Auf dem Balkan – 21.09.2016

Frühstück mit Weihbischof Sudar. Immer wieder sympathisch, herzlich, engagiert.

Interne Auswertungsrunde: wir lassen die Besuche der letzten Tage Revue passieren und sprechen ab, wer nun welche Aufgaben übernimmt, um zeitnah klären zu können, welche der angedachten Kooperationen verwirklicht werden können.

Stadtrundgang: Kathedrale, zentrale Moschee, Basar, Lateinerbrücke (Attentat 1914 als Auslöser des 1. Weltkriegs).

Fahrt zum Flughafen. Verabschiedung: die KollegInnen fliegen wieder heim. Ich will die kommenden Tage weiter radeln, via Montenegro, Kosovo und Albanien retour bis Kroatien.

Mittags bei Sonne und immerhin 15 Grad vom Flughafen Sarajevo vorbei an den „olympischen Bergen von 1984“ (Igman, Bjelasnica). Wieder ungewohnt, allein unterwegs zu sein. Bald geht es zum Rogoj-Pass (1163m) hinauf. Kurz vor Foca verlasse ich die große Straße (die nun einen großen Bogen Richtung Nordwesten/Belgrad macht) und begebe mich auf eine kleinere Straße Richtung Montenegro: sehr hügelig, extrem wenig Verkehr und wechselhafte Straßenverhältnisse. Bald schon der Grenzübergang. Wieder auf beiden Seiten Kontrollen, wieder Fotokopien von meinem Reisepass. Tolle Landschaft mit hohen bewaldeten Bergen und einer tiefen Schlucht rund um den Fluss Riva. Hoch und runter. Viele Tunnel, meist unbeleuchtet. Bei den langen Tunneln erkenne ich daher die Schlaglöcher manchmal zu spät. Abzweig zum Durmitor-Nationalpark. Zwei Reiseradler kommen mir entgegen, dick eingepackt. Denn es wird schon kühl. Unten steigt die Straße deutlich an. Nach geschätzten 12km erreiche ich so eine Art Hochplateau. Von hier geht es auf und ab. Keine Ortschaften, höchstens mal ein einzelnes (Bauern)Haus. Fast gar kein Verkehr. Hohe, schroffe Berge. Viele Steine. Kaum noch Bäume. Dennoch einiges grün, z.B. durch Gräser. Es ist kühl. Die Steigungen sind lang. Wie weit ist es noch? Es zieht sich. Und wird kühler/kälter und dunkler…

Lange Abfahrt, glaube auf dem Pass gewesen zu sein. Zittere schon (vor Kälte). Dann aber geht es noch einmal bergauf…! Um 19:07 Uhr habe ich endlich die Passhöhe erreicht: 1909m. Es ist bereits dunkel. Gott sei Dank ist der Straßenbelag recht gut. Zittere mich einigermassen flott bergab. Sehe nun immer mal wieder Häuser. Werde eingeladen hier zu übernachten. Habe aber eine Unterkunft im Wintersport- und Höhenkurort Zabljak gebucht. Bin froh, als ich endlich auf eine größere Straße gelange und diese dann sogar ein wenig wieder bergauf führt. So wird es mir wieder etwas wärmer. Endlich erreiche ich Zabljak. Ein kleiner Lebensmittelladen hat noch auf. Ich kann mit € zahlen (erfahre, dass dies die offizielle Währung in Montenegro ist!) und decke mich mit vielen Lebensmitteln ein. Die Frau hilft mir noch sehr bei der Apartmentsuche. Dort dusche ich erst einmal warm, danach genieße ich mein kleines Abendessen.

Dachte schon den ganzen Tag daran, dass meine heutige und auch die morgige Route genau der Weg vom diesjährigen Transkontinentalrennen gewesen ist, denn Durmitor/Zabeljak war in diesem Jahr der vierte und letzte Checkpoint auf dem Weg von der Muur de Geraadsbergen nach Canakkale. Falls das im kommenden Jahr erneut so sein sollte, bin ich in gut 10 Monaten eventuell erneut hier unterwegs.