Split – Karlobag

Weiß nicht genau, ob die Uhr auch hier in Kroatien umgestellt wurde. Aber ich halte mich ohnehin an die gut zehn Stunden Tageslicht. Bald nach Tagesbeginn (7:30 oder doch auch 6:30 Uhr) starte ich. Komme deutlich ruhiger aus der Stadt als gestern hinein. Will dann aber nicht an der Küste bleiben, sondern relativ genau Richtung Norden über das (hügelige) Land fahren und erst in rund 160km wieder ans Wasser kommen. Verfahre mich aber leider und finde nicht den Anstieg nach Klis. Komme viel zu weit in den Osten, später sogar Südosten. Drehe um. Bin leicht frustriert, denn schon jetzt ist mir klar, dass ich wieder in die Dunkelheit kommen werde. Mache eine Pause. Danach geht es mir besser. Nun wird es mir auch wieder wärmer. Kaufe mir bald in Drnis ein großes Weißbrot und in Erinnerung an die Partner in Mostar „Eurocreme“. Dazu ein Liter Hafermilch. Danach komme ich wieder richtig in Fahrt. Am Rande des NP Krka durchfahre ich kurz eine schöne Schlucht. Bald darauf kommt eine Gabelung. Ich entscheide mich für „links“ (Südwesten). Biege wenige km später nach „rechts“ (nach Nordwesten) ab: eine ganz kleine (aber immerhin brauchbar asphaltierte) Straße Richtung Nordwesten. Hier herrscht Landleben pur: nur ab und an ein Haus, vereinzelt Schafe. Totale Ruhe. Aber keine Ortsschilder mehr. Bald kommt wieder eine Gabelung, diesmal gänzlich ohne Wegweiser. Keine der beiden Richtungen erscheint mir passend. Da ich glaube, dass ich ein bisschen zu weit im Osten bin, biege ich Richtung Westen ab. Aber es kommt und kommt keine weitere Abzweigung Richtung Norden. Nach einigen km drehe ich also wieder um. Fahre dann noch weiter nach Osten. Bin so froh, dass die Sonne scheint und ich mich an ihr orientieren kann. Ohne sie wäre ich nun ziemlich aufgeschmissen. Bin dann zusätzlich sehr erleichtert, als ich endlich eine Ortschaft erreiche, die zudem auf meiner Karte verzeichnet ist: Ervenik! Aber der nächste Schreck folgt direkt: nur eine Richtung ist von hier aus für mich passend, jene nach Nordwesten. Aber genau diese Straße ist geschottert (obwohl sie als recht große Straße auf meiner Karte verzeichnet ist). Manchmal ist sie noch recht gut zu fahren, sofern ich alle Schlaglöcher umfahre. Da aber fast gar kein Verkehr auf dieser Straße ist, kann ich die Schlaglöcher fast immer umfahren. Bei Gefällstrecken aber ist der Schotter sehr grob, dann muss ich auf Schrittgeschwindigkeit reduzieren. Erinnerungen an Tibet werden wach. Wie weit geht diese Schotterstraße denn noch? So plötzlich die Schotterpiste kam, so plötzlich wird sie von einer wunderbaren Asphaltstraße in Kastel Zegarski beendet. Ich bin glücklich. Genieße die gute Straße nun umso mehr. Überwinde noch einige Anstiege und freue mich über die Abfahrten. Kurze Pause in Obrovac: auftanken meiner Energiereserven. Komme wieder an die Adria, genauer an den Velebit-Kanal. Mehr Verkehr. Aber nur vorübergehend. Touristensaison erkennbar vorbei. Sieht hier auf seine Art teilweise ein bisschen wie ein Skiort im Sommer aus. Recht flach, fahre flott. Alle Buchten werden ausgefahren. Will möglichst weit bis zur Dunkelheit kommen. Das gelingt mir auch. Erst 12 km vor meinem Tagesziel Karlobag schalte ich mein Licht ein. Nun wieder mehr Steigungen. Kaum Verkehr. Wunderbares Mondlicht im Rücken. Traumhafte Szenerie mit den hohen Bergen zu meiner rechten und dem Wasser mit der vorgelagerten Insel Prag zu meiner linken. Einfahrt in Karlobag. Ein Lebensmittelgeschäft hat immer noch geöffnet. Erfahre, dass die Uhr auch hier umgestellt wurde, es ist noch kurz vor 18 Uhr. Suche lange meine Unterkunft – obwohl das Dorf klein und ich einen  Stadtplan dabei habe, kann ich nicht einmal die Straße finden. Auch Einheimische inklusive der örtlichen Polizei können

mir nicht wirklich weiter helfen. So suche ich nach einer knappen Stunde eine neue Unterkunft. Das erste Hotel ist mir zu teuer (290 Kuna), denn ich habe nun den Ehrgeiz entwickelt, die drei Tage und 2 Nächte in Kroatien mit den noch von einem Reisekollegen gewechslten 100 € (770 Kuna) bestreiten zu koennen. Eine nächste Pension (260 Kn) ist mir auch etwas zu teuer. Ich erkläre, dass ich nur noch 240 Kn habe und morgen noch 20 Kn für Lebensmittel brauche. Sie fragt bei ihrem Chef nach, ich kann auch für 220 Kn übernachten. Das Zimmer ist runter gekommen und verraucht. Aber ich bin froh, dass ich überhaupt unter gekommen bin.