Auf dem Balkan – 18.09.2016

Außer dass mich ein lange immer wieder bellender Hund im Nachbarzimmer (offenbar sind seine „Herrchen“ nicht da) lange am Einschlafen hindert, schlafe ich tief und gut. Nach Frühstück zur Anmeldung in Tesero. Ist noch sehr kühl, selbst im Tal nur 10 Grad. Und stark bewölkt, ab und zu nieselt es noch. Treffe einige mir bekannte SüdtirolerInnen. Das freut mich – immer wieder.

Mir bleibt noch Zeit, die Strecke teilweise ab zu fahren: die ersten km sind unrythmisch mal flacher, mal steiler.

10:30 Uhr erfolgt der erste Start, dann alle 30sec. der/die Nächste. Ich als Siebenter. Die ersten 500m relativ flach über Kopfsteinpflaster. Dann erste steile Passagen, immer wieder im Wechsel mit flacheren Abschnitten. Fahre zügig. Mit (zu?) hoher Übersetzung und entsprechend (zu?) viel Druck. In Stava wird gerade ein Festtag mit einem Festgottesdienst eröffnet. Nach 3,5km folgt eine gut 4km lange, steile Passage (meist um die 12%). Ich versuche eine relativ hohe Frequenz zu fahren, was mir schwer fällt. Mitten in der Steilpassage merke ich, dass ich das Tempo etwas reduzieren muss. Bin froh, als es an der Alpe Pampeago etwas flacher wird. Versuche das Tempo dafür wieder etwas zu erhöhen. Ob das ausreichend gut klappt?

Beginnt zu nieseln. Mir ist kühl, trotz vollem Einsatz. Bleibe mit 40:23 min. über meinem Ziel (U 40). Bald nach mir kommt auch schon jemand mit 40:21 ins Ziel. Esse, trinke, unterhalte mich, ziehe mich warm an. In der Zwischenzeit kommen immer mehr ins Ziel. Letztlich wird die Siegerzeit von Michael Tumler auf  38:12 gedrückt. Es waren auch mit die besten Bergfahrer der Region am Start. Trotzdem sind gut 2 min. Rückstand und Platz 8 nicht das, was ich kann (glaube ich zumindest). Irgendwie lässt mich das aber im wahrsten Sinn des Wortes heute kalt. Verabschiede mich und fahre direkt nach dem letzten in Ziel Kommenden ab. Knapp 70km nach Trento, wo ich versuchen will, um 14:04 Uhr den Zug zu bekommen. Komme bald in etwas Regen. Fahre flott und habe mal wieder – nach einer kurzen Fahrt auf der Autobahn! – Glück: um 14:02 stehe ich selbst für mich überraschend plötzlich vor dem Bahnhof… Erst nach Venezia (Mestre). Treffe einen Radfahrer aus Panama, der nun in Italien lebt. Bin sehr interessiert an seinen Schilderungen, denn in gut zwei Monaten reise ich zum ersten Mal nach Mittelamerika. Um 18:46 Uhr bin ich in Trieste. Will nun noch über die Grenze nach Slowenien (Sezana). In der Autobahnstadt nicht einfach, mit dem Rad nach Slowenien zu kommen. Frage mich aber durch. In der Dämmerung sehe ich noch die Auswirkung eines tödlichen Autounfalls. Bin froh, nach einigen km auf stark befahrener Straße in der Dunkelheit an meiner Unterkunft in Sezana angekommen zu sein. Gehe noch eine Pizza essen.