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Wie wollen wir leben?

Diese Frage, auf die es keine einfache und auch keine allgemein gültige Antwort gibt, beschäftigt seit jeher viele Menschen. Sie ist eng damit verknüpft, welche Prioritäten wir im Leben setzen wollen. Die Frage gewinnt an Dramatik, wenn ich nicht nur für mich lebe, sondern auch die Welt neben mir im Blick habe. Dann fallen mir sofort viele Dinge auf, die nicht gut sind, aber zumindest indirekt auch mit mir und meiner Lebensweise zusammen hängen:

Die Güter auf unserer Erde sind sehr ungleich verteilt: wenige Menschen haben sehr viel (viel, viel mehr als sie zum Leben brauchen) und versuchen dieses Viele noch zu maximieren. Gleichzeitig verfügen Viele über viel zu wenig, um zu (über)leben, unter anderem sterben rund 25.000 Menschen TÄGLICH (alle dreieinhalb Sekunden ein Mensch!), weil ihnen nicht genügend Lebensmittel, kein sauberes Trinkwasser bzw. keine Medikamente zur Verfügung stehen. Und dies, obwohl es ausreichend Lebensmittel, Trinkwasser und Medikamente auf der Erde gibt – in etlichen Regionen gar im Überfluss. Es fehlt an einer guten Verteilung dieser Güter.

Die weltwirtschaftlichen Strukturen sind ungerecht. Sie bevorzugen diejenigen, die schon viel haben. Auch der Klimawandel bedroht diejenigen am stärksten, die diesen am wenigsten ausgelöst haben und sich gleichzeitig am wenigsten gegen ihn schützen können. Ebenso ist der Verbrauch der natürlichen Ressourcen äußerst ungleich. Obwohl ein großer Teil der Menschen über nur sehr wenige Ressourcen verfügt, konsumieren vor allem die Menschen im sogenannten „globalen Norden“ (diejenigen, die materiell reich sind) so viele Ressourcen, dass die Menschheit im Gesamten Raubbau an unserem Planeten „Mutter Erde“ betreibt. 2050 – sagen WissenschaftlerInnen – stehen jedem der dann rund 9 Milliarden Menschen auf der Erde 2,7 Tonnen CO²-Äquivalent pro Jahr zur Verfügung, wenn wir noch wahrhaft „nachhaltig“ leben wollen. Aktuell haben wir in Deutschland aber den ungefähr vierfachen Verbrauch von dem, was uns zusteht.

Wie wollen wir leben angesichts dieser Problematiken? Weltweit ist zu beobachten, dass ganze Gesellschaften sich diesen Fragen stellen. Dies führt beispielsweise in Lateinamerika zur „Buen vivir“-Bewegung“, die ein „gutes Leben“ für alle einfordert, was inzwischen sogar in mehreren Staaten Lateinamerikas in den Verfassungen festgeschrieben wurde. Auch in Deutschland wird diese Debatte zunehmend geführt und beginnen Menschen, ihren persönlichen Lebensstil zu ändern und sich gleichzeitig politisch für veränderte (gerechtere) Rahmenbedingungen ein zu setzen. Beispielsweise gibt es von der Bundesregierung bis attac (in unterschiedlichen Facetten) ernsthafte Überlegungen, ob – und wenn ja – wie wir auch ohne Wirtschaftswachstum gut leben können. Der Evangelische Kirchentag 2013 in Hamburg beleuchtete unter dem Motto „So viel Du brauchst“ (Ex 16,11-18) ebenso all diese Fragen wie viele andere kirchliche und weltliche Organisationen und Initiativen.