25. Dezember

Bald nach Mitternacht brechen wir wieder Richtung City auf. Wir versuchen lange, Autos zu stoppen. Kein einziges Auto hält. Manche winken zwar, aber was nützt uns das, wenn sie an uns vorbeirasen? Frustrierend. So geben wir irgendwann auf und nehmen ein Taxi. In unserem Backpacker war eine große »Christmas-Party«. Nun hängen nur noch »besoffene Leichen« rum. So beschließe ich, schlafen zu gehen. Ein bisschen desillusioniert von den australischen Verhaltensweisen. Ich unterhalte mich noch lange mit Gallus darüber, der von Australien, v. a. von dessen Westen, sehr angetan ist. Schließlich kommen wir auf den Nenner, dass ich von der Verhaltensweise mancher Aussies nur so enttäuscht bin, weil ich diese unglaubliche asiatische Herzlichkeit gewohnt bin und viele »weniger gute« Eigenschaften der Europäer wohl schon »vergessen« habe. Ob ich es schwer haben werde, mich wieder in Europa einzuleben? Ich hoffe nicht, v. a. aufgrund meiner mir hoffentlich helfenden Kumpels zu Hause bin ich da zuversichtlich. 9 Uhr: Ich will schon mal auschecken, bevor ich mich von meinen Kumpels hier noch verabschieden will. Aber ich erhalte eine Schreckensnachricht an der Rezeption: Zwei unserer Leute hätten gegen Ende der hiesigen Hausfete zwei Kameras und eine Geldbörse mitgehen lassen. Sie hätten nun Hausverbot, die Polizei sei hier gewesen und sie müssten nun direkt den Backpacker verlassen. Ich kann es nicht glauben. Ich hätte für die Beiden meine Hand ins Feuer gelegt. Da MUSS ein Missverständnis vorliegen! Ich eile in die Garage, gerade verlassen die beiden Kumpels diese. Einer hat noch geronnenes Blut im Gesicht, seine Nase soll gebrochen sein. Mensch, womit hat er das verdient??? Angetrunken sind beide noch, aber der Barkeeper schreit beiden nach, dass sie abhauen und nie mehr auftauchen sollen. Ich frage sie noch, wo wir uns wieder treffen können. Mehr als »in der nächsten Stadt Richtung Melbourne« bekomme ich trotz mehrmaligen Nachfragens nicht raus. Sie stehen noch unter Schock. Und dieser scheiß Barkeeper schreit nur laut. Und schon sind sie weg. Ein Alptraum am frühen Morgen. Merry Christmas? Wir verbliebenen Drei sind alle geschockt, Gallus steht nun gar ohne Auto da. Nein, ich kann und will in dieser Situation nicht Rad fahren und so tun, als sei nichts passiert. Wir versuchen immer wieder – mit Hilfe all der Infos, die wir von den letzten Anwesenden im Pub zur angeblichen »Tatzeit« bekommen – die wirkliche Szene zusammenzupuzzeln. Bleibt natürlich ein Versuch. Aber was sollen wir sonst tun? Daran denken, was den beiden nun im Schock und mit Restalkohol im Auto passieren kann? Verantwortungslos, die Zwei in ihrem Zustand auf die Straße zu jagen! Diese Aussies, sind sie gefühllos? Verantwortungslos? Brutal? Was können wir tun? Eine Email schreiben, dass sich unsere zwei verschollenen Kumpels melden sollen, im Backpacker bleiben, falls sie anrufen. Auf der Polizeistation sind sie nicht registriert. Uns bleibt nur warten. Am Nachmittag noch mal kurz zum Strand. Nichts los, die Stadt scheint ausgestorben. Am Strand treffe ich die zwei Schweizer Radler, Patricia und Urs, denen ich vor zwei Wochen schon mal im Outback begegnet war. (hier ihre Webseite, wen es interessiert, kann da ja auch mal reinschauen; Johannes, dich bitte ich diese Adresse als Link auf unsere Webseite zu setzen; DANKE! http://touristik.freepage.de/australien). Auch am Abend keine Nachricht von unseren Kumpels. Traurig und auch ein bisschen frustrierend. Aber Gott sei Dank sind wir zu dritt und können uns gegenseitig immer wieder ein bisschen aufbauen.