Mostar – Medugorje – Sveti Jure – Split

Ich starte über Mostar. Dort gibt es auf einer Umleitungsstraße den holprigsten Abschnitt meiner bisherigen Reise. Daher verliere ich in diesem Abschnitt mehrfach meine Satteltaschen (obwohl Ortlieb-System und obwohl ich langsam gefahren bin). Ansonsten aber war ich bisher auch über die Qualität des Asphalts und im übrigen auch über das rücksichtsvolle Fahren der anderen Verkehrsteilnehmenden positiv überrascht.

Das Wetter ist super: schon am Morgen 12 Grad mild uns sonnig, ich fahre zum ersten Mal seit Wochen in kurzen Hosen.

Nach Mostar ein erster Pass Richtung Südwesten. Anschließend wellig, z.T. durch Weinbaugebiete – bis Medugorje. Dies war bis 1981 ein unscheinbarer Ort in der Herzegowina. Dann soll Maria, die Mutter Jesu, einigen Kindern an 7 aufeinander folgenden Tagen erschienen sein. Dies ist bis heute auch innerhalb der kath. Kirche umstritten. Der Pilgerort ist insofern auch bis heute nicht offiziell anerkannt. Dennoch strömen jährlich viele tausende Gläubige hierher. Ich besuche die Wallfahrtskirche, in der gerade ein gut besuchter Gottesdienst stattfindet. Der Priester spricht v.a. von der unbegrenzten Liebe Gottes zu allen Menschen. Seine auf englisch gehaltene Predigt wird auch rund um die Kirche über Lautsprecher übertragen. Im Dorf und außerhalb davon sehe ich viele Souvenirläden, Pensionen, Hotels und Cafes. Auch Ordensgemeinschaften in Klöstern. Viele Reisebusse. Anscheinend eine Mischung aus Touristen und Pilgernden. Auf jeden Fall ist hier viel los, hat sich das Dorf komplett verändert.

Von hier fahre ich nun nach Westen, bald nach Nordwesten, endgültig Richtung Heimat. Ich komme an die Grenze zu Kroatien. Beim Verlassen von BiH denke ich wie schon häufig in den letzten Tagen daran, dass Deutschland BiH (neben Serbien und Mazedonien) 2014 als „sicheres Herkunftsland“ eingestuft hat, was bedeutet, dass Flüchtlinge aus diesen Ländern bei uns fast keine Chance auf einen erfolgreichen Asylantrag haben. Nach all den Eindrücken in dieser Woche kann ich dieser Einschätzung der Bundesregierung nicht folgen.

In Kroatien nimmt der Verkehr sofort deutlich ab (vermutlich weil es nun fast parallel eine Autobahn gibt). Das Terrain ist wellig, tendentiell mehr ansteigend. Plötzlich wird der Blick von den Bergen frei gegeben auf die Adria – grandios. Ich setzte mich an den Straßenrand und genieße bei einer Mahlzeit den Blick steil hinuter zu ein paar Küstendörfern (wohl Drasnice + Podgora) sowie auf die vorgelagerten Inseln Hvar und Brac.

Ein paar km weiter im Norden beginnt die 23 km lange Sackgasse (mit noch rund 1400 Hm) zum höchsten befahrbaren Berg der ganzen Region, dem Sveti Jure („Heiliger Georg“; 1762 m) im Biokovo-NP. Die Straße ist recht eng, aber in dieser Jahreszeit offenbar nur noch wenig befahren. Die im Sommer fällige Maut muss nun nicht mehr entrichtet werden. Ich nutze die Realität der Sackgasse, dass ich unten meine beiden Satteltaschen abmache und mal ohne Gepäck fahre – was ich sehr genieße. Meine Reisegruppe startet just in dem Moment (13:05 Uhr) in Sarajevo (falls der Flug planmäßig ist). Es ist warm, ich komme zum ersten Mal seit Wochen ins Schwitzen. Zunächst geht es recht gleichmäßig (rund 7%) bergan, später deutlich unregelmäßiger, ganz flache oder gar bergab führende Passagen wechseln mit steilen Anstiegen. Die (wieder sehr verkarstete) Landschaft mit ihren hohen Bergen begeistert mich. Oben ziehen Wolken auf, es wird empfindlich kühl. Die letzten 3 km steigt es recht stark an. Planmäßig kommen meine KollegInnen um 14:30 Uhr in München an, just zu dieser Zeit erreiche ich den Gipfel. Genieße kurz den Ausblick, fahre dann direkt ab. Unten wird es wieder mild und sonnig – war ein toller Abstecher.

Komme nach Makarska, kaufe noch ein paar Lebensmittel ein. Fahre nun an der Adria entlang. Immer mal wieder kleinere Häfen. Kurz vor Split wird es wieder dunkel. Über eine große Einfallstraße finde ich dennoch gut in die Innenstadt. Das im Vorfeld gebuchte kleine Appartment finde ich – trotz Nachfragen bei einigen Einheimischen lange nicht. Ich umkreise es mehrfach, irgendwann kann ich es endlich auch finden. Nach dem Abendessen schlendere ich durch die Alstadtgassen mit ihren teils sehr noblen Geschäften. Geschäftiges Treiben. Am Hafen läuft gerade eine große Fähre aus. Meine Reisegruppe sollte nun in der Pfalz angekommen sein.

Mein Nachbar hat wohl einen massiven Ohrenschaden: sein TV ist so laut, dass ich mehrfach davon aufwache.