18. Juli

Mein langer Schlaf wird leider dreimal unterbrochen, damit ich den Bedürfnissen meines angeschlagenen Magens nachkommen kann. Dennoch fühle ich mich heute zumindest nicht schwächer als gestern. Martin geht es wieder deutlich besser. Er weiht am Morgen meinen Katadyn-Filter ein, mit dem man aus dem dreckigsten Wasser noch Trinkwasser aufbereiten kann. Allerdings ist das eine »Knochenarbeit«. Jeder Schluck muss mit viel Anstrengung durch den Filter getrieben werden. Martin tut dies am Morgen immerhin so lange, dass wir genügend Wasser zum Kochen (wieder Instant-Nudeln) haben. Obwohl wir versteckt zwischen vielen Sträuchern gecampt haben, ziehen wir auch hier wieder die Kinder an. Die Kinder hier in Tibet sind nicht hektisch, nein, sie haben die Ruhe, um dir stundenlang bei für uns alltäglichen, für sie aber scheinbar unglaublichen Dingen zuzuschauen. So sehen wir zu, dass wir das Zelt abbauen und verschwinden. Durstig bleiben wir aber dennoch und zu trinken haben wir nichts! So kommt ein Shop mitten im Niemandsland gerade recht. Danach beginnt der Pass so richtig. Mir macht er sogar Spaß. Als es so richtig hart zu werden beginnt, ist er bereits fast erklommen. Martin quält sich, aber auch er schafft es. Oben lassen wir uns – mit den typischen tibetischen Gebetsfahnen im Hintergrund, die alle großen Pässe hier schmücken – stolz von einem Landcruiserfahrer fotografieren. Dann kommt ein alter Tibeter mit seinem majestätischen Pferd. Er steigt ab, lächelt uns an und setzt sich zu uns. Leider haben wir in Tibet immer wieder das Problem, dass wir die uns angebotenen Getränke und Speisen mit Rücksicht auf unseren doch scheinbar anders gearteten Magen immer wieder ablehnen müssen. Ob das der »Alte« versteht? Es folgt die Abfahrt bis an die Kreuzung, an der man auch zum Kloster Sakya fahren kann. Wir machen hier eine Pause, essen Instant-Nudeln (was sonst?), da stoppt ein Landcruiser, ein »Weißer« steigt aus und fragt uns, ob wir Martin und Christoph seien. Er solle uns ausrichten, dass Fernando heute in Sakya übernachte und morgen um die Mittagszeit in Lhatse sein wolle. Die Straße wird schlechter, die Bodenwellen extrem. Obwohl wir deshalb schon sehr langsam fahren, bricht mein Gepäckträger an zwei Stellen leicht, was wir aber provisorisch reparieren können. Am Abend erreichen wir Lhatse. Als wir essen gehen wollen, erschrecken wir. Die Preise in diesem Touristenort sind doppelt so hoch wie normal. Aber ich habe inzwischen einiges von Fernando gelernt, es macht mir Spaß, die Preise zu verhandeln. So esse ich wieder Instant-Nudeln, fast zum normalen Preis. Anschließend suchen wir mal wieder vergeblich die zwei Hotels unserer Reiseführer, die wir zum Treffpunkt mit Fernando auserkoren hatten. So gehen wir in ein anderes Hotel. Ich muss auf die Toilette. Diese übertrifft wirklich alles Bisherige: Da das Licht nicht funktioniert kann ich sie nicht sehen, nur riechen. Aber das schon von weitem. Wie sie ausschaut, kann ich dann am nächsten Morgen »bewundern«: Es sind einfach zwei Löcher – ca. 15 cm tief – in die Erde gegraben, bis zum Rand gefüllt mit Sch…, außenrum nur Abfall etc. Ich bin so »fasziniert« davon, dass ich mein erstes Foto von einer Toilette mache.