25./26. Juni

Jetzt beginnt der Endspurt in Sachen Tibet-Vorbereitung. Ich lasse mein erstes Ritzelpaket sowie meine erste Kette auf dieser Tour auswechseln. Dies macht alles Sonam. Er war der erste Mountainbiker Nepals und hat hier einen Biker-Shop. Hier ist einer der Treffpunkte aller Himalaya-Radler. Auch meine Kettenblätter reinigt er, dass sie glänzen wie seit Frankenthal nicht mehr. Zudem treibt er einen Ständer auf, der vielleicht in der Lage sein könnte, auch meinen Radfernlaster in der stehenden Position zu halten. Und auch mein letztes »Problem« löst er: Ich kann bei ihm alle Sachen deponieren, die ich bei meinem Tibet-Trip nicht brauche. Und wie bei Achmet in Ankara endet auch diese Begegnung beschämend: Er nimmt einfach partout keinen Rupie für seine (vorzügliche) Arbeit und nicht einmal für seinen Ständer. Den habe ihm sowieso mal einer geschenkt. Es wäre nur wichtig, dass ich in Tibet ein einwandfreies Rad zur Verfügung hätte. Können wir da nicht mal wieder was lernen? Ist uns da nicht einer weit voraus, auch wenn er (oder gerade weil er?) aus einem so genannten »Entwicklungsland« kommt? Axel aus dem Rheinland ist auch hier. Er ist aus dem »besten Alter« schon raus. Seit 15 Jahren ist er nicht mehr in Europa gewesen, nur noch in Asien. Viele Reisen, zwischendrin mal arbeiten, wobei seine beste Zeit in Hongkong war, als er in einigen Kung-Fu-Streifen mitspielte. Hier treffe ich auch Daniel aus Australien wieder. Er hat sich nun definitiv entschieden, mit nach Tibet zu kommen. Klasse! Wout und Joon sind heute schon mit einem Landrover vorgefahren – Richtung Lhasa. Das ist etwas billiger, aber mir war es gerade mit dem Rad nicht sicher genug, ob ich so über die Grenze komme. Zudem braucht der Landrover für die 887 km von Kathmandu nach Lhasa ca. 48 Stunden. Da fliege ich doch lieber – für ein paar Dollar mehr – übermorgen. Immer wieder versuche ich, bei der »Emirates«-Airline Druck zu machen, dass ich den von ihnen zwischen Tehran und Dehli verschlampten Schlafsack noch vor meiner Abreise nach Lhasa bekomme. Aber richtig interessieren scheint mein Problem hier niemand. Was kann die Leute hier eigentlich aus der Ruhe bringen? Ist es Ausgeglichenheit oder aber Resignation oder was sonst? Jedenfalls werde ich täglich wieder mit anderen Meldungen vertröstet. Ein Stahlkochtopf sowie andere praktische Utensilien werden noch besorgt. Tibet wird das erste schwach besiedelte Land sein, bei dem wir uns öfters wohl auch selbst versorgen müssen. Abends gehe ich jeweils mit Beate essen. Sie ist die erste Person aus Ostdeutschland, mit der ich mich lange und gut unterhalte. Deutsch-deutsche Verständigung. Auch da tut es ja noch not. Beate ist – auch nach Beendigung ihres Studiums – zu einer siebenmonatigen Asienreise aufgebrochen, wobei sie bis auf die sechs Wochen mit ihrem Freund nur alleine unterwegs war. Wir unterhalten uns über Sport (sie war eine sehr gute Skilangläuferin), Asien (sie gibt mir einige wohl wertvolle konkrete Tipps für meine weitere Reise), über Religionen etc.