20. Januar

Viele Radler im Hotel. Gestern waren uns schon die vielen Radhosen auf der Wäscheleine sowie noch frischen Glanz versprühende Radschuhe vor den Türen aufgefallen. Nun startet eine Riesengruppe zur nächsten Etappe. Das Gepäck geht im Bus mit. Bestens ausgestattet sind sie. Toll kommen sie sich auch vor. Leider fahren sie in die entgegen gesetzte Richtung zu uns, so dass wir ihr (wohl bescheidenes) Radelvermögen leider nicht testen können. Nieselregen. Kühl. Aber bald darauf wird es schon besser. Wir verlassen endgültig die Westküste und radeln Richtung Landesinnere der Südinsel. Immer am Fluss entlang. Immer mehr organisierte Bike- Truppen. Als es dann auf den Pass geht, bekommen sie fast alle ihr Rad in die Busse verladen. Haast-Pass: Viele hatten uns davor gewarnt. In der nun runterknallenden Sonne ist er auch nicht ganz leicht, aber wir hatten uns wesentlich Härteres vorgestellt. Auf der Passhöhe der Kuriositätenhöhepukt: Ca. zwei Dutzend Räder stehen herrenlos hier rum. Dann kommt ein großer Bus mit der Aufschrift »Magic Experience«. Ein paar Leute steigen aus, um die nächsten 18 km das Tal runterzurollen. Ein Guide erklärt ihnen alles x-mal, erzählt ein Schauermärchen nach dem Anderen, wir können darüber nur noch lachen. Und die Gruppe lauscht ihm, als würde er gerade der Weisheit letzten Schluss verkünden. Muss wahrlich eine »magic experience« für sie sein. Zwei herrliche Täler. Schöne grün und blau schimmernde Seen, die von hoch aufragenden Bergen begrenzt werden. Schroffe Berge, »norwegen- und nephilimmäßig«. Seit Tibet hat mir keine Landschaft mehr so gut gefallen. Auf den letzten 70 km starker Rückenwind. Wir werden geradezu unserem Tagesziel entgegen geblasen. Auch mal schön, umso mehr können wir die tolle Szenerie genießen. Am Abend bereitet Christian zwei Steaks zu. Dazu gibt es mal wieder Bier. Wie schön kann die Welt doch sein.