18. September

Heute bin ich bei allem ungewohnt früh dran: Beim Aufstehen, zusammenpacken, frühstücken (bei einer sich aus der Masse abhebenden Schweizerin, die hier nun schon seit drei Jahren lebt), einchecken nach Koh Pha Ngan. Irgendwie zieht es mich weg von dieser kleinen, aber durch den Touristenstrom nicht nur idyllischen, sondern manchmal eher beengenden Insel. Auf der Fähre bilden sich zwei Gruppen: Die eine sitzt unten – vom Dach vor der starken tropischen Sonne geschützt. Alles Einheimische, außer mir. Die anderen – alles westliche Touristen wie ich – gehen aufs Dach, um sich weiter »braten« zu lassen. Und dann über Sonnenbrände jammern. Dann kommt KOH PHA NGAN in Sicht: Einiges größer (immerhin 190 qkm) als Koh Tao. Sie soll eine gute, aber nicht aufgeblähte Infrastruktur haben und verspricht gebirgig und urwaldreich zu sein. Außerdem hat sie 18 km Sandstrand. Dann legt die Fähre an. Ich bin der einzige Tourist, der aussteigt, die anderen fahren alle gleich weiter zur Nachbarinsel Koh Samui, der ich dann in ein paar Tagen auch einen Besuch abstatten will. Der Hauptort Thong Sala macht wirklich noch einen recht angenehmen Eindruck. Bei der Unterkunftssuche hilft mir dann sogar der Manager eines mir zu teuren Hotels. Freundlich schickt er mich in die Gegend der preiswerten Bungalows. Und direkt finde ich ein optimales Zimmer. Ein kurzes Mail in die Heimat, dass ich mich nun schon auf der zweiten der tropischen Trauminseln befinde. Dann nutze ich noch die letzten zweieinhalb Stunden Tageslicht und erkunde mit meinem Rad den noch recht gut erschlossenen und auch nichtextrem gebirgigen Westen der Insel. Zunächst am Strand entlang, dann ins Inselinnere. Da gerate ich auf eine Schotterpiste. Kurze steile Anstiege und Abfahrten. Immer wieder freundlich grüßende Einheimische. An Touristen sehe ich nur eine Handvoll, alle auf geliehenen Cross-Motorrädern. Die Landschaft wartet mit viel Wald auf, ist felsig, aber insgesamt nicht so gebirgig, wie ich es mir vorgestellt habe. Ab und an Touristensiedlungen, aber doch noch mehr (idyllische) Häuschen der Einheimischen. über eine gute Asphaltstraße geht es über das Zentrum der Insel zurück. Sonnenuntergang. Für ein paar Minuten zeigt sich dieser wunderschön, das Rot dringt gerade ein bisschen durch die am Horizont sich tummelnden Wolken. Am Abend gehe ich in den Ort, um was zu essen. Dabei dringt auf einmal Musik in meine Ohren, die ich in keinem Pub seit Ankara gehört habe. Von »Klassikern« aus den guten alten 60ern bis zum Hardrock der Gegenwart wird hier alles gespielt. Diese Mischung gefällt mir, zumal hier weder Techno noch Musik von Boygroups gespielt wird. Herrlich, dass es so was auch noch gibt!. Ansonsten ist es schon sehr ruhig hier, obwohl es erst 20:00 ist. Also bleibe ich mit Freude in diesem Pub (»Extra-Time«), in dem dann spät in der Nacht noch das Bundesligaspiel Rostock- Freiburg gezeigt wird. Und hier erfahre ich auch, dass der FCK sein erstes Champions-League-Spiel seiner Vereinsgeschichte gewonnen hat. Da drauf »muss« ich doch mein erstes thailändisches Bier (»Singha«) trinken, oder? Spät in der Nacht spaziere ich durch den »dunklen« Wald zurück zu meinem Bungalow. Hier bin ich der einzige Gast.