17. Juli

Da wir am Morgen hier nichts mehr zu trinken oder essen ergattern können, sind wir heilfroh, dass wir einige km später ein Dorf mit Restaurant finden. Dennoch fühle ich mich weiterhin schwach und tatsächlich: DER DURCHFALL BEGINNT WIEDER!!! Verdammt, was soll ich machen? Hat der »Giardia-Bastard« zurückgeschlagen? Aber obwohl ein Pass mit einer Höhendifferenz von ca. 900 m auf eine von mir noch nie erklommene Höhe von 4700 m beginnt, bleibt mir kaum eine andere Wahl als weiterzuradeln. Denn welche »Alternativen« hätte ich denn? Busse? Erstens gibt es nicht viele und zudem sind sie meistens so voll, dass sie kaum noch Platz für mich und mein Rad hätten. Trucks? Diese nehmen mich wohl kaum mit, da die Fahrer sich strafbar machen, wenn sie mich an Polizeikontrollen vorbeischleusen. Landcruiser? Diese sind meist ebenso ausgelastet, da es für die Insassen umso billiger wird, umso mehr sie sind. So organisieren sie sich zusammen. Zudem gelten sie erst ab fünf Personen als (offiziell erlaubte) Gruppe. So fahre ich also mit meinem treuen Packesel weiter. Da ich schwach und damit körperlich und nervlich angeschlagen bin, gehen mir die immer so neugierigen Leute in den Dörfern stark auf den Keks. Wann immer es möglich ist, durchfahre ich darum die Ortschaften so schnell als möglich. Umso mehr bewundere ich Fernando, der die Kinder unterhält, indem er ihnen Lieder vorsingt. Auch heute sind wieder einige Bäche zu durchqueren. Na ja, so werden wenigstens Rad und Füße mal wieder sauber. Die Straße ist meist schlecht, mal ist sie staubig, dann wieder schlammig. Aber immer mit Steinen durchsetzt. Wir werden gut durchgerüttelt. Die Steigung beginnt, aber zunächst lange sehr sanft. Ein paar Tibeter, die sich gerade auf einem Ausflug befinden und picknicken, rufen uns zu sich. Ihren Buttertee »muss« ich mit Rücksicht auf meinen lädierten Magen dankend ablehnen, das mir daraufhin offerierte Bier nehme ich gerne an. Auch Martins Magen streikt nun. Er fühlt sich sogar so schlapp, dass er sich nicht mehr zutraut, heute noch den Pass zu erklimmen. So schlägt er Fernando vor, in das nur noch 50 km entfernte Kloster »Sakya« (25 km abseits der Hauptstraße) vorzufahren und wir könnten uns morgen Abend in der nächsten größeren Stadt (Lhatse) wieder treffen. Mir ist das ganz recht, so kann ich mich vielleicht ein bisschen schonen. Martin und ich suchen nur noch einen geeigneten Platz zum Campen und schon geht es ab in die »Falle«. Martin ist völlig schlapp, er ist nicht einmal in der Lage noch etwas zu essen. Ich hingegen »genehmige« mir eine Portion Instant-Nudeln mit dem letzten (kalten) Wasser, das ich habe.