20. Dezember

Fast zehn Stunden schlafen. Draußen ist es empfindlich kühl, gerade mal 12° C. Ist das noch der Kontinent, der mich des öfteren beinahe öfters »verbrüht« hat? Ja, denn der Wind kommt genau aus Süden. Nur ist heute der Begriff »Wind« definitiv falsch. Es herrscht Sturm, auch wenn in der Zeitung nur von »strong wind« zu lesen ist. Ich habe angesichts dieser Bedingungen überhaupt keine Lust, zu radeln. Ich hatte auf eine leichte Regenerationsetappe gehofft, eine, bei der das Rad fahren mal wieder bedingungslos Spaß macht. Am späten Vormittag ringe ich mich endlich zum Start durch. über das Trikot habe ich wenigstens noch ein T-Shirt drüber gezogen. Dennoch kühl. Winzige übersetzung, langsames Dahinkriechen. Und dennoch sehr anstrengend. Frustrierend. Das Landschaftsbild des »Clare Valley« baut mich auch nicht großartig auf. Kleinere, weniger hügelige und sowieso nicht so viele Weinberge, wie ich sie zu Hause täglich sehe. Vielleicht sollte die Pfalz mehr Tourismuswerbung machen. Vielleicht aber auch nicht, denn so bleibt die Pfalz weiterhin schön beschaulich. Nach dem Weintal wieder endlose Getreidefelder. Die Hoffnung, dass der Sturm doch irgendwann mal schwächer werden muss, bestätigt sich nicht. Wenn dann noch ein Truck von vorne kommt, bleibe ich fast stehen. Bläst der Sturm auch mal ein bisschen von der Seite, muss ich höllisch aufpassen, nicht in den Straßengraben verweht zu werden. Ich fluche, lamentiere. Aber du kannst schreien und heulen oder sonst was machen, der Wind lässt sich davon nicht beeindrucken. Irgendwann wird mir klar, dass ich Adelaide nicht mehr in der Helligkeit erreiche, wenn ich weiterhin so schleiche. Ich muss meine Einstellung ändern. Nicht mehr versuchen, locker in Adelaide anzukommen, sondern wieder kämpfen, fahren bis zum Anschlag, nicht selbst bemitleiden. Na also Christoph, es geht doch. Zwar schwer, aber immerhin. Nun bin ich in der Region, in der Jan Ullrich und sein Team Telekom in ca. vier Wochen bei der »Tour Down Under« starten werden, eine einwöchige Rundfahrt. Viel Spaß im Wind! Plötzlich bin ich auf der Autobahn. Es gibt keine Alternative. Und meist kein Seitenstreifen. Schummm, schummm. Die Autos rauschen nur so an mir vorbei. Von einem auf den anderen Moment scheint aus dem menschenleeren Australien ein überfüllter Kontinent geworden zu sein. Extrem verstädtert ist er halt. Und ich nähere mich nun eben einem dieser Zentren, der jüngsten der fünf australischen Millionenstädte, Adelaide. Meinem Ziel seit über einem Monat. Nun ist es zum Greifen nahe. 30 km lang Industrie, Einkaufszentren und viel Einzelhandel. Plötzlich bin ich dann im Stadtzentrum, Kathedrale und Cricketstadion sind Anzeichen dafür. durchfragen zur nächsten Backpackergegend. Im ersten gesichteten Backpacker einchecken, duschen und schlafen legen. Jetzt bin ich am Ziel meiner Träume. Und schon ist es nichts Besonderes mehr. Wie das halt mit erreichten Zielen im Leben so ist. Aber es gibt ja noch weitere Ziele.