Fra fjord til fjell

Anreise – Erster Tag

Liebe RadsportfreundInnen,

war bisher zweimal in meinem Leben in Norwegen: 1997 zum Abschluss meiner Europadurchquerung „Gibraltar – Nordkapp“ und 2003 u.a., um einen Freund (und mit ihm die wunderbare Inselwelt der Lofoten) zu besuchen und um den Tromsö-Marathon zu laufen. Beide Male war ich von Norwegen sehr angetan: für mich ist es das schönste Reiseland, das ich kenne. Als ich dann vor ein paar Jahren hörte, dass es ein Radrennen vom weltberühmten Geiranger-Fjord über 21km und knapp 1500 Höhenmeter zum Dalsnibba gibt, wollte ich dieses Rennen einmal in meinem Leben mitfahren – und dann mit einem dritten Norwegen-Aufenthalt verbinden. Nun war es so weit.

Um 4:45 Uhr Abschiedsfrühstück mit Familie in guter Stimmung. Um 5:26 Uhr geht mein Zug, kurz darauf treffe ich in Mannheim meinen Vater. Wir werden die kommenden achteinhalb Tage gemeinsam unterwegs sein. Anreise über Hamburg, Fredericia und Hoerring. Alles läuft planmäßig. Kurz vor Hirtshals treffen wir einen Reiseradler aus der Gegend von Berlin, der nun sehr autark für knapp drei Monate in Island unterwegs sein will.

In Hirtshals bekommen wir die Fähre, die uns über Nacht nach Norwegen bringen soll. Die Fähre fährt sehr ruhig, wir können gut schlafen. Mich beschäftigt die Frage, welche Anreiseform (außer mit eigener Muskelkraft) die ökologischste Variante ist.

Anreise – Zweiter Tag

Wache um 1:23 Uhr kurz auf. Es ist hell. Noch – oder schon wieder?

Das Frühstücksbüffet sagt uns sehr zu, wir nutzen es ausgiebig. Anschließend gehen wir auf das Deck und genießen die Sonne. Verschiedenste Leute sind auf einer solchen Fähre: von organisierten Reisegruppen bis hin zu Individualreisenden. Jetzt in der Vorsaison eher ältere Menschen.

Mittags kommen wir in Bergen an. Da wir über 7 Stunden Zeit haben, können wir uns ein bisschen die Stadt anschauen. Gerade heute beginnt ein Musikfestival, einige Touristen sind da. Die alte Hansestadt übt auf uns eine gewisse Faszination aus: das Meer in Verbindung mit den Möwen, im Hintergrund Berge, der schöne Hafen, die heraus geputzten Fassaden der Häuser im Stadtzentrum.

Am frühen Abend gehe ich noch ein bisschen radfahren. Auf den Hausberg „Ulriken“ gibt es keine durchgehende Straße. Ich finde andere Straßen im Süden der Stadt, wenn auch keine längere Steigung.
Abends checken wir auf der Hurtigruten ein. Es geht weiter. Auch dieses Schiff schaukelt nur wenig, wir können wieder recht gut schlafen.

Rennvorbereitung

Das Frühstücksbuffet ist noch besser als gestern – auch für Veganer gut geeignet. Neben viel Obst und Gemüse gibt es sogar Hafermilch. Natürlich auch Müsli. Auch (gutes) Brot. Nur wenig Wurst. Alles frisch. Ein Koch bereitet sogar ständig Nachschub frisch zu. Muss aufpassen, dass ich nicht zu viel esse. Treffen zwei alte Frauen, die nun für 7 Wochen durch ganz Skandinavien mit Schiff, Bahn und zu Fuß unterwegs sein werden. Bin beeindruckt von den Beiden, wie aktiv sie noch sind.

In Alesund haben wir am Vormittag eine halbe Stunde Zeit, an Land zu gehen und im Zentrum der Kleinstadt umher zu schlendern und ein wenig norwegisches Hafenflair aufzusaugen.

