24. September

Lange und tief geschlafen. Bald verlasse ich die Hauptstraße und fahre ein bisschen in die Berge rein. Dabei streife ich den »Khao Luang National Park«. Grosse landschaftliche Abwechslung bietet mir das nicht (es ist wie seit Bangkok immer saftgrün, viele Kokospalmen, andere Plantagen und Bäume), aber herrliche Straßen mit wenig Verkehr und sehr freundlichen Menschen am Wegesrand sind fast das Schönste, das einem Reiseradler geboten werden kann. Manche halten sogar an und reichen mir was zu essen. Und ein Lächeln schenkt mir fast jeder. Thailand – einfach ein Traumradelland! Schon am frühen Nachmittag erreiche ich mein heutiges Tagesziel, Nakhon Si Thammarat. Ich will Emailen und suche dementsprechend einen Internetshop. Plötzlich hält ein Auto neben mir. Zwei Thai-Frauen und ein weißer Mann fragen mich, ob sie mir helfen können. Ungefähr wüssten sie, wo ein Internetshop ist. Wir fahren kreuz und quer durch die lang gezogene Stadt. Der »Weiße« ist Peter aus Stuttgart, der gerade – wie ein- bis zweimal jährlich – auf Thailandurlaub ist. Seine Frau kommt von hier. Nun leben sie gemeinsam in Deutschland, denn er hat einen guten Job beider Lufthansa. Schließlich finden wir einen Internetshop. Es gibt Probleme mit meinem Hotmail-Account. Meine Mails sind weg, andere (nicht für mich Gedachte) aber bei mir gelandet. Ich wurde von einer der beiden Frauen zu deren Familie eingeladen. Hier übernachtet auch schon Peter, der diese Familie schon seit Jahren kennt, so dass ihn eine tiefe Freundschaft mit allen Familienmitgliedern (Eltern, zwei Töchter und ein Sohn) verbindet. So fahre ich nun auch dorthin. Alle, v. a. die Kinder im Teenageralter, können einigermaßen Englisch, so dass eine Kommunikation möglich ist. Getränke und Schokolade bekomme ich gebracht. Sie wollen alles über meine Tour wissen, die sie sehr interessant finden. Auch mit Peter unterhalte ich mich lange. Vor Jahren ist er mal von Singapore hierher geradelt. Ein Erlebnis, an das er bis heute gerne zurückdenkt. Als Abendessen wird Hühnchen in Kokosmilch mit Reis serviert. Klasse! Sie zeigen mir Fotos sowie eine CD-ROM von Thailand, wollen, dass ich jetzt ein paar Tage bleibe. Ich erkläre ihnen, dass ich das gerne machen würde, dass es mich aber »weiterzieht«, da ich »nur« noch ein halbes Jahr Zeit habe und ich auf meiner Route noch sooo viel zu entdecken habe. Das verstehen sie, meinen aber, dass ich dann wenigstens wieder kommen solle, damit sie mir dann den ganzen Süden Thailands richtig zeigen könnten. Sie erzählen mir von »Thailands Jugend«. Beide sind Lehrer, so ist das wohl ein besonders wichtiges Thema für sie. Die meisten Kids würden die alten Traditionen verschmähen und sich gedanklich dem Westen zuwenden. Dieses Gedanken-«Gut(?)« wurde über TV und die Touristen hierher transportiert. Das gilt vom Essen (»Fast Food«) über die Idole (westliche Popgrößen und Fußballspieler) bis hin zum Nachahmen der Wegwerfgesellschaft. Eine thailändische Familie braucht z. B. im durchschnitt pro Tag über 20(!) Plastiktüten! Diese gibt es eben für alles, genauso wie Röhrchen für jegliches Getränk. Auch ich kann mich z. B. im Supermarkt kaum umsehen und schon habe ich wieder alles dreimal verpackt. Und wenn ich dann den Verkäufern sage, dass ich das nicht brauche, schauen sie mich nur ganz verdutzt an. Dass dies Verschwendung sein könnte, daran denken sie erst gar nicht. Schade, dass diese so genannten »Schwellenländer« nicht aus den Fehlern der »alten Industrieländer« lernen.