Auf dem Balkan – 20.09.2016

Starte schon um 7:15 Uhr mit dem Rad, denn um 11 Uhr haben wir den nächsten Termin im 100 km entfernten Prijedor. Kein Regen mehr. Meine Radklamotten sind aber noch nass, trocknen dann aber mit der Zeit auf dem Rad… Es geht durch ein enges Tal am Fluss entlang nach Bosanska Krupa. Später wird das Tal weiter, ich komme auch in die Republika Srepska, den durch den Vertrag von Dayton mit 49% des Landes fixierten serbischen Teil des Landes. Hier wird viel Landwirtschaft betrieben, u.a. sehe ich viel Mais. Am Straßenrand viele Gemüse- und Obst-Verkaufsstände. 

Um 10:50 Uhr bin ich – wieder vor meinen KollegInnen – in Prijedor. Hier haben wir nun ein Treffen mit zwei VertreterInnen vom „Interreligiösen Rat“. Aktuell findet hier eine Woche lang ein Treffen mit allen Ethnien des Landes statt. Sie berichten sich gegenseitig von ihren Erfahrungen von Gewalt. Gemeinsame Exkursionen zu „Schmerzpunkten“ in der Geschichte der jeweiligen Ethnie bilden einen Schwerpunkt. In unserem Gespräch suchen wir nach gemeinsamen Anknüpfungspunkten für mögliche künftige Kooperationen.

Am frühen Nachmittag weiter nach Sarajevo, ich fahre nun im Auto mit (mit dem Rad würde ich es nicht bis zum Abend nach Sarajevo schaffen). Eigentlich sollten wir 4h für die rund 240km brauchen. Unser Navi will uns mehrfach falsch leiten, zweimal lassen wir uns auf die vorgeschlagene Route ein und fahren daher unnötig lang und beim zweiten Mal kommen wir gar auf eine rund 10km lange Schotterschlaglochpiste. Wir haben im Auto angeregte Gespräche, kaufen uns unterwegs viel Obst und Gemüse und kommen in der Dämmerung in Sarajevo an. Haben gleich ein Treffen mit dem hiesigen Weihbischof Pero Sudar, zu dem schon ein sehr wertschätzendes Verhältnis besteht. Gemeinsam überlegen wir auf Vorschlag des Weihbischofs, wie wir die Ideen unserer Kampagne www.gutesleben-fueralle.de auch in und um Sarajevo fruchtbar machen könnten. Vielleicht komme ich zu diesem Zweck im Januar schon wieder nach Sarajevo…

Zum Abschluss des Tages treffen wir uns noch mit Amir Hasanovic, dem Geschäftsführer des Vereins „Narko Ne“ (Keine Drogen): http://www.prevencija.ba/de/

Es geht um die aktuelle Arbeit des Vereins, um die politische Situation im Land (heute wurde Bosnien-Herzegowina zum EU-Beitrittsland! – für Viele scheint ein EU-Beitritt und die damit verbundenen notwendigen politischen Reformen im Vorfeld eines Beitritts die einzige wirkliche Hoffnungsperspektive für das Land) und um Ansatzpunkte für künftige Kooperationen.

Um Mitternacht kommen wir zu unserer Unterkunft, dem Gästezimmerbereich der hiesigen Schule für Europa (Schulzentrum „St. Joseph“). Schlafe tief.