Auf dem Deck genießen wir anschließend wieder das herrliche Sonnensommerwetter. Immer wieder bekommen wir über Lautsprecher Informationen zur Region. Am frühen Nachmittag Einfahrt im schmalen und dadurch spektakulären Geiranger-Fjord, von dem aus hohe Berge aufragen. Wir werden in ein kleines Boot umgeladen, das uns an Land bringt. Der kleine Ort hat nur 300 echte EinwohnerInnen, aber im Sommer tausende TouristInnen aus der ganzen Welt. Wir begebene uns zu unserem etwas außerhalb gelegenen Campingplatz, wo wir eine kleine Holzhütte gemietet haben. Hier treffen wir auch Daniel Debertin, der nun knapp ein halbes Jahr in Trondheim (als Student) gelebt hat. Gestern ist er von Trondheim aufgebrochen, wird nun mit uns ein paar tage gemeinsam unterwegs sein und dann wieder nach Hause (Karlsruhe) zurück kehren.

Wie so oft fahre ich auch heute die morgige Rennstrecke mal zügig ab. Wie immer merke ich mir dabei ein paar Punkte, an denen ich mir selbst die Zerit nehme, um morgen einen Anhaltspunkt zu haben. Ich fühle mich recht gut, brauche etwas weniger als 1:11 h. Bin sicher, dass ich morgen mindestens fünf, maximal acht min. schneller fahren kann. Damit wäre ich recht weit vorne mit dabei. Oben wurde es kühl: ab 600m Höhe erste Schneereste, später zeitweise noch fast geschlossene Schneedecken am Strassenrand. Die letzten 5km sind noch einmal spürbar steiler als die Abschnitte zuvor.

Ruhiger Abend, gute Nacht.

Renntag

Frühstück. Nochmal ruhen und lesen. Zweites Frühstück, packen, vom Campingplatz auschecken, warm fahren.

Um 11:30 Uhr bereits Start der über 200 LäuferInnen. Um 12:45 Uhr folgen die RadfahrerInnen, ca. 350. Das Wetter ist wieder super: unten am Fjord geschätzte 16 – 18 Grad, die in der Sonne aber noch deutlich wärmer erscheinen. Nach oben entspnsprechend kühler.

Finde mich im Startgelände ein, verstehe von der Ansprache direkt vor dem Start fast Nichts.
Dann der Start. Wie immer ein wenig hektisch mit etwas Gerangel, wie immer für mich zu schnell. Gleich nur noch auf Platz 25 – 30. Fast ebenso schnell überhole ich aber auch wieder einen nach dem Anderen. Bald unter den ersten 15. Vorne geht nach den ersten 12 Mann ein Loch auf, ich setze nach und kann bald zu dieser Gruppe auffahren. Nach 8 min. übernehme ich zum ersten Mal die Führung. Ein Mann mit einem gelben Trikot, der schon vorher viel für die Führungsarbeit getan hat, wechselt sich nun häufig mit mir in der Führung ab. Er macht sogar noch mehr als ich. Ein Anderer im roten Trikot beteiligt sich auch ab und an, alles Anderen hängen nur im Windschatten. Wir sind schnell unterwegs. Daniel erkenne ich in einer Kehre, er liegt noch sehr gut, gar nicht weit hinter uns zurück in der ersten Verfolgergruppe.
Plötzlich werden wir von der Straße runter auf einer Schotterpiste geschickt! Was soll das? Eine Remminiszens an frühere Jahre, als eine lange Schotterstrecke zum Dalsnibba-Rennen noch dazu gehörte? Ich bin jedenfalls überrascht und verliere den Anschluss an meine noch sieben Mann umfassende Gruppe. Gott sei Dank ist das Schotterpistenstück nur wenige hundert Meter lang. Auf dem Asphalt kann ich mit etwas Mühe den Anschluss an die Spitze wieder herstellen. Es folgt ein kurzes Flachstück. Dann wieder ein längerer Anstieg. Der Fjord ist kaum noch zu erkennen. In Serpentinen geht es nun hinauf, meist wohl so um die 8%. Der Mann in Gelb und ich halten das Tempo meist ziemlich hoch. Wenn der „Rote“ die Führung übernimmt, wird es gleich langsamer. Weiß nicht, ob das Taktikspielchen sind oder ob er nicht schneller kann. Unsere Gruppe reduziert sich auf fünf, bald auf nur noch vier Fahrer. Ein Ausscheidungsrennen. Wir erreichen bald die 1000m-Marke, um uns herum viel Schnee. Die Straße ist aber komplett trocken und sehr gut zu fahren. Bevor es flach wird, ziele ich das Tempo noch einmal an, der Mann in „Rot“ muss reißen lassen. Wir sind nur noch zu Dritt – und nach wie vor schnell unterwegs. Das könnte eine 63er-Zeit werden. Nun wird es noch einmal flach, der „Gelbe“ drückt auf die Tube.

