19. Juni

Schon bald nach Sonnenaufgang fahre ich los, noch sind es 50 km bis Kathmandu, am Schluss stark ansteigend. Diese 12 km Anstieg fordern mich, aber sie machen mir Spaß. Und es ist fast schon kühl. Toll! In Kathmandu nehme ich das erste sich mir anbietende Hotel. Ein totaler Nobelschuppen, für nepalesische Verhältnisse auch superteuer (11 DM). Es fällt mir auf, dass es hier im Zentrum Kathmandus alle Annehmlichkeiten des »Westens« gibt: Schnellimbissrestaurants, Bäckereien (sogar Vollkornbrot und Apfelstrudel), auch bayrisch-österreichische Kneipen sowie Dt. Häuser. Das Beste aber ist das einfache, aber sehr schmackhafte und stark gewürzte nepalesische Essen. Ich informiere mich nach Möglichkeiten einer Reise nach Tibet. Nicht nur zu Hause und unterwegs, nein, auch hier bekomme ich noch ständig unterschiedliche Infos. Gilt überhaupt mein in Deutschland ausgestelltes Visum? Es scheint mehr als fraglich. Die meisten Reisebüros verneinen dies. Scheinbar aber nur, um noch mehr Kohle an den Touristen zu verdienen. Denn im »Kathmandu-Guesthouse«, DER Treffpunkt fast aller Traveller und damit auch DIE Infobörse, bekomme ich etwas detailliertere Infos. Aber selbst hier kursieren Gerüchte, Halbwahrheiten etc. en masse. Man muss versuchen, herauszufiltern, wem man fundierte Infos zutraut und wem nicht. Es scheint sich herauszukristallisieren, dass eine Einreise mit dem Rad von Nepal nach Tibet nicht möglich scheint. Am Sichersten und Unkompliziertesten scheint ein Flug nach Lhasa und dann die »Rückfahrt« per Rad nach Kathmandu. Und ohne teure »Genehmigung« – durch ein Reisebüro zu erhalten – scheint man auch nicht nach Tibet zu gelangen. Das (viele) Geld stecken dann die Chinesen, nicht die Tibeter, ein. Ist es dann überhaupt ethisch zu verantworten, dennoch nach Tibet zu reisen? Ich suche einen inzwischen stadtbekannten Holländer, der auch mit dem Rad nach Tibet will. Ich finde ihn nicht, nur ein Freund von ihm, Joon. Eigentlich kommt er aus China, hat aber die letzten 21 Jahre in den Staaten verbracht. Er erzählt mir von einem buddhistischen Meditationskurs. Das scheint mir die interessanteste Möglichkeit, die Zeit bis zu meinem Flug sinnvoll zu nutzen. Abends gehe ich noch ein bisschen durch die Stadt. Immerhin ist einiges los und es gibt auch Kneipen und Discos. Touristen aus allen Kontinenten, v. a. »Ausgeflippte«. Die Hippies sind hier auch noch stark vertreten, alle paar m bekommt man hier Hasch angeboten und hört Musik von Bob Marley. Auch die Spiele der Fußball-WM kann man an jeder Ecke verfolgen. Die bekanntesten deutschen Spieler sind hier Klinsmann und Matthäus, der in Asien – gerade nach seinem spektakulären Comeback – eine riesige Popularität genießt.