22. September

In der Nacht Stechmücken. Das gefällt mir besonders in den Tropen nicht. Schnell hat man sich da eine ernsthafte Krankheit eingefangen. Zudem scheinen die Stiche hier besonders zu jucken. Ich bin jedenfalls darum häufiger wach. Einmal muss ich dabei lange darüber nachdenken, wie intolerant ich in manchen Punkten doch (immer noch) bin (und vielleicht auch bleiben werde?). Ich habe meine Schwierigkeiten mit den heimischen Politikern, mit einer bestimmten Sorte von »westlichen Touris«, mit der »House-Musik« und mit manch anderem mehr. WARUM kann ich sie alle nicht einfach so akzeptieren, wie SIE sind? Christoph, du solltest noch viel toleranter werden und noch viel mehr versuchen, ALLE Menschen, soweit es dir irgendwie möglich ist, zu verstehen! Morgens um 9 Uhr ist noch fast nichts auf den hiesigen Straßen los. Alle noch in der »Falle«. Da wird halt um die Mittagszeit mal gemütlich aufgestanden und gefrühstückt. Ich gehe Emailen, meinen nächsten Reisebericht schreiben. Im Hintergrund läuft CNN. U. a. kommt da eine lange Reportage über das im Ausland noch so unbeschriebene Blatt Gerhard Schröder. Es ist lustig, viele Deutsche Englisch sprechen zu hören. Eigentlich wollte ich heute mit der Nachtfähre noch zurück aufs Festland. Aber nun regnet es schon seit einer Stunde richtig stark und ein Ende ist noch nicht abzusehen. Zudem bin ich müde. So beschließe ich, heute noch mal hier zu übernachten. Ich versuche zu schlafen, aber diese Moskitos rauben mir den letzten Nerv. Seit langem bin ich mal wieder so richtig unausgeglichen: Verärgert über mich und meine fehlende Toleranz, genauso verärgert über dieses »Schwein« von Vermieter hier, der mehr Geld verlangt als auf seinem riesig aufgehängten Plakat versprochen wird, es aber schamlos ausnutzt, dass die preiswerten Unterkünfte ausgebucht sind; ich bin hundemüde, kann aber nicht schlafen und nicht zuletzt sehe ich durch diesen nicht eingeplanten »Ruhetag« meinen gerade gestern aufgestellten Zeitplan in Gefahr. Denn dieser sieht vor, spätestens am 08.10. Singapore zu erreichen, damit ich die anscheinend nur Samstags verkehrende Fähre nach Djakarta am 10.10. nehmen kann. So gehe ich auf die Straße, um mich abzulenken. Heute ist wenig los. Ansonsten aber alles ähnlich wie gestern: Da, wo Musik gespielt wird, die mir »passt«, ist auch gegen Mitternacht fast niemand. Sogar auf der »Half-Moon-Party« (1 Woche »Black-Moon-Party«, 1 Woche »Half-Moon-Party», 1 Woche »Full-Moon-Party« und wieder 1 Woche »Half- Moon-Party«, bevor wieder alles von vorne losgeht.) ist dem ebenso wie im »Santa Fe«, wo heute mich ansprechender Thai-Rock gespielt wird. Aber eben keine Leute. Schade! Die trifft man nämlich meist in halbseidenen Bars. Die »weißen Westler« haben Thai-Frauen im Arm und letztere müssen dabei auch noch lächeln. Alle Männer, die hier »solo« auf dem Weg sind (also auch ich), werden ständig auf »massage« angesprochen. Die Frauen, für die das halt oft die einzig mögliche Erwerbsquelle ist, tun mir sooo leid. Dann sehe ich in einem Supermarkt deutsche Zeitungen. Kohl springt da dynamisch und angeblich symbolisch über ein größeres Hindernis und bläst zum Schlussangriff im Wahlkampf, der – so habe ich gehört – mit noch härteren Bandagen als sonst schon üblich, geführt werde. Ich bin froh, dass ich das nicht zu Hause in Deutschland ertragen muss. Florence Griffith-Joyner sei völlig überraschend an einem Schlaganfall gestorben. Als wüsste man nicht schon seit langem die Nebenwirkungen von Anabolika.