Djupvasshytta auf 1038m am noch teilgefrorenen Djupvatnet (See) läutet die finalen 4,6km mit noch 445 Hm ein. Ich fahre nun mein Tempo. Bin damit fast durchgehend in Führung. Ab und an versucht der „Gelbe“ weg zu fahren. Gelingt ihm aber nicht. Ich halte das Tempo hoch. Alle fahren wir nun sehr nah am Maximum. Die beiden Anderen scheinen aber dran zu bleiben. Gut 1 km vor dem Ziel verschärft der „Gelbe“ dann noch einmal das Tempo. Es ist nun hart für mich zu folgen. Ich versuche es. Vielleicht nur halbherzig. Bin irgendwie schon zufrieden mit dem Rennen. Kann/will (?) mich auch nicht quälen. Das Loch zum Führenden wird etwas größer, ebenso mein Vorsprung zum Dritten. Noch 500m. Es geht nun sogar leicht bergab, bevor die finalen 200 m zum Ziel wieder bergauf gehen. Der Sieg geht an den „Gelben“, er hat es auch verdient. Plötzlich kommt der Dritte von hinten „geschossen“, geht an mir vorbei. Das ärgert mich, ich merke aber, dass ich da Nichts dagegen machen kann und lasse ein wenig die Beine hängen. Gott sei Dank holt er aber – der unterwegs nie geführt hatte, den Gelben nicht mehr ein. Ein bisschen enttäuscht, dass ich im Finale nicht alles mobilisieren konnte (vielleicht auch weil ich ein dreivierteljahr kein Rennen mehr gefahren bin), komme ich in 63 1/2 min. ins Ziel. Ich bin ein gutes Rennen gefahren, ganz klar. Nur rund eine Handvoll Leute war in all den Jahren schneller als ich bei diesem traditionell gut besetzten Rennen. Letztlich eine Top-Leistung, gerade mit meinen 45 Jahren!
Plaudere ein bisschen mit dem Sieger: er heißt Oyvind, lebt und studiert noch in Oslo. War ein starker Läufer (u.a. auch norwegischer Berglaufmeister), hatte im letzten Jahr beim Laufen einige Verletzungsprobleme und fährt seitdem Bergrennen auch mit dem Rad. Das Rad, mit dem er heute gestartet ist, hat er sogar geliehen! Mit Radtechnikfirlefranz scheint er sich noch weniger als ich auzukennen! Er sagt mir, dass er sogar ein schlechtes Gewissen gehabt habe, auf dem letzten km noch einmal zu attackieren, denn ich habe davor ja lange fast alleine das Tempo gemacht. Ich versichere ihm aber, dass ich seine Aktion voll o.k. fand, zumal er über das ganze Rennen verteilt mindestens ebenso viel wie ich geführt hatte. Über den Zweiten ärgern wir uns beide ein bisschen, als ehemalige Läufer können wir ein solches Verhalten nicht verstehen. Wobei uns klar ist, dass es „legal“ ist. Oyvind hat das beste Rezept dagegen: einfach noch ein bisschen schneller fahren! Mir ist Oyvind sehr sympathisch. Ich freue mich, dass er wieder vollkommen schmerzfrei laufen kann und am Samstag auch bei den norwegischen Berglaufmeisterschaften über 7km mit 1116Hm wieder starten und auch eine Medaille holen will. Mit dem heutigen Sieg ist er sehr zufrieden, auch wenn er gerne noch etwas schneller gefahren wäre. Wobei die Beiden, die bisher noch deutlich schneller (U 61) waren, auch Profis von Kontinental-Teams waren. Wir tauschen die Mailadressen und wollen in Kontakt bleiben.

Daniel ist leider nicht ganz zufrieden: er war knapp 1:11 h unterwegs, wurde 15. und immerhin noch Zweiter in seiner AK.

