins Hauptdorf: überall alte Kinostreifen und Fußballübertragungen, westliche Musik und das Bier fließt in Strömen. Halt ganz wie daheim. Ich mache mir Gedanken, WARUM die westlichen Touristen sich so verhalten. Tagsüber ein bisschen tauchen bzw. am Strand schlafen, abends sich bedudeln und vollaufen lassen. Und v. a. TAG FüR TAG DASSELBE! Am Abend beobachte ich eine deutsche Touristengruppe, die von ihrem Hotel ein Büffet zusammengestellt bekommen hat: Schnitzel, halbe Hähnchen mit Pommes, Spiegeleier etc. Ach ja, stimmt, das ist ja die »echte, gut bürgerliche, deutsche Küche». Sollte man natürlich auch im Urlaub nicht missen müssen.