30. Januar

Nach knapp einer Woche in und um den Fjordland-Nationalpark verlassen wir diese Region heute in Richtung Südzipfel des neuseeländischen Festlandes. Kühl ist es und es beginnt genau in dem Moment zu nieseln, als ich losfahre. Dafür habe ich Rückenwind, und nicht gerade schwach. Leicht strampeln lässt es sich da. Eine für mich angenehme Abwechslung, dass mal die mir entgegenkommenden Radler sich verzweifelt gegen den Wind stemmen müssen und ich ihnen entspannt winken und zulächeln kann. Alles gleicht sich halt aus im Leben. Ich wähle die »Southern Scenic Route«, obwohl sie ca. 35 km länger als die Direktverbindung nach Invercargill ist. Denn ich erhoffe mir auf dieser Strecke den landschaftlich reizvolleren Abschnitt. Grosse Hoffnungen können meist aber nur enttäuscht werden. So gefällt mir zwar die zu Beginn noch vorherrschende karge und massive Berglandschaft, doch im weiteren Verlauf kann selbst ich als »Flachlandtiroler« die Erhebungen immer häufiger nur noch als Hügel bezeichnen. Aber auch ein anderes, womöglich faszinierendes, Charakteristikum sticht nicht heraus. Der Regen endet, der Wind peitscht mich weiter voran. So bin ich schnell wieder am Meer. Das Rauschen desselben, das Kreischen der Möwen sowie die vom Wind »verbogenen« Bäume« stechen auf dieser extrem verkehrsarmen Strecke als die beherrschenden Merkmale heraus. Bereits mitten am Nachmittag komme ich in Invercargill, der südlichsten Stadt Neuseelands, an. Mit gut 50 000 Einwohnern ist dies die für uns seit Wochen größte Stadt. Schottisch ist sie geprägt, schnell fällt mir sogar eine Dudelsackgruppe auf. Am Abend gehe ich mit Maren und Nanna weg. Gerade als wir nach einem über halbstündigen Spaziergang von der Jugendherberge aus den einzigen noch »lebendigen« Pub der Stadt erreicht haben, bin ich wegen einer Kleinigkeit beleidigt, lasse die beiden zurück und drehe um. Wieder eine halbe Stunde zurück, allein und im Regen. Mensch Christoph, du kannst reisen und auch sonst tun, soviel du willst, Deine Fehler scheinst du nicht abstellen zu können. WARUM kann der Mensch nicht über seinen Schatten springen? Bleibt einem letztlich nichts Anderes übrig, als mit seinen Fehlern leben zu lernen? Mein großer Fehler – der Stolz. MUSS ich akzeptieren, dass ich stolzer als die meisten Spanier bin und deshalb stur Dinge tue, von denen ich schon in demselben Moment weiß, dass sie nicht richtig sind? Aber es geschieht ein Wunder. Ich kann über meinen Schatten springen (indem ich mich selbst zur Seite stelle und so über mein Verhalten lachen kann; DANKE WOLFGANG!), drehe erneut um und treffe mich nach einer Stunde Abwesenheit wieder mit Maren und Nanna, die mir Gott sei Dank auch überhaupt nicht böse sind. Es wird sogar noch ein richtig lustiger Abend.