Bis zur Siegerehrung fahre ich noch eine andere Route, die sogenannte „Adlerstraße“ (Ørnesvingen) von Geiranger Richtung Norden/Trollstigen – sie steigt auf 7km 624 m. Diese Strecke war mein Vater am Mittag auch schon geradelt. Zur Siegerehrung kommen wir etwas zu spät, weil wir noch in einem schönen Cafe bei einem Cappuchino sitzen. Immerhin bekomme ich noch 2000 Kronen (über 200 €) Preisgeld. Die Ergebnisse erfahren wir nun auch detailliert: <a href=“https://live.eqtiming.no/20789#contestants:57415-0-1-“ target=“_blank“>https://live.eqtiming.no/20789#contestants:57415-0-1-</a>

Einen Bericht über die folgenden Tage in Norwegen werde ich erst im Laufe des WE schreiben.

Herzliche Grüße,
Christoph

Nach der Siegerehrung

Nach der Siegerehrung des Bergrennens Geiranger – Dalsnibba starten Daniel und ich am frühen Abend mit dem Rad (und mein Vater mit dem Kleinauto von Daniel) zu unserer knapp dreitägigen Rundtour, die sich in etwa an der diesjährigen www.vikingtour.no orientiert.

Zunächst erklimmen wir noch einmal rund drei Viertel der mittäglichen Rennstrecke bis zu Djupvasshytta. Dabei plaudern wir und brauchen fast eine halbe Stunde länger als einige Stunden zuvor. Inzwischen ist es schon recht frisch geworden, die Wolken schieben sich auch häufig vor die Sonne. Kaum noch Verkehr hier oben. Dafür Schnee(reste), Berge. Wenn die Sonne diese Szenerie bestrahlt, herrscht eine für mich faszinierende Atmosphäre. Wir rollen leicht bergab Richtung Lom, bis wir bei Grotli Richtung Strynfjell abbiegen. Diese Passtraße (die nur auf  1139 m führt) stellt sich aber schnell als ein überraschend großes Hindernis für uns heraus. Sie hat noch Wintersperre und ist für Autos nicht passierbar. Mein Vater muss umdrehen und den Weg durch mehrere lange Tunnel nehmen. Daniel und ich wollen nicht durch die Tunnel fahren und versuchen, mit den Rädern die Straße doch zu passieren. Allerdings geht sie sehr schnell in eine Schotterstraße über. Ich überlege daher doch laut, ob wir nicht doch durch die Tunnel fahren sollen. Daniel will nun aber hier weiter fahren. Also versuchen wir es. Es steigt nur langsam an. Der Weg zieht sich – wie Kaugummi. Wir sind ganz allein in der Natur, das ist durchaus reizvoll. Aber Rennräder und Schotterpiste passen für mich nicht gut zusammen. Oben raus wird es immer kälter, die Schneereste immer mehr, die Schneewände am Straßenrand immer höher. Wie weit geht das noch? Gut, dass es hier in dieser Jahreszeit quasi nicht dunkel wird. So können wir notfalls auch noch mitten in der Nacht am Campingplatz ankommen. Wir sollen nur bis 22 Uhr die Schlüssel für unsere Hütte abholen, das wird mein Vater mit dem Auto auch noch schaffen. Also fahren wir immer weiter und weiter, ohne irgend einen Anhaltspunkt zu haben, wann die Passhöhe erreicht sein wird – und auch ohne sicher sein zu können, dass die Straße überhaupt befahrbar sein wird.

