Touristische Eindrücke in der Herzegowina

Morgens gehe ich mit dem Sonnenaufgang rund 10km joggen. Wunderbare (Berg-)Landschaft.

Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Bus eine dreiviertel Stunde Richtung Süden (Caplijina; nahe der kroatischen Grenze). Zunächst erleben wir in der Stadt das Erntedankfest: viele Menschen sind auf dem zentralen Platz. Kinder haben schulfrei und verkaufen Obst und Gemüse sowie selbst Gebackenes.

Wir besuchen das Haus Bethanien. Hier gibt es ein Altenheim mit 31 Plätzen, 5 davon sind für Hospiz reserviert. Dies ist das erste Hospiz in der Herzegowina (das im Südwesten gelegne Viertel des Landes). Auch hier gibt es eine große Behinderten-Werkstätte.

Wir treffen einen örtlichen Priester und sind überrascht zu hören, dass die volkskirchliche Situation hier noch sehr stabil sei, sogar noch leicht ausgebaut werden könne.

Anschließend werden wir zu einem sehr ausgiebigen und festlichen Mittagessen in einem nahe gelegenen NP eingeladen. Als Nachtisch gibt es zum wiederholten Male den mir aus Österreich bekannten Palatschinken (Pfannkuchen mit Nuss-Nougat-Creme, hier „Eurocreme“ genannt).

Danach besuchen wir eine orthodoxe Kirche, die im letzten Krieg zerstört, inzwischen aber wieder aufgebaut wurde. Sie wurde in knalligen Farben sehr weitreichend ausgemalt. Der Pope ist sehr freundlich. Eine Einschätzung zur politischen Lage leht er mit dem Hinweis ab, dass er weder eine Zeitung, noch einen TV oder ein Telefon habe…

Anschließend besuchen wir ein Haus der Derwische an der Quelle des Flusses Buna, an einem großen Felsen. Sehr reizvoll gelegen, ist das Haus leider nicht mehr bewohnt. Es gibt nur noch ein Cafe und einige touristische Stände hier.

Wir feiern recht spontan noch den Gottesdienst in einer Stadtteilgemeinde Mostars mit, unser Weihbischof Otto Georgens leitet diesen Gottesdienst mit dem hiesigen Pfarrer und „unserem“ Leiter der diözesanen Caritas. An einem „normalen“ Freitag abend ist die Kirche total voll!

Es schließt sich ein erneut festliches Abendessen an. Hunger haben wir noch nicht wieder. Der Caritas-Direktor, den ich inzwischen lieb gewonnen habe, teilt uns in einem Gespräch an einem Tisch seine (für mich sehr interessante) Sicht der politischen Lage von BiH und „der Welt“ mit. Leider beginnt dabei eine Musikgruppe so laut zu spielen, dass wir uns nicht mehr unterhalten können. Am Nachbartisch sitzt eine Familie aus der Pfalz. Die Tochter ist mit ihrem Freund vor zwei Monaten in einem zu einem Wohnmobil umgebauten LKW zuhause aufgebrochen. Die Eltern besuchen die Beiden nun. Bald soll es weiter gehen, Richtung Baikalsee, Wladiwostok, vielleicht Südafrika…