Ruanda – 27.11.2013

Wache früh auf. Gehe eine Stunde joggen, Hügel hoch und wieder runter. Komme am Flughafen in Kamenge vorbei. Sehe im Kontrast dazu viele Menschen zu Fuß zur Arbeit gehen. Oft über kleine Pfade. Heute scheint die Sonne, im Morgenlicht leuchten die satten Rot- und Grüntöne besonders stark.

Danach noch ein schöner Gottesdienst, den nunser Jugendpfarrer Andreas Sturm gemeinsam mit uns schön gestaltet.

Wir holen unseren Partnerbischof ab, der zeimlich gestresst ist: sein Nachbarbischof aus Butare war bei ihm zu Gast, ebenso noch eine Gruppe von „Caritas France“. Bischof Bimenyimana lebt mit sieben Preistern seines Bistums gemeinsam im Bischofshaus. Wir können noch mit den Leitern der Caritas und von „Justice and Paix“ sprechen.

Dann fahren wir nach Mibirizi, 25km südlich von Cyangugu, nicht weit von der burundischen Grenze entfernt. Die letzten 10km  geht es wieder über eine Piste. Für diese 10km brauchen wir über eine halbe Stunde. Mit dem Rad wäre ich schneller gewesen, zu Fuß – wenn ich mich angestrengt hätte – hätte ich nebenher laufen können…

In Mibirizi besuchen wir das einzige Krankenhaus in der ganzen Gegend. Das nächstgelegene innerhalb Rwandas sei das in Gikongoro, gut 100km weiter östlich. Der Leiter des Krankenhauses berichtet uns daher, dass Kranke oft zwei Tage (und mehr!) Anreise hätten und dass sie diese eben oft selbst zu Fuß gehen müssten!

Das Gesundheitssystem ist dreigliedrig: in fast jedem Ort gibt es „Dispensaire“, in dem „Erste-Hilfe-Dinge“ zu bekommen sind. An zentral gelegenen Orten gibt es „Centre de Sante“ und in der ganzen Region Ruzizi ein „Hopital“, eben hier in Mibirizi. Im Krankenhaus arbeiten insgesamt 131 Menschen, darunter 8 ÄrztInnen. Wir bekommen alles gezeigt: von der Aufnahme über die Verwaltungen, die einzelnen medizinischen Abteilungen (besonders groß sind die Geburtenstationen, daneben Innere und Chirugie), einem Raum für Verstorbene, der Wäscherei, Kapelle bis hin zur Küche. Die Angehörigen kümmern sich auch hier wie in weiten Teilen auf unserer Erde um ihre kranken Familienmitglieder. Inzwischen brauchen sie nicht mehr selbst zu kochen, aber sie holen das Essen an der Ausgabestelle ab. Sie besorgen die Medikamente und eben alles, was das kranke Familienmiktglied braucht.

Wir sind positiv überrascht, in welch gutem und offenbar auch gut organisierten Zustand das Krankenhaus ist. Gabriele Stellmann, die Krankenschwester unserer Gruppe, ist von Deutschland aber doch noch einen anderen Standard gewohnt.

Wir besuchen noch die riesige Pfarrkirche, die jeden Sonntag mit 3000 Gläubigen ganz voll sei. Manche Leute kommen dann bis zu 20km in 4 h (einfach!) zu Fuß hierher!

Im Pfarrhaus bekommen wir ein gewohnt gutes Mittagessen. Im Hintergrund läuft ein Champions-League-Fußballspiel, wir erfahren, dass Dortmund gegen Arsenal 3:1 gewonnen hat.

Anschließend besuchen wir die „Ecole technique“, eine Art Berufsschule. Cornelia Large-Neu von der Berufsbildenden Schule Frankenthal hat sich unserer Reisegruppe angeschlossen. Die beiden Schulen haben in diesem Jahr eine Partnerschaftserklärung unterschrieben. Cornelia Large-Neu ist nun als erste Vertreterin ihrer Schule hier vor Ort. Sie war nun schon zwei Tage hier und hat viel mit dem hiesigen Schulleiter und Pfarrer gesprochen und überlegt, was in Zukunft die ersten sinnvollen Schritte für ein gemeinsames Tun sein könnten.

Die SchülerInnen kommen nach 9 Jahren allgemeinbildener Schule für drei Jahre hierher. Sie leben dann auch hier (boarding school). Die SchülerInnen können sich hier unter zwei Richtungen entscheiden: „Electronics“ bzw. „Constructeur“. Im letzten Schuljahr waren 272 SchülerInnen da, nach den gerade laufenden Ferien sollen ab januar rund 400 SchülerInnen hier sein. Dafür werden gerade neue Schal- und Klassenräume gebaut. Dies machen 20 SchülerInnen, die kein Praktikumsplatz erhalten hatten, unter Anleitung von ein paar Lehrkräften.

Die Schule ist herrlich gelegen, von hohen Bergen umgeben. Alles ist grün, viel kann angebaut werden. Die Schule hat auch eine kleine Schweinemast.

Auf dem Heimweg machen wir spontan noch einen Abstecher bei den Karmelitinnen in Cyangugu. Ich hatte Bischof Bimenyimana berichtet, dass ich noch eine Kerze von den Karmelitinnen in Speyer dabei habe. Die Schwestern sind sehr gastfreundlich. Besuche und Gespräche mit Menschen von außerhalb des Klosters sind für sie so besonders, dass sie uns sehr bewusst empfangen. Schon bei der Begrüßung spüre ich, wie präsent jede einzelne Schwester ist. Sie hören auch ganz aktiv zu. Sie bieten und auch ihren selbst gemachten Avokado-Likör an. Sie freuen sich über das Geschenk aus Speyer – und geben uns im Gegenzug zwei Flaschen Avokado und Ananas-Likör für ihre Mitschwerstern in Speyer mit.

Anschließend besuchen wir noch kurz das Caritas- sowie das „Justice & Paix“-Zentrum, das wunderbar am Kivu-See gelegen ist. Hier treffen wir auch die Gruppe von „Caritas France“.

Ich hole noch das MTB von Uwe Mayer ab, das die letzten beiden Tage im Bischofshaus stand. Leider ist der hintere Reifen platt, so dass ich morgen nicht zurück radeln kann. Gerade noch rechtzeitig vor einem heftigen Gewitter komme ich im Diözesanzentrum an. Beim folgenden Abendessen schmieden Bischof Bimenyimana und wir schon erste Pläne für dessen Gegenbesuch Ende Juni/Anfang Juli 2014.