Irgendwann kommt – nein es ist keine Fata Morgana! – Asphalt! Herrlich! Zugleich wird die Straße ganz flach, wir scheinen oben auf der Passhöhe zu sein. Bald darauf kommen uns auch erste Autos entgegen und am Straßenrand sehen wir sogar ein Restaurant. Etwas später beginnt eine rauschende und richtig kalte Abfahrt. Meine Finger sind sehr kalt, das Bremsen fällt mir nicht leicht, ich zittere. Die Abfahrt kommt mir fast „endlos“ vor. Irgendwann ist unten der Talboden zu erkennen, so ganz langsam wird es auch milder. Durch den Umweg (der PC hatte uns vorher die Tunnelstrecke ausgerechnet) und die Schotterpiste sind wir deutlich länger unterwegs, als wir zuvor dachten. Wir haben beide inzwischen Hunger und Durst, haben aber gar Nichts mit dabei. Ich bin sogar richtig leer gefahren, sehne mich dem Tagesziel entgegen. Wir erreichen den Strynvatn, nun geht es weitgehend flach den See entlang. Die Sonne kommt sogar wieder zum Vorschein. Bald wird uns klar, dass es nicht mehr so weit zu sein scheint. Aus dieser Aussicht schöpfen wir Kraft und nicht all zu lange danach taucht plötzlich das ersehnte Campingplatzschild auf. Mein Vater hat für uns schon Essen aufgestellt. Wir duschen. Danach essen wir mit großer Freude. Noch ein schöner Tagesabschluss. Um 0:40 Uhr ins Bett, immer noch hell. Herrlich!

Abreise durch Norwegen – Erster Tag

Trotz nicht so guter Nacht brechen wir frohen Mutes nach ausgiebigem Frühstück – allerdings erst recht spät (schon nach 9:30 Uhr) – auf. Erst nach Stryn, dort laufen viele Frauen in Sportklamotten und Uniformen durch die Straßen. Irgend etwas muss hier los sein. Wir fahren aber weiter, kommen bald zum Innvikfjord. Wieder ist das Wetter sehr schön. Wir sind auf der meist flachen Strecke flott unterwegs. Ich freue mich, als es dann endlich einen 8km langen Anstieg hinauf zum Utviksfjell (630 m) gibt. Danach eine wunderbare Abfahrt nach Byrkjelo, wo wir eine sehr lange Essenspause an einem auch am Sonntag geöffneten Dorfladen machen, der auch als Restaurant und Kommunikationszentrum im Dorf (z.B. als Stammtisch für ältere Männer, hier bei Kaffee anstatt bei Bier) dient. 20km später (bei Skei) verabschieden wir uns für den Rest des Tages von meinem Vater, der mit dem Auto auf direktem Weg zu unserem Tagesziel bei Sogndal vorfährt. Uns sind auf dieser Strecke viel zu viele Tunnels, daher bleiben wir erst einmal weiterhin auf der in diesem Abschnitt (Jolstravatn) viel befahrenen E 39. Es beginnt leicht zu regnen, die Straße wird zum ersten Mal für uns in Norwegen nass. Gleichzeitig beginnt der Anstieg zum 543 m hohen Haukefjell. Schöne Abfahrt. Unten am See wieder schöne Wildblumen, ebenso bunt wie die kleinen Holzhäuser in den kleinen Weilern, die wir durchfahren. Wenig Verkehr. Es läuft gut bei uns. Wie es aussieht, können wir heute Abend sogar noch einen Teil des EM-Spiels Ukraine – D sehen… – der Regen hat auch wieder aufgehört, ab und an kommt sogar schon wieder die Sonne raus. Es folgt bereits der sehr wellige Anstieg zum 748 m hohen Gaularfjell, das uns in winterlicher Atmosphäre mit überraschend viel Schnee begrüßt. Unterwegs beeindruckende Wasserfälle und Seen, kaum Menschen und noch weniger Autos. Spektakuläre, serpentinenreiche Abfahrt hinunter Richtung Sognefjord. In Dragsvik erreichen wir passgenau die kleine Fähre, die uns über den Fjord nach Hella bringt. Sonntags ist die Fähre für Personen mit Rädern sogar kostenfrei! Von hier geht es weitgehend mit Rückenwind die letzten knapp 40km zu unserem Tagesziel bei Sogndal am Fjord in welligem Terrain entlang. Auffallend der Obstanbau. Tatsächlich ist es auch heute und hier wieder sehr mild. Auch scheint uns die Sonne wieder auf die Haut, ich habe bereits leichte Anzeichen eines kleinen Sonnenbrandes. In Deutschland soll es dagegen weiterhin fast nur regnen – und kaum die Sonne scheinen.

