13. Juli

In der Nacht herrscht (nachdem das Musikgedudel endlich beendet ist) stundenlanges Hundegebell. Zudem kommt um 2:00 in der Nacht noch laut polternd ein anderer Gast. Für China scheint das alles aber normal. Am Vormittag wird dann langsam, aber sicher die Straßenqualität schlechter. Aber noch ist sie meist asphaltiert. Dafür geht es ständig Auf und Ab, immer kurz, manchmal aber knackig. Fernandos Lungen geben – dank Bronchitis – nicht viel Luft her und ich bin auch nicht so fit. Nach dem Mittagessen, das hier »auf dem Land« immer das Gleiche ist (Reis/Nudeln mit Gemüse und ein bisschen Ei; dazu heißes Wasser mit ein paar Teeblättern, die zudem häufiger verwendet werden), schlafen wir so fast sogar in der prallen und intensiven Sonne ein. Viel ist hier nicht los. Ab und zu ein paar kleinere Häuseransammlungen und alle paar Minuten auch mal ein Truck. Wen wundert’s? Tibet, das ca. viermal so groß wie Deutschland ist, hat ganze zwei Millionen Einwohner. Am Nachmittag geht wieder ein Regenschauer runter, wir stellen uns unter einem Felsvorsprung unter. Dann verengt sich das Tal, außer Fluss und Straße, die schlechter und schlechter wird, hat hier nichts mehr Platz. Der von den Trucks auf den Schotterabschnitten aufgewirbelte Staub lässt uns immer für einige Sekunden quasi in ein Nichts hineinfahren. Nun gibt es nur noch ca. alle 50 km ein kleines Dorf. Dazwischen sehen wir nur Bauarbeiter, unter ihnen auch überraschend viele Frauen. Zwei von diesen bedeuten mir anzuhalten. Als ich ausweichen will, greifen sie nach meinen Radtaschen und reißen mir meinen so treuen Expander, der dabei zu Bruch geht, vom Rad. Als ich daraufhin wütend werde, verstehen sie das überhaupt nicht. Wir richten meinen Expander provisorisch wieder her und es kann weiter gehen. Am Abend »fliehen« wir noch vor einem Gewitter und erreichen nach immerhin 120 Tageskilometern ein Dorf, in dem wir zu Abend essen können und sogar ein Bett zum Schlafen finden.