Auf dem Balkan – 25.09.2016

Um 5:40 Uhr kommt unser Zug in Zagreb an. Ich finde schnell ein Hotel, das ab 6 Uhr ein sehr reichhaltiges Frühstücksbuffett anbietet. Ich kann in € zahlen. Wie froh war ich in den letzten Tagen um dieses Zahlungsmittel, das für mich sogar ein Stückchen Freiheit bedeutet.

Noch einmal esse ich mich ganz satt und nehme mir noch zwei Brötchen und zwei Äpfel mit, die mir für die restliche Heimfahrt reichen sollen. Mein Zug geht um 6:55 Uhr, von einem „Sondergleis“ (5). Da ich dieses nicht gleich finde, verpasse ich fast meinen Zug. Klappt aber mal wieder gerade noch so. Sehr dankbar sitze ich im Zug. Was hatte ich für eine tolle Reise! Osteuropa nimmt immer mehr Platz in meinem Herzen ein. Als echter Euroäer gehört es auch zu meiner Identität.

Ich lese viel. In Bischofshofen steigt ein weiterer Radfahrer ein. Mein Rad hängt an seinem Stellplatz. Mein Stellplatz muss ein paar Waggons weiter vorne sein. Ich räume meinen Stellplatz. In Golling steige ich aus und fahre schnell den Bahnsteig noch vorne. Der Schaffner behauptet, dass ich eine falsche Reservierung hätte und will mich nicht einsteigen lassen. Ich könnte weinen, will doch nach Hause. Wehre mich, habe aber keine Chance gegen diesen aggresiven Schaffner, auch wenn ich dann (mit Worten) leider selbst noch aggresiv gegen den Schaffner werde. Der Zug fährt ohne mich weiter. Erkundige mich und sehe, dass in 2 h noch ein passender Zug in Salzburg fährt. Entscheide mich so, dass ich mit dem Rad nach Salzburg fahre. Ideal, um meine Wut raus zu lassen, um mich aus zu toben. Bin überrascht, wie fit ich mich fühle. Mir kommt die Idee, mal den Gaisberg (Salzburger Hausberg) zu fahren. Das wollte ich schon seit Jahren mal tun. Leider finde ich die Westauffahrt nicht, muss erst um die halbe Stadt herum und finde dann doch noch die Ostauffahrt – anscheinend eine sehr klassische Bergstrecke. Will aber ganz auf Nummer sicher gehen, dass ich meinen Zug erreiche. Drehe daher sehr schweren Herzens mitten im Anstieg um. Bin dann schneller am Bahnhof als ich dachte. Zudem hat der Zug hier einen längeren Aufenthalt und nicht zuletzt wartet er noch auf Anschlussreisende. Hätte also noch locker den Gaisberg komplett fahren können. Aber auch so bin ich dem Schaffner von Golling nun durchaus dankbar, dass er mich nicht mitgenommen hat: nur so konnte ich noch eine kleine Ausfahrt bei wunderbarem Spätsommerwetter machen und den Gaisberg mal zumindest teilweise erkunden.

Obwohl ich Zugbindung hatte (und damit eigentlich nicht mit diesem Zug fahren dürfte), sind die beiden folgenden SchaffnerInnen genau das Gegenteil von ihrem Vorgänger: sehr zuvorkommend, hilfsbereit. Lassen mich sogar bis Neustadt mit durchfahren (obwohl mein IC-Ticket nur bis Heidelberg ausgestellt ist – von dort wäre ich mit der S-Bahn heimgefahren und dafür habe ich ein Job-Ticket).

Komme gut zuhause an. Sehr schön, meine Familie wieder zu sehen. Wir erzählen noch viel.