Als wir unsere Hütte nach rund 245 Tages-km erreichen, hat mein Vater, der am Nachmittag noch eine sehr schöne Naturtour gemacht hat, schon wieder gekocht. Nach dem Essen schauen wir uns am Campingplatz tatsächlich noch die 2. Hälfte des EM-Spiels Ukraine- D an und sehen (wohl als einige von recht wenigen Deutschen noch in totaler Helligkeit) das finale 2:0 durch den übergewichtig erscheinenden „Schweini“.

Müde ins Bett. Auch die erste Schnake dieser Tage kann mich nicht am tiefen Schlaf stören.

Abreise durch Norwegen – Zweiter Tag

Daniel macht heute (wie vor der Tour schon abgesprochen) ein Alternativprogramm. Nach knapp 30km kommen wir direkt an der Strecke vorbei, an der am Samstag Oyvind eine Medaille bei den norwegischen Berglaufmeisterschaften gewinnen will. Die Strecke ist 7km lang und überwindet 1116 Hm. Daniel läuft sie am Vormittag ab. Mit Hilfe von aufwendigem Umpacken können Daniel und mein Vater heute gemeinsam im Auto Platz finden. Ich radle. Bald hinter Sogndal schon ein bisschen bergauf zum Hafslovatn. Von hier wieder eine Abfahrt zum Fjord, wo ich meinen Vater treffe (der gerade darauf wartet, dass Daniel von seinem Berglauf zurück kommt). Nach einer gemeinsamen Pause fahre ich weiter am Lustrafjord, in dem sich wie in so manchem Fjord der vergangenen Tage die Berge, Wolken und Bäume so wunderbar spiegeln.

Freue mich, nun die höchste Passtrasse Norwegens fahren zu können: von Fortun hinauf zum Sognefjell (1434 m). Auf den ersten 15km sind etliche steile Passagen, so dass auf diesem Abschnitt allein schon rund 1200 Hm überwunden werden. Unten ist es bei starker Sonneneinstrahlung noch sehr warm, nach oben wird es immer kühler. Auch die Landschaft ändert sich massiv: die Berge werden immer höher, es gibt immer mehr Schnee, bis ich fast in einer tundrahaften Schneelandschaft fahre. Es ziehen Wolken auf, die fast genau die Farbe des Schnees zu haben scheinen. Der Anstieg wird immer unrythmischer, enthält sogar zunehmend Abfahrten. Oben am Fjell treffen wir Drei uns alle wieder. Daniel dreht nun etliche Runden auf der immer noch präperierten Langlaufloipe. Einige der besten SkilangläuferInnen und BiathletInnen verbringen hier den Sommer. Aktuell sind Nationalteams aus Österreich und Norwegen da. Sie trainieren so viel, dass ihnen vom hiesigen Hotel 5 (!) Mahlzeiten zur Verfügung gestellt werden. Ich beteilige mich an der anstehenden Mahlzeit Nr. 4 – am Nachmittag (15 – 15:30 Uhr). Den norwegischen Spezialnationalkäse (Brunkost) habe ich noch in so guter Erinnerung, dass ich von meinem vegan leben eine Ausnahme mache und viel von dem Käse mit dem hier üblichen Brot esse. Mit vollem Bauch fahre ich vom Sognefjell nun Richtung Norden bergab. Die Abfahrt gefällt mir, nach knapp 10km drehe ich um und fahre noch einmal hinauf zum Sognefjell. Dann endgültig hinab bis Boverdal, wo ich mir gerne die Stabkirche angeschaut hätte. Leider ist sie abgeschlossen. Dennoch steht noch ein Tageshighlight an: von hier geht es auf knapp 14 km rund 1300 Hm bis zu Juvasshytta (1851m) hinauf. Dies ist die höchstgelegene Straße ganz Nordeuropas und liegt direkt unterhalb des höchsten Berges Norwegens, dem Galdhopinggen (2469m). Der Anstieg ist von Anfang an hart, zumal er nicht ganz gleichmäßig steil ist. Flachere Passagen wechseln mit richtig steilen Abschnitten von geschätzt bis zu 16 %. Nach 5km kommt der Campingplatz (Raubergstulen), auf dem wir heute übernachten. Ich lasse ihn aber erst einmal links liegen und fahre weiter, ab hier auf einer für Autos mautpflichtigen Straße. Der Anstieg fordert mich sehr. Es wird immer kühler, auch immer bewölkter. Die steilen Rampen kosten mich große Anstrengung. Überlege sogar kurz, ob ich vor der Passhöhe umdrehe. Aber just in diesem Moment kommt ein flacherer Abschnitt – ich fahre weiter. Und nun ist klar: bis oben! Wieder Schnee oben. Auch ein Sommerskizentrum. Ich ziehe alle Klamotten, die ich dabei habe, an – und fahre hinab. Muss dabei viel bremsen. Der Straßenbelag ist aber überraschend gut. Komme noch vor meinem Vater und Daniel (der 50km Ski-LL gemacht hat) am Campingplatz an. Schöne Hütte. Gedämpfter Abend. Traurig: ab morgen ist das Mitternachtssommergefühl vorbei…

