28. Dezember

Einschlafen und Aufwachen ist Eines. Simpler Ansatz für die Lösung des philosophischen Problems der Zeit? Neben mir hat ein Paar aus Melbourne übernachtet. Sie sind auf dem Weg nach Darwin. Ich komme mir komisch vor, als ich Ihnen die interessantesten Punkte auf dem Weg dorthin erzählen soll. Bin ich doch der Gast und sie in ihrem Heimatland. Zu viel geschwätzt, ich komme erst gegen 10 Uhr weg. WINDSTILL! Kein Grashalm bewegt sich. Wann habe ich das das letzte Mal erlebt? So lässt es sich recht leicht radeln, obwohl ich doch noch etwas müde von gestern bin. Ich überfahre die Grenze von South Australia nach Victoria. Diese »border« ist wesentlich unauffälliger als die vom Northern Territory nach South Australia. In einem kleinen Städtchen frage ich nach einer Internetmöglichkeit. Wie kann ich nur? Heute sind doch (schon wieder) »public holidays«. Damit waren die Geschäfte in den letzten vier Tagen nur am Samstagvormittag auf. So lebt meine schon vermisste Roadhouse-Kultur wieder auf. Bereits zweieinhalb Stunden vor der Dämmerung erreiche ich Horsham, mein an sich für heute geplantes Tagesziel. Aber ich beschließe, schnell im McDonalds vorbei zu schauen und weiter zu fahren. Vielleicht kann ich dann trotz der schwierigen Bedingungen doch noch bis Silvester Melbourne erreichen. Nach 15 weiteren km kann ich dann auch endlich den doch recht stark frequentierten Highway verlassen. Wunderbar! Ich bin nicht einmal mehr 280 km von Melbourne entfernt. Aber ich plane einen knapp 300 km langen Umweg. Denn dort soll die Natur wirklich beeindruckend sein. Zuerst in den »Grampians- Nationalpark«. Es dämmert und wird dunkel. Nein, nicht wirklich dunkel. Der Mond scheint. Alles kann ich erkennen, wenn auch teilweise nur schemenhaft. Da sind die sich immer höher auftürmenden Berge sowie viele Kängurus. Die ersten, die ich lebend in der freien Natur sehe. Ein Feriendorf. Aber ich darf trotz Bitten mein Zelt nirgends aufbauen. Es gäbe hier nur Hütten und die seien ausgebucht. Also weiter, immer faszinierender wird es. Eine himmlische Ruhe liegt über dem Nationalpark. Kein Verkehr. Nur Kängurus. Mehrmals springen sie nur ein paar m vor mir über die Straße, einmal hüpfen sie sogar lange neben mir her. Die Nacht ist vollkommen klar. Bäche rauschen, Vögel pfeifen, der Wald duftet. Ich bin eins mit der Natur. Herrliches Gefühl. Dann Zumstein. Auch hier kein Campingplatz, aber eine »Picnic area«. Ich zelte hier. Hoffentlich kommt die Polizei nicht. Waren wieder 212 km heute. Schreibe mein Tagebuch im Mondlicht, bevor ich zufrieden in meinen schnell angenehm warmen Schlafsack krieche.