07. Juli

Beim Frühstück habe ich etwas mehr Appetit. Aber ich bin weiterhin schwach. Wieder kommen Kinder, das Spiel von gestern scheint sich zu wiederholen. Aber diese Kinder sind nicht so hartnäckig: Nachdem ich sie einmal vertrieben habe, kommen sie nicht wieder. Bis auf zwei, aber die sind richtig lieb und helfen mir sogar – so gut sie können – beim Zeltabbau. Heute Nachmittag will ich mich endgültig mit meinen Radkumpels wieder treffen. Da ich mich deutlich besser als gestern fühle und morgen bereits der erste große Pass (1200 Höhenmeter; 4794 m hoch) auf dem Programm steht, denke ich mir, dass ich heute wenigstens ein paar km im Flachen radeln sollte. Wenn ich mich zu müde fühle, kann ich ja immer noch in einen Truck. Zum Treffpunkt sind es knapp 100 km. Da es aber wieder recht flach ist und ich zu Beginn sogar Rückenwind habe, rollt es recht gut. Alles erscheint heute wieder einfacher und auch freundlicher. Auch einen Regenschauer sowie kurzfristigen Gegenwind überstehe ich recht gut. Tatsächlich erreiche ich am späten Nachmittag unseren vereinbarten Treffpunkt. Aber hier stehen keine Räder, ich sehe keinen Daniel, keinen Fernando und auch keinen Wout. In dem Restaurant frage ich, ob sie mir eine »message« hinterlassen hätten. Ihr (verlegenes) Lächeln und Kichern heißt wieder so viel wie »weiß/versteh nicht.“ Ich male drei Strichmännchen mit drei Rädern auf ein Blatt Papier und auf einmal klickt es bei einem und er führt mich ins benachbarte Hotel. So finde ich die Drei, es gibt ein großes »Hallo« und wir erzählen uns unsere Geschichten. Das »Himalayan Tibetan Hotel« haben sie sogar über zwei Stunden gesucht, bevor sie erfahren haben, dass es dies gar nicht gibt. Danach haben sie sich wenigstens noch ein bisschen was von den ersten Zeugnissen aus der Frühgeschichte Tibets angeschaut. Fernando hat eine Erkältung erwischt und daraufhin Antibiotika genommen. So fuhr er heute mit dem Bus zurück und wird wohl noch einen weiteren Ruhetag einlegen müssen, so dass wir morgen anscheinend nur noch zu dritt sind. Wir gehen zum Abendessen, endlich geht wieder etwas mehr in meinen Magen. Nun freuen wir uns alle auf die Nachtruhe, aber die Realität sieht mal wieder anders aus: Eine laut dröhnende Disco! Hätten sie wenigstens gute Musik gespielt, aber wie an so vielen Plätzen in Tibet läuft auch hier nur westlicher »Soft- Pop«. Lärmschutz – gibt es so was in Tibet? Vor allem Wout flucht, er denkt an seine nun möglicherweise fehlenden Kraftreserven morgen am Berg. Wir liegen alle für Stunden wach. Ich bekomme aber noch ein anderes Problem, und das ist noch wesentlich heftiger: Der Durchfall ist wieder da! Ich renne immer wieder auf die Toilette, manchmal schaffe ich es noch, manchmal nicht mehr. Und die Toiletten hier sind ein Graus: Schon in Lhasa waren die (meist dreckigen) Toiletten voneinander nur durch eine ca. einen m hohe Mauer umgeben, und die Toilettenanlage war nur durch ein Tuch von der »Außenwelt« getrennt. Da sehnt man sich nach der Natur. Aber hier in Gonkar hat die Toilette noch was ganz Spezielles zu »bieten«: Die Spülung geht nicht, so dass es von Mal zu Mal etwas »mehr« wird. Die Nacht ist eine Katastrophe: Kaum liege ich wieder im Bett, schon geht das Rumoren los und ich muss wieder ab.