Sarajevo – Mostar

Frühstücke heute gestern auf dem Markt gekaufte Lebensmittel. Denn ich starte noch kurz vor dem Frühstück der Anderen, da heute der Ortswechsel nach Mostar (115 km) ansteht. Schön, mal wieder radfahren zu können! Wieder etwas mühsam aus der Stadt zu kommen. Nutze heute aber recht konsequent den Radweg. Komme ausgangs der Stadt allerdings wieder auf die Autobahn. Es ist – wie in den letzten Tagen auch – kühl. Aber trocken! Außerhalb wird der Verkehr bald deutlich ruhiger. Es steigt erst schwach, dann etwas steiler auf einen gut 900 m hohen Pass. Nach der Abfahrt wird es milder. Ich habe nun auch noch spürbaren Rückenwind, rolle fast von alleine. Zwischendrin überholt mich der Bus unserer Reisegruppe. Freudiges Winken. Bald danach machen die KollegInnen eine Kaffeepause und wir treffen/unterhalten uns. Um die Mittagszeit bin ich bereits in Potocci (9km nördlich von Mostar), an unserem „Haus Emmaus“ – in dem wir nun noch zwei Tage untergebracht sein werden. Es gibt direkt Mittagessen. Der Direktor sitzt neben mir, will mir ein großes Stück Fleisch geben. Ich sage, dass ich „Vegetarier“ bin. Er erscheint mir zunächst etwas erstaut, lässt dann aber sofort alles stehen (obwohl ich ihm sage, dass ich keine Umstände machen möchte und genug zu essen auf dem Tisch finde – es gibt viel und noch ganz frisch aussehenden Salat, Gemüse und Obst) und geht in die Küche. Nur wenige min. später habe ich einen eigenen vegetarischen Teller.

Anschließend fahren wir in die Stadt Mostar, zur diözesanen Caritas. Wir besuchen v.a. die Einrichtungen für behinderte Menschen. Wir hören, dass Behinderung vor noch nicht langer Zeit hier als etwas ganz Schwieriges galt, das man verbergen müsse/solle. Das habe sich durch die offene Arbeit der Caritas in und um Mostar inzwischen deutlich geändert. Alle Behinderten sollen entsprechend ihrer Möglichkeiten etwas tun können, was sie auch selbst als sinnstiftend erfahren. So arbeiten die Meisten in verschiedenen Werkstätten.

Die Fachkräfte, welche die Behinderten betreuen, leisten sehr anspruchsvolle Arbeit. Weil sie aber in Europa sehr gesucht sind und dort auch deutlich mehr verdienen, wandern auch sie oft ab.

Anschließend besuchen wir die historische Altstadt. Zum ersten Mal auf dieser Reise sehe ich viele TouristInnen. Wir gehen über die berühmte Brücke, die im Krieg gesprengt, inzwischen aber wieder aufgebaut wurde. Im Sommer springen hier junge Männer für wenig Geld von der Brücke in den 20 m tiefer liegenden Fluss.

Wir besuchen eine Moschee und besteigen über eine enge und dunkle Treppe das Minarett, von dem aus wir eine grandiose Aussicht über die Altstadt und auf die nahen Berge haben. Anschließend trinken wir in einem türkischen Cafe einen Kaffe bzw. Tee (caj). Zum Abschluss statten wir noch der großen Franziskanerkirche einen Besuch ab – und sind über die vielen Gläubigen überrascht, die sich kurz vor Gottesdienstbeginn bereits in der Kirche eingefunden haben.

Beim Abendessen sitze ich neben der stellvertretenden Leiterin der Caritas, die als Germanistik-Studentin auch ein Semester in Greifswald studiert hat – und mir von den von ihr empfundenen Unterschieden zwischen dem damaligen Jugoslawien und der ehemailigen DDR erzählt.