Auf dem Balkan – 23.09.2016

6:30 Uhr eine erneut großartige Mahlzeit: viel, natürlich, super schmeckend.

Wieder sehr nett, tausche mit Emmanuel e-mail-Adresse.

Erst nach 7:30 Uhr starte ich, was mir an sich als zu spät erscheint, denn ich habe heute 275km mit vielen Höhenmetern bis zur Bucht von Kotor vor. Durchaus herzliche Verbschiedung.

Traumhafte Kulisse: tolles Morgenlicht taucht die begrünte Berglandschaft in wunderbare Farben. Ich sauge sie in mein Herz auf. Bei Fierze beginnt ein sehr langer Anstieg. Fast gar kein Autoverkehr. Nach einigen km Anstieg folgt ein über viele km anhaltendes auf und ab über immer wieder neue Bergketten. Hinter jeder Bergkette vermute ich die Passhöhe, aber es geht immer weiter. Kurve um Kurve. Auf und ab. Lange habe ich wunderbare Ausblicke auf den zu einem See gestauten Fluss „Drin“. Irgendwann bin ich wohl tatsächlich oben auf dem „Qafe Malit“ (1284 m), ohne dass ich einen Hinweis auf den Pass erkennen kann.

Längere Abfahrt. Langsam geht es heraus aus den ganz hohen Bergen. Es ist sehr sonnig (heute könnte ich Sonnencreme gebrauchen) und warm. Komme durch Dörfer. Sehe auch einige Moscheen. Aber trotz freitäglicher Gebetszeit scheinen nur wenige Menschen in der Moschee zu sein. Albanien wurde 1968 durch die Kommunisten zum ersten „atheistischen Staat“ erklärt. Das wirkt bis heute nach, sowohl bei der Mehrheit der Menschen muslimischen Glaubens, als auch bei der Minderheit der ChristInnen.

Nach ein paar (vorerst) letzten Hügeln befinde ich mich nun in der Ebene Richtung Shkoder, einer Stadt mit 77.000 Menschen. Die Stadt selbst wirkt großstädtisch. Viel Verkehr, viele Geschäfte. Kaufe ein Brot (kann in € zahlen) und esse es direkt vor der Bäckerei. Der Chef der Bäckerei lädt mich in das benachbarte Cafe ein, ich solle doch dort mein Brot essen. Das scheint auch wirklich vollkommen o.k. Suche mir noch 1 l Milch aus, habe viel Durst – und Milch ist mir lieber als alle Softgetränke. Kann auch hier mit € zahlen, der Besitzer hätte gerne 1€. Ich habe nur noch einen 50€-Schein. Den kann er aber nicht wechseln. Kratze meine letzten Münzen zusammen und komme auf 0,53€. Das sei auch o.k. … Genieße mein Mahl.

Nicht einfach, den weiteren Weg zu finden. Frage an einer Tankstelle nach. Der Tankwärter spritz gerade den heißen Asphalt ab. Bitte ihn, kurz seinen Schlauch auf meine Radflasche zu richten. So habe ich nun endlich genug zu trinken. Und zugleich weiß ich wieder den bevor stehenden Weg zur albanisch-montenegrinischen Grenze bei Muriqan. Mir fallen einige einheimische Radfahrer auf.

Am Grenzübergang viele Autos. Da es aber schon in zweieinhalb Stunden dunkel wird und ich noch gut 90km vor mir habe, fahre ich an den Autos vorbei und stelle mich schon nahe des Grenzübergangs auf. Habe Glück: eine Grenzbeamtin sagt mir, dass ich als Radfahrer mich auf der anderen Seite anstellen soll/darf. Dort steht ein Kleinbus voller kath. Priester aus verschiedenen Ländern. Sie wollen nach Montenegro. Wir unterhalten uns, bis wir kontrolliert werden. Retour in Montenegro. Zum ersten Mal in diesen Tagen habe ich starken Gegenwind, was ich auch am Nachmittag schon gemerkt hatte, seitdem ich die Berge verlassen hatte. Muss ein bisschen kämpfen. Kaum habe ich die Adria erreicht (tolle Ausblicke von oben auf kleine Dörfer direkt am Meer), lässt der Wind aber spürbar nach. Fahre durch die Stadt Bar mit ihrem Hafen, von dem aus auch viele Fähren zu verschiedenen italienischen Städten fahren.

Die Küstenstraße ist ziemlich hügelig: oft so 2 – 3 km spürbar (oft 7%) bergauf und danach ebenso lang sehr flott wieder bergab. Viel Autoverkehr. Letzte kurze (Essens)Pause in der Dämmerung. Nun brauche ich wieder mein Licht am Rad. Bald komme ich nach Budva, eine sehr touristische Stadt am Meer, mit Casino und vielen Hotels. Von hier nun direkt nach Kotor, am Ende noch ein längerer Tunnel. Abfahrt nach Kotor. Noch 5km außerhalb ist mein Dorf, Prcanj, wo ich übernachte. Bin froh, als ich das Aparment endlich gefunden habe.

Die Chefin spricht nur ganz wenig Englisch. Als ich sie nach dem Frühstück frage, ruft sie ihre Tochter an, die gut englisch spricht. Diese macht mir klar, dass ein Frühstück normalerweise nicht im Preis inbegriffen ist, aber ihre Mutter dies für 10 € gerne in ihrer Wohnung offeriert. Dies ist mir eigentlich zu eng und auch zu teuer, daher versuche ich, die Tochter von dieser Idee abzubringen. Aber ich merke, dass dies ohne Gesichtsverlust nicht mehr geht.

Gute Nacht!