18. Juni

Gerade hab ich kurz nach Mitternacht endlich meinen Reisebericht verschickt, da gibt es den zweiten Stromausfall des Abends. Lässt aber hier alle kalt. Ist halt normal. Und zudem schlafen um diese Zeit ja auch schon fast alle Leute. Auch derjenige, der mich in diesem Internetcafé beaufsichtigt. Ich wecke ihn. über viele Dinge stolpernd besorgt er zwei Kerzen. Ich gebe ihm mein Feuerzeug und schenke es ihm. Normal brauche ich es nicht, da ich ja nicht rauche. Ich will zurück in mein Hotel, das dürften ca. 500 m sein. Die 500 längsten m meines Lebens?! ICH SEHE NICHTS!!! Und ich höre auch keine Geräusche, alles scheint total ausgestorben. Ich kann tatsächlich nicht mal meine Hand vor den Augen sehen, außer wenn ich den schwachen Kerzenschein in diese Richtung lenke. Und die Kerze ist durch den Wind vom ständigen Ausgehen bedroht. Was mache ich, wenn die Kerze tatsächlich ausgeht? Ich weiß es nicht, am besten bleibe ich dann wohl bis zum Sonnenaufgang an der gleichen Stelle. Aber ich bin müde und will ins Bett. Außerdem ist hier eine mir Furchteinflössende Atmosphäre. Tagsüber ist hier der Teufel los, Tausende von Touris und ebenso viele Einheimische, die diesen Touris was andrehen wollen. Und jetzt? TOTE HOSE! Nichts! Ich taste mich rückwärts (so ist meine Kerze etwas geschützter) cm für cm nach vorne. WO ist mein Hotel? Ich weiß nicht mal den Namen. Plötzlich höre ich Stimmen. Wer ist das? Gefahr? Nein, es sind nur paar Jugendliche, die sich halb darüber tot lachen, dass ich um die Zeit noch auf der Straße bin und noch nicht mal weiß, wie mein Hotel heißt. Ich taste mich vorsichtig weiter. Dann meine ich bei meinem Hotel zu sein und dringe auf dieses Grundstück ein. Forsch werde ich zurückgewiesen und vertrieben. Nein, das war nicht mein Hotel. Wie weit ist es noch? Wieder bin ich ganz allein, höre und sehe nichts. Ein paar m und einige Minuten später wieder Stimmen. Wieder die gleichen Jugendlichen, sie helfen mir mein Hotel zu finden. Gott sei Dank hier! Nur noch schlafen. Kaum aber liege ich, höre ich dieses verfluchte Summen der Moskitos. In der Dunkelheit suche ich mein Moskitonetz. Bis ich es endlich habe, bin ich schon einige Male gestochen worden. Bloß keine Malaria. Im Moskitonetz schwitze ich vor mich hin, die Moskitos kreisen um mich, ich fluche. Ohne eine Minute geschlafen zu haben, stehe ich in der Dämmerung auf und beschließe, diesen verfluchten Ort so schnell als möglich zu verlassen. Bei meiner später folgenden Frühstückspause geht mir die (wohl gespielte) Freundlichkeit des Kellners auf den Keks. Warum bedankt er sich noch immer dreimal, wenn ich etwas bestelle? Bald drauf treffe ich Frederic aus der Nähe von Paris. Er startete mit seinem Rad schon im März 97 zu einer ca. fünfjährigen Weltumradelung. Dass ich (Stresser) mir nur knapp ein Jahr Zeit lasse, kann er kaum verstehen. Wir tauschen unsere Erfahrungen aus. Er war letztes Jahr genau 14 Tage vor mir am Nordkap und findet auch, dass Norwegen das bisher schönste Land gewesen sei. (Wer Frederic mal per E-Mail schreiben will: FREDBIKE@HOTMAIL.COM) durch das Gespräch mit Frederic bin ich schon auf den nächsten langen staubigen Abschnitt der Schotterpiste vorbereitet. In drei Stunden schaffe ich ca. 25 km. Jeder Bus, der vorbeifährt, hüllt mich eine riesige Staubwolke. Schweiß und Staub vermischen sich zu einer klebrigen, dunklen Masse. Mal wieder brauche ich Geld in der Landeswährung, da meine Dollar auf dem Land nur selten akzeptiert werden. 100 km lang habe ich keine Bank mehr gesehen. Dann aber endlich: Aber wie so viele Bänker in der Welt sind auch diese unglaublich gefühlskalt. Sie hätten bereits geschlossen, obwohl sie noch alle gemütlich da sitzen und plaudern. Ich flehe sie an, erkläre ihnen meine Lage (Hunger und v. a. Durst) und ernte dennoch nur hämisches Lachen. Ich könne es ja mal in einem Hotel probieren. Ihr reichen Arschlöcher! Später tausche ich tatsächlich in einem Restaurant, neuerlich zu einem beschissenen Kurs. Aber immerhin kann ich wieder was zwischen die Kiemen schieben! Am Abend lasse ich mich so gemütlich in einem Straßenrestaurant nieder. Bald bietet mir der Besitzer an, auf seiner Pritsche zu schlafen. Ich traue ihm und nehme das Angebot an.