25. September

Der Vater der mich letzte Nacht beherbergenden Familie, Somsuk, geht mit mir noch vor seinem Arbeitsbeginn frühstücken. Wir trinken sowohl grünen als auch cremig-süßen (durch die »bapp«-süße(!) Kondensmilch) Tee und essen eine Art Kokosplätzchen mit Reis. Zeit zum Verabschieden. Herzlich! Und das nach gerade mal wieder nur wenigen Stunden des Kennenlernens. Wir schwer tun wir und da in Europa? Weiter geht es. Ich entscheide mich für den Weg durchs Landesinnere, immer zu Füßen einer Hügelkette, die übrigens noch Ausläufer des Himalaya darstellen! Die Menschen überall sehr freundlich. Jeden Tag dasselbe, aber jeden Tag wieder sehr angenehm. Dann biege ich von der Hauptstraße ab, Richtung »Khao-Ya- Nationalpark«, den ich gute 20 km weiter auch erreiche. Aber WO ist die weiterführende Straße, die mich direkt zum nächsten, zum »Khao Chang- Nationalpark« bringen soll? Ich finde sie nicht. Ich frage. Niemand versteht mich. Endlich eine Studentin, die für mich dolmetschen kann. Drei Parkarbeiter geben mir aber unabhängig voneinander die gleiche deprimierende Antwort: Ich müsse zurück zur Hauptstraße, die in meiner Karte eingezeichnete Straße sei nur ein schwer zu findender Pfad. Also zurück, 45 km (fast) für die Katz. Ich fotografiere. Der Film hat nun 37, dann 38 und schließlich 39 Fotos. Da kann was nicht stimmen, zumal meine Kamera eine automatische Spulung eingebaut hat. Ich öffne die Kamera und tatsächlich: Der Film war anscheinend nicht hundertprozentig eingelegt und hat noch kein Foto gemacht. All die möglicherweise netten Fotos sind dahin. Allein heute von der thailändischen Familie, bei der ich übernachtet hatte oder auch von den Feldarbeiterinnen (mit den für hier so typischen und schönen Sonnenhüten), die mir so freundlich zugerufen hatten und die ich dann bei der Arbeit abgelichtet hatte. Nicht aus der Ruhe bringen lassen, Christoph! Klappt sogar. Solche Dinge gehören halt zu so einer Reise dazu. Und später sind das die Anekdoten, die dann noch erzählt werden. Am frühen Abend erreiche ich Phattalung. Immerhin gut 140 km heute, wenn ich auch nur ca. 100 km »weiter« bin als am Morgen. Schnell finde ich ein Hotel und kaufe dann noch in einem der 24 Stunden geöffneten Supermärkte (»7-Eleven«; amerikanische Kette) ein. Genüssliches Mahl im Hotelzimmer, einlesen auf Malaysia und ab in die Falle. Zeitlich gesehen war heute »Halbzeit« meiner Tour. Geographisch gesehen befinde ich mich aber noch in der »Nachspielzeit der ersten Hälfte«, da ich mich ja noch nicht auf der »gegenüberliegenden Seite« von Europa befinde. Also heißt es, zuzulegen.