Ankunft an der Fähre

Nach recht kurzer Nacht und einem letzten Frühstück in Norwegen starten wir recht früh. es ist noch recht frisch. Ab Lom meist am See und ab und an am Fluss Otta entlang. Schon fast eine Stunde vor der Abfahrt unseres Zuges (11:32) erreichen wir Otta. Kaufe noch Lebensmittel ein. Daniel fährt nun mit dem Auto nach Oslo (will am Holmenkollen noch einige Rollerskirunden drehen), mein Vater und ich fahren mit dem Zug nach Oslo. In Oslo laufen wir ein bisschen durch die Stadt, bekommen miteinander Stress, weil wir unterschiedliche Vorstellungen von einem geeigneten Cafe haben.

Abends Fähre nach Frederikshavn. Dabei sehr schöne Gespräche, mit denen wir u.a. auch den nachmittäglichen Dissens wieder bereinigen können.

Wieder zurück in Deutschland

Nochmal ein Frühstück auf der Fähre. Dabei treffen wir auch noch einmal Daniel. Ankunft im recht trüben Frederikshavn. Endgültige Verabschiedung von Daniel. Noch hat fast alles (Geschäfte, aber auch Museen) zu. Der lutherischen Stadtkirche statten wir noch einen Besuch ab und gehen durch die Innenstadt. Weiter mit dem Zug über Fredericia bis Bramming. Dort steige ich auf das Rad, während mein Vater mit dem Zug nach Niebüll vorfährt. Ich verfahre mich, komme dann aber durch die reizvoll wirkende Innenstadt von Ribe mit alten Backsteinhäusern. Ab und an regnet es leicht. Ich mache noch einen kleinen Abstecher auf die Insel Romo, die Straße dorthin führt über eine ganz schmale Landzunge. Danach fahre ich durch kaum besiedelte Regionen. Dennoch fallen mir neben sehr vielen Windrädern (z.T. große Windparks) auch einige große Mastbetriebe auf.

Am Abend treffe ich in Niebüll ein, wir sind mit einem Cousin meines Vaters und dessen aus Dänemark stammender Frau verabredet. Die beiden Cousins haben immer mal wieder voneinander gehört, sich aber noch nie getroffen. Es wird ein sehr herzlicher und schöner Abend, wozu v.a. unsere sehr aufmerksamen Gatsgebenden beitragen. In der anliegenden „Ferienwohnung Fuhrbach“ dürfen wir übernachten.

Zurück daheim

Um 5:30 Uhr sind wir schon wieder zum Frühstück verabredet. Erneut sehr schön.

Um 6:50 Uhr sitze ich schon wieder auf dem Rad, mein Vater bleibt noch in Niebüll und besucht u.a. noch das Grab seines Onkels. Ich fahre via Husum und Itzehoe (Pause in einem tollen Bioladen mit vielen Erdbeeren, Hafermilch und zwei Nussecken) nach Hamburg zum dortigen Hauptbahnhof. Bin bereits eine Stunde vor Abfahrt des Zuges da und mache es mir in der DB-Lounge bei einigen Kaba und Wasser gemütlich.

Ab Hamburg gemeinsame Heimfahrt mit meinem Vater via Heidelberg bis Mannheim. Dann alleine heim. Schön, wieder zu Hause zu sein.

Mein nächstes Rennen wird am 2. Juli der La Marmotte-Radmarathon über 174km mit 5000 Hm sein (www.sportcommunication.com).