30. Juni

Nach einem typisch europäischen Frühstuck in einem Touristenlokal, in dem sich fast nur Holländer (WO kommen die nur überall her???) aufhalten, ziehe ich mit Robert aus Los Angeles los, um die bekannten Sehenswürdigkeiten Lhasas zu erkunden. Zuerst gehen wir zum Potala-Palast, DEM Symbol Tibets. Der Grundstein für den heutigen Potala wurde 1645 gelegt, als der fünfte Dalai Lama einen großen Palast errichten ließ, der religiöse und administrative Zwecke erfüllen sollte. 1694 wurde der Potala fertig gestellt. Bis 1959 diente er dem jeweiligen Dalai Lama als Amtssitz. Ich bin von der Größe, den vielen (1000!) Räumen , der herrschenden Atmosphäre wie auch von den vielen Kunstwerken beeindruckt. In den schwach erleuchteten Korridoren herrscht die mystische Atmosphäre, die man mit dem tibetischen Buddhismus verbindet. Pilger in grauen Gewändern drängen sich in engen Kapellen und gießen flüssige Yakbutter aus Thermosflaschen in Silber- und Goldlampen. Ewige Flammen erleuchten die unzähligen Buddhabildnisse. Robert bestätigt alle Vorurteile, die in Europa über US-Amerikaner kursieren: Er kann nicht glauben, dass »schon im 17. Jahrhundert« solche überwältigenden Bauwerke geschaffen werden konnten. Richtig interessieren scheint ihn diese Kultur aber auch nicht, er erzählt mir die ganze Zeit nur vom Fußball in den USA und wie rasant der sich in den letzten Jahren entwickelt habe. Wichtig ist ihm vor allem, dass man »immer Spaß« hat. Meine Tour findet er großartig, wenn er wohl auch nicht ganz meine Absicht versteht. Am liebsten würde er sogar auch bis Kathmandu mitfahren, aber er muss in eineinhalb Wochen wieder in den Staaten sein. Sehr positiv ist aber, dass er durchgehend gute Laune verbreitet und viel lacht. Am Nachmittag besichtigen wir noch den Sommerpalast (Norbulingka) des 14. Dalai Lama, von dem wir aber doch ein bisschen enttäuscht sind, da außer viel Grün und ein paar kleineren Palästen nicht viel zu sehen ist. Am Nachmittag kommt Joon, jener »US-Chinese«, den ich in Kathmandu getroffen habe, vorbei. Er hat ein bisschen Schwierigkeiten mit der Höhe (stärkeres Kopfweh) und sagt darum seine Mitfahrt mit dem Rad von Lhasa nach Kathmandu ab. Schade. Aber er lädt mich ebenso – wie gerade wenige Stunden zuvor Robert – ein, ihn bei meiner Tour in Los Angeles zu besuchen. Zudem erzählt er mir noch von der »Overland-Tour« mit dem Jeep von Kathmandu nach Lhasa. Häufiger habe er keine Straße mehr erkennen können, in den Hotels gebe es weder eine Dusche, noch warmes Wasser, für die 887 km haben sie 82 Stunden gebraucht. Das alles mit dem Rad – kann ja heiter werden. Am Abend geht es noch in mein inzwischen zur Stammkneipe aufgestiegenes Lokal. Hier feiert heute Rene, der Manager unseres Hotels, mit einer bestimmten Gruppe, die sich bereits in Kathmandu gebildet hat und seitdem immer mehr zusammen unternimmt, in seinen Geburtstag rein. Es ist lustig und das Bier fließt.