15. Juli

Martin hat geträumt, dass er von der »PSB« »eingelocht« wurde. Ja, so stark kann einen Radfahrer in Tibet die Angst vor der Polizeibeschäftigen. Wir gehen nach dem Frühstück zu eben jener »PSB«, um uns eine »Permit« für die restliche Strecke bis an die nepalische Grenze ausstellen zulassen. Allerdings hat unsere Permit einen Haken: Die Spalte »Fahrzeug« bleibt leer, denn Räder sind ja nicht erlaubt und wir geben an, dass wir noch nicht genau wissen, ob wir mit dem Bus oder mit dem Landrover fahren . Uns wird wärmstens der Landrover empfohlen. Na ja, immerhin sind wir in Zukunft nur noch »halb illegal« unterwegs. Wir kaufen noch einiges für die nächsten Tage ein, v. a. Essbares. Ich will noch bei mir zu Hause anrufen. Das soll im »Xigaze- Hotel« möglich sein. Welch ein Kontrast bietet sich mir hier zum normalen Straßenbild: Hier glänzt alles in Gold und ist vom Feinsten, draußen gibt es nur Staub und Dreck. Was denken sich die Leute, die hier schlafen und dann noch sagen, dass sie Land und Menschen hier kennen lernen wollen? Ich rufe meinen Vater an, teile ihm mit, dass ich in gut einer Woche zurück in Kathmandu sein will. Außerdem lasse ich meinen besten Kumpel von zu Hause grüßen, der heute Geburtstag hat. Christian, am Abend werde ich ein Bier auf dich trinken, versprochen! Für 2:36 Minuten zahle ich umgerechnet über 20 DM. Dann will ich noch zu Fernando und Martin stoßen, die sich das Kloster Tashilunpo, als Sitz des Pantschen Lama bekannt und gleichzeitig auch das einzig Sehenswerte in dieser Stadt, anschauen. Da ich aber eine kurze Hose anhabe, werde ich nicht rein gelassen. Und unser Hotel ist soweit weg, dass das Kloster schon fast geschlossen hätte, bis ich – mit der »richtigen« Kleidung – wiederkäme. Unser Abendessen zieht sich für Stunden hin, da eine Reisegruppe eingetroffen ist, so dass für uns Drei natürlich kein Interesse mehr besteht. So unterhalten sich Martin und Fernando über ihre Pläne, zum Everest- Base-Camp zu gehen. Ich wollte da ja auch hin, aber durch meine Krankheit werde ich dafür keine Zeit mehr haben, da ich mit einem Bekannten aus österreich (Thomas) bereits in zehn Tagen in Bangkok verabredet bin. Aber vielleicht gibt es ja eine »Lösung«. Wir diskutieren darüber, ob ich es verantworten könne, den Kumpel zu bitten, dass wir uns erst ca. eine Woche später treffen könnten. Aber er hatte sich doch schon so darauf gefreut. Ich beschließe, ihn anzurufen, ihm die Sachlage zu schildern und ihn dann entscheiden zulassen. Und dann geschieht das völlig Unerwartete, das Geniale und das Beschissene in Einem: Thomas teilt mir mit, dass er mir schon vor Tagen eine Mail geschickt habe, in dem er seine Absage, die aus privaten Gründen erfolgte, begründet habe. So bin ich nun also für Tibet »frei«, aber dafür in Südostasien auch alleine! Ich versuche, es positiv zu nehmen und plane sofort, den Trip zum Base-Camp mitzumachen. Thomas bietet mir an, meine Eltern über die neue Sachlage zuinformieren, wofür ich ihm dankbar bin, da mein Geld nun für den – verlängerten – Tibetaufenthalt sehr knapp werden wird. Es ist schon sehr spät, wir müssen noch mal in Xigaze schlafen. Aber es ist nur noch ein Einzelzimmer frei. Nicht angenehm für drei Personen. Fernando kann gar nicht schlafen und mich plagt mitten in der Nacht ziemlich starkes Herzstechen.