Karlobag – Rijeka – Vojak – Trieste – Udine

Frühstücke ausgiebig und starte bald nach Sonnenaufgang (6:25 Uhr).

Die Straße wird nun deutlich hügeliger. Noch sehr wenig Verkehr. Macht richtig Freude. Zumal auch heute wieder mild und sonnig. Merke, dass mein Hinterrad nicht mehr ganz rund läuft. Die Schaltprobleme sind noch die selben wie seit Beginn der Tour, damit habe ich mich aber längst arrangiert. Plötzlich vor Senj heftige (Fall-?)Winde von den im Osten liegenden Bergen. Manchmal kommt der Sturm von vorne (dann bleibe ich fast stehen), manchmal kommt er von hinten, dann rollt es (selbst bergauf) fast von alleine. Dieser extreme Wind begleitet mich auch auf meiner Pause am wunderbar gelegenen Hafen in Senj.

Der Verkehr nimmt nun spürbar zu, der Wind dafür ebenso deutlich wieder ab. Die Berge sind nun nach dem Ende des Velebit-NP nicht mehr so spektakulär. Bestaune die Brücke, die vom Festland auf die Insel Krk führt. Zugleich gibt es nun eine Autobahn nach Rijeka. So ist die Bundestraße nicht mehr so befahren. Pause im Zentrum von Rijeka. Erschrecke, als ich sehe, dass mir zwei Speichen gebrochen sind, das ist mir zum ersten Mal seit 17 Jahren passiert! Durch die gestrige Schotterstraße? Fahre daher am Bahnhof in Rijeka vorbei: am Abend gäbe es auch von hier einen Zug nach München. Will aber noch weiter, über Opatija (ehemaliger Kurort, immer noch sehr touristisch) nach Icici, wo meine Familie in absehbarer Zeit vielleicht mal Urlaub machen will. Sehe etliche Ferienwohnungen – und einen Strand. Und finde schnell den gut  zu fahrenden Anstieg zum Vojak, dem mit 1401 m höchsten Berg Istriens. Unten recht gleichmäßig und nie zu steil, ab der Mitte dann mit einigen Rampen (und Flachstücken) zum Poklon (950m) – bei sehr wenig Verkehr (weil großer Tunnel für den Fernverkehr), dann auf einer Stichstraße durch den Wald mit z.T. tollen Ausblicken auf die Kvarner Bucht (und auf der anderen Seite sogar bis Trieste?) hinauf zum Vojak. Es ist frisch, fahre schnell ab. Einige Gegenanstiege. Brauche etwas zu essen. Kaufe mit meinem letzten kroatischen Geld noch 2 Brote und drei Äpfel. Gestärkt auf die letzten 60km. Das Hinterrad scheint so weit zu halten, jedenfalls ist bisher keine weiter Speiche gerissen. Bald wird es dunkel, Trieste ist aber schon angeschrieben. Dann Grenze nach Slowenien. Muss Licht einschalten. Kühl. Hügelig. Mondlicht. Trieste ist nicht mehr ausgeschildert, nur noch Koper, die slowenische Küstenstadt. Verpasse so auch meinen Abzweig. Erst kurz vor dem Stadtrand Kopers finde ich noch eine Straße, die via Skofije nach Trieste führt. Zwischen Slowenien und Italien keine Grenze mehr zu erkennen, ich bin eindeutig wieder im Schengen-Raum. Abfahrt nach Trieste. Bin froh, dass alles gut (sehr) geklappt hat. Ins Zentrum geht es nur über eine Autobahn. Versuche diese weiträumig zu umfahren, stoße aber immer wieder auf diese Autobahn. Irgendwann ist es mir zu bunt und ich fahre über die Autobahn. Eine Hochstraße, die jener in Ludwigshafen etwas ähnelt. Komme ins Zentrum. Riesiger Hafen. Aber wo ist der Hauptbahnhof? Verliere dessen Ausschilderung. Irre umher. Finde ihn mit Hilfe Einheimischer dann doch. Geschafft! Würde gerne zuhause anrufen. Aber alle Cafes sind schon geschlossen, obwohl noch vor 20 Uhr. Der Bahnhof wirkt eher wie ein Flughafen. Ein Lebensmittelgeschäft hat noch offen, decke mich dort ein. Fahre mit dem Regionalzug nach Udine. Auch der dortige Bahnhof ist wie ausgestorben. Ich wasche mich an einem Wasserhahn notdürftig. Mein Nachtzug nach München hat Verspätung. Erst werden 20 min. angezeigt. Dies weitet sich aus bis es am Ende 75 min. werden. Manche (deutsche) Touristen sind verzweifelt. Es ist kühl. Um Mitternacht fährt der Zug ein. Aber weder mein Liegewagen noch das Radabteil hängen an der Lok. Von der Schaffnerin bekomme ich die Info, dass „die Deutschen“ (wohl die DB) schon seit zwei Monaten weder den Liegen- noch den Radwaggon schicken würden. Was soll ich nun tun? Der Liegewagen der ÖBB ist völlig überbucht, ich könne mich aber noch hinsetzen. Für mein Rad weiß die Schaffnerin keine Lösung, ich stelle es in den allerletzten Waggon und versuche es mit Hilfe einer meiner beiden Satteltaschen sicher zu positionieren, so dass es nicht umfällt. Die Schaffnerin rät mir noch, mein Rad nicht aus dem Blick zu lassen, damit es nicht gestohlen wird. Ich bin aber zu müde. Sehe ein Abteil, in dem ein mittelalter Afrikaner es sich gemütlich gemacht hat (3 Sitze ausgezogen und darauf gelegt). Ich frage ihn, ob ich die anderen drei Sitze verwenden darf. „Ja!“ – prima! Erkundige mich noch bei einem Schaffner, dass ich nun wohl schon in Salzburg aus- und umsteigen muss („stimmt!“), wann wir in Salzburg ankommen („holen den Rückstand sicher wieder auf, also um 4:09 Uhr“), wann der Zug in Salzburg dann nach Wien weiter fährt („4:45 Uhr“) – habe also viel Zeit beim Umsteigen in Salzburg) und wann ich eine Zugverbindung nach München bekomme („auch um 4:45 Uhr“ – ja, ich würde meinen Anschlusszug in München um 6:46 Uhr noch bekommen). Stelle von daher den Wecker auf 4:30 Uhr und schlafe tatsächlich für rund drei Stunden ein.